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Philosophie : Ein Schisma in der Philosophie?

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Lektionen des Vergangenen

Auch wenn man unterstellt, dass Rosefeldt diese Rollenverteilung gar nicht intendiert hat, so indiziert schon die bloße Möglichkeit einer solchen Deutung alles andere als einen unvoreingenommenen Blick auf die Implikationen der als so verdienstvoll gepriesenen Ausdifferenzierung. Außerdem: Wenn diejenigen, die sich historisch in der Philosophie orientieren, damit rechnen dürfen, mit den Stigmata der Autoritätsgläubigkeit und Selbstgenügsamkeit belegt zu werden, muss man sich nicht groß darüber wundern, dass der sogenannte akademische Nachwuchs immer weniger motiviert ist, sich auf Historisches einzulassen. Da sieht man sich doch lieber auf der Seite der Selbstdenker.

Was aber noch befremdlicher wirkt: Rosefeldt erläutert seine Unterscheidung dadurch, dass er das, was für schlechte historische Forschung typisch ist, als ein wesentliches Merkmal von historischer Forschung insgesamt ausgibt, während er das, was man als charakteristisches Merkmal von guter systematischer Arbeit betrachten kann, als ein Kennzeichen von systematischer Arbeit schlechthin behauptet. Denn er präsentiert nicht nur die Anstrengungen der Interessanteren unter den historisch-philosophisch Forschenden in der Form der Karikatur, er gibt auch von der Tätigkeit der „Systematiker“ ein vollständig unrealistisches Wunschbild.

Was die Anerkannteren der historisch Forschenden betrifft, so ist in der Regel so gut wie niemand von ihnen an einem Autor um seiner selbst willen interessiert. Sie versuchen vielmehr herauszufinden, was ein Autor zu einer bestimmten philosophischen Frage zu sagen hat. Dies nicht etwa nur deshalb, um zu sehen, ob und wie der jeweilige Autor in der Lage ist, seine Antwort mit den von ihm in Anspruch genommenen argumentativen Mitteln zu begründen. Eine solche rein immanente Untersuchung kann natürlich auch interessant sein, ist aber selten ein Leitmotiv historischen Philosophierens. In ihm geht es darum, die erhellenden Potentiale der Antwort des betrachteten Autors für die gegenwartsbezogene Diskussion einer bestimmten philosophischen Sachfrage zu erkunden. Nicht selbstgenügsame Autorenfixiertheit, sondern problembezogene Prüfung dessen, was von der Vergangenheit zu lernen ist, macht ordentliches historisches Philosophieren aus.

Was dagegen die sich als systematisch verstehenden philosophischen Forscher betrifft, so werden auch sie in ihrer übergroßen Mehrzahl keineswegs Rosefeldts Beschreibung entsprechen. Dies deshalb, weil die meisten zwar irgendwelche Fragen beantworten, zugleich aber vollständig unklar ist, was an diesen Fragen philosophisch sein soll. Natürlich steht es einem frei, jede Frage, die in irgendeinem Sinn kontrovers beantwortet werden kann, eine philosophische zu nennen. Die seltsame Vermehrung der Subdisziplinen der Philosophie (Umweltphilosophie, Wirtschaftsphilosophie, Sportphilosophie, Internetphilosophie, Neurophilosophie und vieles andere mehr) könnte als Indikator dafür genommen werden, dass diese Freiheit bedenkenlos genutzt wird.

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