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Amerikanische Kulturförderung : Wirtschaftsmotorwerte

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Die Kunst hat Obama längst entdeckt, jetzt ist es an ihm, ihr etwas zurückgegeben: zwei Betrachter vor einer Collage von Shepard Fairey Bild: AP

Kulturförderung ist eine völlig unamerikanische Angelegenheit. Trotzdem bekommt die amerikanische Kultur jetzt fünfzig Millionen Dollar. Ein Taschengeld angesichts eines Konjunkturpakets von 787 Milliarden Dollar, und wohl auch zu wenig, um das Schrumpfen privater Kulturförderung auszugleichen.

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          Präsident Obama ist ins Museum gegangen, um die amerikanische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen: Im Museum of Nature and Science in Denver, Colorado, hat er am Dienstag das Konjunkturprogramm unterzeichnet, das bis vor anderthalb Wochen noch ausdrücklich keinen Cent für Museen, Kulturzentren oder Theater vorsah. Sogar Charles Schumer, der demokratische Senator des Bundesstaats New York, hatte für das Subventionsverbot gestimmt. Vor allem aber waren es seine republikanischen Kongresskollegen, die vor der Verwendung von Steuergeldern für kulturelle Unternehmungen jeder Art warnten und darüber den vertrauten Chor von der Kultur als Spielzeug einer linken Elite anstimmten. Die Opposition war also nicht weniger gewaltig als vorhersehbar.

          Mit einem Federstrich Obamas bekommt die Kultur jetzt doch fünfzig Millionen Dollar. Angesichts eines Konjunkturpakets von 787 Milliarden Dollar mag das wie Taschengeld wirken. Aber für eine Nation, die auch auf Bundesebene kulturelle Förderung mit allerhöchster Zurückhaltung betreibt und im Grunde als unamerikanisch empfindet, ist das eine beachtliche Summe. Das National Endowment for the Arts (NEA), zusammen mit dem National Endowment for the Humanities (NEH) die einzige staatliche Kulturstiftung Amerikas, verfügt für das laufende Jahr gerade mal über 145 Millionen Dollar. Die zusätzlichen fünfzig Millionen werden zu vierzig Prozent an bundesstaatliche und regionale Fördereinrichtungen gehen, zu sechzig Prozent an individuelle Projekte, wie sie das NEA gemeinhin fördert.

          Kulturindustrielle Argumente

          Die überraschende Wende zugunsten der Kultur hat nun, wie jeder Erfolg, viele Väter. Einer davon soll Robert Redford sein, der zum Telefon griff, um Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, von Nutzen und Förderungswürdigkeit kultureller Einrichtungen und Vorhaben zu überzeugen. Wie Redford setzten auch Zehntausende Künstler und Kulturfunktionäre die Politiker in Washington unter Druck. Der Kulturlobbyist Robert L. Lynch, der die Organisation „Americans for the Arts“ leitet, bezeichnete das Ergebnis als riesigen Erfolg für die Künste in Amerika und meinte darin zu erkennen, dass seine Landsleute den Wert der Kreativität im knirschenden Wirtschaftsgefüge des einundzwanzigsten Jahrhunderts womöglich doch besser als je zuvor begriffen. Das freilich käme ganz darauf an, was Lynch unter „Wert“ versteht.

          Redford und seine Kampfgenossen wärmten die wirtschaftlichen Argumente auf. Das von ihm begründete Sundance Festival, rechnete der Filmstar vor, bringe für Park City in Utah, wo es stattfindet, sechzig Millionen Dollar pro Jahr ein. Laut Kulturlobby sorgen die Künste in Amerika für sechs Millionen Arbeitsplätze, verschaffen dem Staat dreißig Milliarden Dollar an Steuereinnahmen und machen sich mit insgesamt 166 Milliarden in der Wirtschaft bemerkbar, sei es an der Kasse des Parkhauses, des Souvenirladens oder der Popcorn-Theke im Multiplex. Der Wert der Kultur wird damit strikt kulturindustriell definiert und kann sich so erst neben den anderen, handfesteren Industrien behaupten, die keine Mühe hatten, an Fördergelder zu kommen.

          Wachsende Lücke

          Vielleicht geht es nicht anders, vielleicht können Politiker sich nur erlauben, solche Argumente zu begreifen. Dass Kultur mehr sein kann als ein Wirtschaftsmotor, ist im Hinblick auf Wucht und Folgen der Notlage eine Einsicht, an die später wieder einmal zu erinnern wäre. Gleichwohl stimmt es ein bisschen traurig, dass Künstler auf gesellschaftliche Anerkennung weiterhin nur hoffen dürfen, wenn sie ihre Arbeit mit Bilanzen erklären und sich so unter Wert verkaufen müssen. Der nächste Chef des NEA hätte auch da noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten.

          Nach dem Rücktritt des vielgelobten Lyrikers und Kulturmanagers Dana Gioia hat Obama den Posten noch nicht neu besetzt. Und wie beim gesamten Konjunkturprogramm sind über die Wirkung der Finanzspritze im kulturellen Bereich allenfalls Vermutungen anzustellen. Der Jubel über die fünfzig Millionen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie nicht die wachsende Lücke füllen, die schrumpfende Stiftungsvermögen und der Rückgang von Spenden privater Mäzene hinterlassen.

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