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Der echte „American Sniper“ : Wenn man dauernd gewinnt, macht’s viel mehr Spaß

Aber Kyle hat darüber gescherzt, dass er sich diese Energieabfuhr abgewöhnen musste. Es prügele sich viel leichter, sagte er in einem langen Interview mit einer Reporterin vom „Time Magazine“, wenn die Marine einen immer heraushaue: „Wenn die eigenen Handlungen keine Folgen haben, kann man viel mehr machen.“ Anders gesagt: Wenn man dauernd gewinnt, macht’s viel mehr Spaß. Im Irak konnte davon nur auf dem Papier von Abschusslisten die Rede sein.

Der Dokumentarfilmer Michael Moore zettelte eine virtuelle Wirtshausprügelei an, als er über Twitter Kyle und dessen Kampfgefährten die Befähigung zum Heldentum absprach. „Mein Onkel wurde im Zweiten Weltkrieg von einem Scharfschützen getötet. Uns wurde beigebracht, dass Scharfschützen Feiglinge seien. Sie schießen dich in den Rücken. Scharfschützen sind keine Helden.“ In dreifacher Gestalt hat der einsame Schütze im Versteck einen Platz im historischen Gedächtnis der Amerikaner: als Indianer, als Guerrillakämpfer im Bürgerkrieg und als Terrorist.

Die Feinde sind für Kyle Wilde

Postum erschien 2013 ein zweites Buch von Chris Kyle: „American Gun“, eine Geschichte Amerikas anhand von zehn Schusswaffen. Kyles Koautor berichtet, mit besonderer Leidenschaft habe Kyle die Geschichten aus dem Wilden Westen nacherzählt. Um seine Ziele auszumachen, muss der Scharfschütze nach Kyles Aussage das Gelände überblicken, „die Kultur kennen“ und auf jede Regung achten. Er praktiziert also eine Kunst der überscharfen Beobachtung, die die Trapper den Indianern abgeschaut haben. Hier zeichnet sich ein Geheimnis der Menschenjagd ab, die der Lebensinhalt des Scharfschützen ist. Der Jäger gleicht sich dem Gejagten an.

Kyle spricht von seinen Feinden durchgehend als Wilden („savages“). Dass er seinen Opfern demonstrativ die Menschlichkeit abspricht, ist ein Akt der Verwilderung, den man kaum als unbewussten einstufen kann. Auszusprechen, dass er selbst zum Wilden geworden ist, bringt Kyle allerdings nicht fertig. Der „bad-ass“ ist die Chiffre dafür; weiter kommt er nicht. Da ist Swofford, ein Scharfschütze ohne einen einzigen Treffer, in seinem von Sam Mendes verfilmten Memoirenbuch „Jarhead“ ehrlicher. Er zitiert seinen Ausbilder: Als Angehöriger des Marine Corps sei er „das wildeste, gemeinste, primitivste, mitleidloseste Geschöpf in Gottes grausamem Königreich - ein Killer“.

Der erste von Chris Kyles 160 Todesschüssen traf eine Frau, die auf eine Gruppe von Marines zugeht und unter ihrer Kleidung eine Granate versteckt hat. Sie verkörperte für Kyle alles, wogegen er im Irak zu kämpfen hatte: „Savage, despicable evil.“ Die Firma, die der zurückgekehrte Kyle in Dallas gründete, bietet Schulungen für Polizisten an. Sie wirbt mit einem Motto, das Kyle von einem gefallenen Kameraden übernahm: „Deine Mama hatte unrecht - Gewalt löst Probleme.“

An der Front tankte Kyle Kraft, indem er sich Filme auf DVD ansah, Raubkopien, die es in Bagdad auf der Straße zu kaufen gab. Er besorgte sich eine James-Bond-Box und einige Filme von Clint Eastwood. Sein Lieblingsschauspieler war John Wayne. „Am meisten mag ich seine Cowboyfilme. Das passt wahrscheinlich.“

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