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Amerikanischer Wahlkampf : Trump im Check

Donald Trump bei einer Rede in Wisconsin Bild: Reuters

Amerikanische Journalisten überführen Donald Trump ständig inkorrekter Behauptungen. Liegen sie selbst damit richtig?

          2 Min.

          Es ist in der amerikanischen Presse üblich geworden, über Veranstaltungen, auf denen politische Behauptungen aufgestellt werden, doppelt zu berichten. Neben dem Artikel, der die Rede referiert oder die Talkshow zusammenfasst, steht ein zweiter, der einzelne Sätze auf ihre sachliche Richtigkeit prüft. Die Autoren eines solchen „Faktenchecks“ haben sich auf diese Stellenkommentare spezialisiert, verstehen sich als Materialprüfer des politischen Betriebs. Am Montag hielt Donald Trump in Ohio eine Grundsatzrede zur Außenpolitik. Der ihr gewidmete Beitrag in der Rubrik „Fact Checker“ der „Washington Post“ behauptet, Trump habe zum wiederholten Male eine Serie längst widerlegter falscher Aussagen vorgetragen.

          Was bleibt von dieser Behauptung, wenn man sie ihrerseits einer Überprüfung unterzieht? Trump sagte: „Die Versäumnisse im Irak wurden durch Hillary Clintons Katastrophe in Libyen verschlimmert. Präsident Obama hat inzwischen gesagt, dass er Libyen für seinen schlimmsten Fehler hält.“ Die beiden Autoren des Hauptstadtblatts behaupten, dass Trump Obama falsch zitiere. Als seinen schlimmsten Fehler habe dieser das Versäumnis bezeichnet, für die Zeit nach der Invasion zu planen. Hat Obama damit etwa kein vernichtendes selbstkritisches Urteil über die gesamte Operation gesprochen?

          Im Metier der Faktenprüfer ist es sinnvoll, eine Aussage in Teilsätze mit je eigenem Wahrheitsanspruch zu zerlegen. Eine Handlung von der Art des kriegerischen Angriffs auf einen Staat kann politisch aber nur als Ganzes beurteilt werden. Gegen Trumps Feststellung, Iran verfüge über „von den Vereinigten Staaten freigegebene Geldmittel“ in Höhe von 150 Milliarden Dollar, wird eingewandt, das klinge nach Geld des amerikanischen Steuerzahlers. Abwegig: „Freigegeben“ wurde Geld, das Iran gehörte, aber in der Zeit der Sanktionen eingefroren war. Trumps Satz, der Aufstieg des „Islamischen Staats“ sei das direkte Ergebnis strategischer Entscheidungen von Obama und Frau Clinton, ist für die Tatsachenrichter „falsch und leichtfertig“.

          Solche Hypothesen zur historischen Kausalität sind aber nicht nach forensischer Methode zu beweisen oder zu widerlegen. Es kommt alles darauf an, in welche Zeitspanne man den Aufstieg des Terrorstaats datiert. Nachweisbare Schwierigkeiten mit der Wahrheit hatte Trump in dieser Rede vor allem dort, wo es um eigene frühere Aussagen zur Wünschbarkeit von Invasionen ging - Aussagen, die er getätigt hatte, als er noch kein Politiker war.

          In der Abstimmung des Weltsicherheitsrats über die von Hillary Clinton durchgesetzte Libyen-Aktion enthielt sich der deutsche Außenminister der Stimme, was die transatlantische Gemeinschaft der Außenpolitikberater als Torheit bewertete. Hillary Clinton will die amerikanische Angela Merkel werden: ein Satz, der falscher nicht sein könnte, und doch keine Lüge.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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