https://www.faz.net/-gqz-6y7vk

Amerikas Mormonen : Ich weiß, es ist wahr

  • -Aktualisiert am

Hier, am Hill Cumorah von Palmyra, New York, wo am 24. Juli 1967 diese Trompetenstöße gen Himmel gingen, empfing der Farmersjunge Joseph Smith im Jahr 1823 seine Inspiration Bild: Bettmann/CORBIS

Der Urvater der Mormonen, der sich auch schon um das Präsidentenamt bewarb, soll übel geendet sein. Im Ursprungsort dieser Religionsgemeinschaft liegt zum „Super Tuesday“ dennoch alle Hoffnung auf Mitt Romney.

          7 Min.

          Wo die Church Street die Main Street kreuzt, markieren die Ortsmitte von Palmyra vier prächtige Kirchen. Mit ihren Spitztürmen bilden die Zion Episcopal Church, die First Baptist Church, die First United Methodist Church und die Western Presbyterian Church ein christliches Quartett, das nicht nach einer fünften Stimme verlangt. Ein Tempel der Mormonen, wie Angehörige der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage auch heißen, würde hier nur für Dissonanzen sorgen. Aber es gibt ihn doch, weiter draußen am Ortsrand, eine mormonische Trutzburg in strahlendem Weiß, gekrönt von der goldglänzenden Statue eines Trompeters, des Engels Moroni. Das imposante Gotteshaus wurde erst im Jahr 2000 eingeweiht, obwohl die Mormonen in der Gegend zu Hause sind. Ihre Religion entstammt dem sanften Hügelland von Palmyra, einem verschlafenen Ort nahe dem Ontariosee, von der Stadt New York fast so weit entfernt, wie es im Bundesstaat New York überhaupt möglich ist.

          Und durch diese Geschichte, die noch gar nicht so lange zurückliegt, führen mich nun Sister Gardner und Elder Gardner. Das unbeirrbar freundliche Ehepaar - sie im langen Rock und einer Bluse mit großem Schleifenkragen, er im dunklen Anzug und weißen Hemd mit gestreifter Krawatte - ist aus Utah gekommen, um anderthalb Jahre seines Rentnerlebens im Missionarsdienst in Palmyra zu verbringen und mit Ungläubigen wie mir ins Gespräch zu kommen. Darum tragen sie die kirchlichen Ehrentitel Schwester und Ältester. Sie begrüßen mich aber eher wie einen verlorenen Sohn, wenn ich auch ihre Frage, ob ich zur Kirche gehöre, verneinen muss. Umso eifriger, aber immer sehr behutsam und geduldig erzählen sie also von Joseph Smith Jr., ihrem Vater Smith, Spross einer armen Farmerfamilie, mit dem alles begann.

          Smith war ein Junge von vierzehn, als er an einem strahlend schönen Morgen in den ersten Frühlingstagen des Jahres 1820 in dem kleinen Wäldchen, das Elder Gardner mir gleich für einen Spaziergang empfiehlt, zwei Gestalten von unbeschreiblicher Helle und Herrlichkeit erblickte. Es waren, wie er in seinem Lebensbericht schreibt, der Himmlische Vater und Jesus Christus, sein Sohn. Seit langem von Zweifeln geplagt, welcher Glaubensgemeinschaft er sich anschließen sollte, bat er die beiden um Auskunft. Keiner, bekam er zu hören; denn sie hätten alle unrecht.

          Das Gebet bestätigt ihnen die Wahrheit

          Eine verrückte Geschichte, sagt Elder Gardner. Unmöglich, dass sich jemand so etwas auszudenken wage. Aber es wird noch verrückter: Drei Jahre nach der Vision im Wäldchen, das die Mormonen heute als „Heiligen Hain“ lobpreisen, erscheint der Engel Moroni in Smiths Dachkammer, in der ich jetzt mit den Gardners stehe. Gut, die bilderbuchhübsche Blockhütte ist eine Nachbildung, aber sie befindet sich am rechten Ort und ist dem Original getreu nachempfunden. Unten in der Wohnküche ist der Tisch gedeckt, als könnte die Familie sich jeden Augenblick zum gemeinsamen Mahl versammeln. Aber zurück zu Moroni. Dreimal, erklärt Elder Gardner, habe Smith in jener Nacht Besuch von dem Engel bekommen. Er erfuhr von einem Buch aus goldenen Platten, das die Fülle des immerwährenden Evangeliums enthalte, wie es der Erretter einst den früheren Bewohnern Amerikas gebracht habe. Das Buch Mormon sei sein Name.

          Weitere Themen

          „Azor“ Video-Seite öffnen

          Trailer (OmU) : „Azor“

          „Azor“, Regie: Andreas Fontana. Mit: Fabrizio Rongione, Stéphanie Cléau, Carmen Iriondo, Juan Trench, Ignacio Vila, Pablo Torre, Elli Medeiros, Gilles Privat, Alexandre Trocki, Augustina Muñoz, Yvain Julliard. CH, F, ARG, 2021.

          Topmeldungen

          Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

          Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

          Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.