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CCC-Kongress : Die Sprache der Populisten

Provokation und Polarisierung: Die Sprache des Rechtspopulismus soll knapp und wirksam sein. Bild: dpa

„Lügenpresse“, „Meinungsdiktatur“ oder „Toleranzfaschismus“: Die Sprache der Populisten soll Menschenmassen provozieren und komplexe Zusammenhänge simplifizieren. Ist so ein gemeinsamer Diskurs überhaupt möglich?

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          Wie kann man mit jemandem diskutieren, der unter den vermeintlich völlig klaren Begriffen "Wahrheit" oder "Demokratie" etwas völlig anderes versteht als man selbst? Nur sehr schwer, meint Linguist und CCC-Mitglied Martin Haase, denn mitunter begegnet man Menschen, die die Sprache des Populismus sprechen. Haase lehrt romanische Sprachwissenschaft an der Universität Bamberg, betreibt das Blog neusprech.org und hielt einen der wohl unterhaltsamsten Vorträge beim Chaos Communication Congress in Hamburg. 

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

          Als unerschöpfliche Quelle einer zeitgenössischen populistischen Sprachneubesetzung dienten Haase die ungekürzten Videos, in denen die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali Pegida-Demonstranten interviewt. Und dort bedeutet Demokratie vor allem "Jetzt wollen wir herrschen", nicht irgendwelche abstrakten Eliten. Und Wahrheit ist in erster Linie das, was die "Lügenpresse" verschweigt, weil sie einer "Meinungsdiktatur" unterliegt. 

          Die Wahrheit ist ein sehr wichtiges Konzept des Populismus, weil sie stets einfache Gewissheiten beinhaltet und nie kompliziert oder schwer zu durchschauen ist. Zudem ist die Wahrheit des Populismus stets dystopisch gefärbt und dazu angetan, Ängste zu schüren. Meistens muss etwas oder jemand "weg" – "und zwar immer mit Ausrufezeichen!", so Haase – damit alles wieder gut wird: Merkel, die Flüchtlinge, der Euro trennen Deutschland von der Verheißung blühender Landschaften. Eine eher liberale, aber ebenso populistische Forderung ist "Steuern runter". Was folgen soll, wenn das, was weg muss, irgendwann einmal weg sein sollte, dafür gibt es kein Konzept. Auch das ist ein Kennzeichen des Populismus: Er malt Dystopien an die Wand, hat aber kein Gegenmodell zu bieten.

          Ausgeprägter Rechtspopulismus

          Den derzeit besonders ausgeprägten Rechtspopulismus erkennt man an Forderungen wie der nach einem "Recht der Mehrheit", der Forderung nach einem starken Staat und der Schuldzuweisung an eine Minderheit, die nicht genauer spezifiziert wird. Da werden Flüchtlinge und Einwanderer in einen Topf geworfen und mit Moslems, Islamisten und Terroristen gleichgesetzt – so genau muss man es nicht nehmen, die "Wahrheit" darf nicht zu komplex werden. Eine perfide Variante beschriebt Haase im Hass auf "Transferempfänger", die sich von Hartz4-Empfängern bis hin zu Beamten erstrecken kann. Auch der auf den ersten Blick linkspopulistische Hass auf Eliten oder "die 0,1 Prozent" endet gerne in antisemitischen Klischees, nämlich in "die Rothschilds sind schuld". 

          Soviel zur Logik des populistischen Denkens. Dieses drückt sich in einer eigenen Sprache aus, die mit Bedeutungsverschiebungen und Umdeutungen arbeitet. Das wohl populärste Beispiel ist der allgegenwärtige "Gutmensch", der sich vermutlich vom französischen "Bonhomme" ableitet und ursprünglich so viel wie "Naivling" bedeutet. Doch im Populismus werden die Gutmenschen zu den eigentlich Bösen, weil sie "politisch korrekte" Sprache verwenden. Politische Korrektheit ist ein weiteres rotes Tuch des Populisten, der darin seine "Meinungsfreiheit" beschnitten sieht – und zwar genau so: Seine eigene, vermeintlich unterdrückte Meinung, nicht die Meinung anderer, die er mit deutlich weniger Furore verteidigt.

          Herrscht die politische Korrektheit, so spricht der Populist vom „Toleranzfaschismus" – "das hab ich im Internet nur mit zwei L gefunden", so Haase sehr zur Erheiterung des großen Saales 1 – von Gutmenschenfaschismus oder Sprachfaschismus. Kaum ein Begriff ist dem Populisten zu heftig: Aus der Kritik am Gender-Mainstreaming wird die „Gender-Ideologie", der „Genderismus", der „Genderwahn" und schließlich der „Genderfaschismus". Zur Erinnerung: Es geht dabei um Sprachkritik. 

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