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CCC-Kongress : Die Sprache der Populisten

Wenig Berührungsängste mit historisch belasteten Wörtern

Überhaupt zeigen Populisten wenig Berührungsängste mit historisch belasteten Wörtern. Ein bekanntes Beispiel ist die Forderung von Frauke Petry, die den Begriff "völkisch" gerne entlasten und in die Alltagssprache zurückführen möchte. Allerdings war er dort nie: Er war als deutsche, also entlatinisierte Variante des Begriffes "national" eingeführt worden und machte um 1940 herum Karriere in antisemitischen Kreisen, die damit all das bezeichnen wollten, was nicht jüdisch war. 

Blinder Glaube an die eigene Wahrheit: Populismus tendiert zum Ausschluss gegensätzlicher Meinungen.
Blinder Glaube an die eigene Wahrheit: Populismus tendiert zum Ausschluss gegensätzlicher Meinungen. : Bild: dpa

Aus einem ähnlichen nationalsozialistischen Dunstkreis stammt die „Umvolkung", mit der einst die geplante Re-Germanisierung slawischer Volksgruppen in den Ostgebieten gemeint war. Heute steht er für die Annahme, in Deutschland und Österreich sollten mittels gezielter "Überfremdung" Deutsche zu einer Minderheit gemacht werden, die "fremd im eigenen Land" ist. Wer der Urheber eines solchen Planes ist, darum ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien (Obama, die Weltbank, die Rothschilds, die Juden ganz allgemein), immer jedoch ist "die Wahrheit" schlicht und monokausal und hat mit der Weltherrschaft kleiner Elitengrüppchen zu tun, die alles lenken, worüber man jedoch nicht sprechen oder schreiben darf. Es ist erstaunlich, wie schnell man mit einer schlichten Begriffsanalyse im politischen Abseits landet.

Das Arsenal populistischer Sprachschöpfung ist groß und bunt, die „Bahnhofsklatscher" gehören dazu, die Flüchtlinge am Bahnhof empfingen, ebenso die "Frühsexualisierung", die Sexualkunde kritisiert. Der „Flüchtlingstsunami", der auch eine Lawine, eine Welle oder eine Krise sein kann, lenkt den Blick vom Individuum zur anonymen, bedrohlich fremden Masse. Und während der Religionskritiker üblicherweise Anhänger der Religion ist, die er kritisiert und innerhalb derer er um den rechten Glauben ringt, gilt das nicht für den "Islamkritiker", denn der findet den Islam einfach nur nicht gut, was er mit dem "Asylkritiker" gemeinsam hat. 

Provokation und Bestimmung des Diskurses

Solche Begriffe haben mitunter seltsame Konjunkturzyklen, die sich recht gut mithilfe des Werkzeugs "Google Trends" ablesen lassen. Petrys Forderung nach einer Rehabilitierung des "Völkischen" führte zu einem kurzen Anstieg der Kurve, jedoch versank der Begriff sofort wieder in der wohlverdienten Vergessenheit. 

Ganz anders das Wort des Jahres, "postfaktisch". Es tauchte am 24. August diesen Jahres als "post-truth" in einem Artikel der „New York Times“ auf und ein zweites Mal im September im „Economist“. Es bezeichnete einen Politikstil, der vor allem mit Gefühlen arbeitet, wie es dem Populismus eigen ist. In Deutschland kam der Begriff erst am 13. Dezember an, als die Kanzlerin ihn verwendete. „Postfaktisch" stammt eigentlich aus der Erkenntnistheorie und grenzt die „antefaktischen Erklärungen" der Naturwissenschaftler von den postfaktischen der Geisteswissenschaftler ab. Das muss man nicht wissen, um den Begriff zu verwenden, er wird derzeit als Synonym für eigentlich Kontrafaktisches verwendet, für Fake-News, also eigentlich eine Lüge – die dadurch verharmlost wird. Interessanter machte das deutsche „postfaktisch" eine deutlich steilere und nachhaltigere Karriere als das englische „post-truth". 

Der Populismus verfolgt mit seinen Sprachschöpfungen zwei Ziele, so Haase: Die Provokation einerseits und die Bestimmung des Diskurses andererseits. Insofern liegt es an uns und an den Medien, sorgsam mit Wörtern umzugehen. Nein, um einen "Sprachfaschismus" gehe es dabei nicht. Aber die Umdeutung, Verbiegung und Verharmlosung von Begriffen, wie sie der Populismus betreibt, verfolgt ein Ziel, das man sich nicht zu eigen machen soll. Und wenn man mit Populisten redet, solle man sich klar machen, dass man mitunter nicht auf der gleichen semantischen Grundlage argumentiert. Da helfe nur nachfragen, so wie es Hayali in ihren Videointerviews gezeigt hat: Was genau ist denn Ihre Wahrheit? Was verstehen sie darunter? 

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