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Amazons Bücherkrieg : In geheimer Mission

Steht Amazon vor der Übernahme eines der fünf größten klassischen Verlagshäuser? Jeff Bezos bei einer Präsentation im Juni 2014. Bild: REUTERS

Amazons Bücherkrieg mit Hachette geht weiter. Jetzt gibt es Gerüchte über die geplante Übernahme eines anderen klassischen Verlagshauses durch den Online-Versandhändler.

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          Er kenne das Ziel nicht, das Jeff Bezos verfolge, sagte José Luis de Haro, als er Anfang der Woche in New York sein Buch über Amazon vorstellte, denn er wolle nicht mit Verschwörungstheorien operieren. Das Buch des Amerikakorrespondenten der spanischen Tageszeitung „El Economista“, das nur auf Spanisch vorliegt, ist in einem Verlag des Konzerns Penguin Random House erschienen, der mit Hachette, HarperCollins, Macmillan und Simon & Schuster den Club der „Big Five“ bildet, der fünf Großverlage, die die amerikanische Buchproduktion dominieren. Gegen Hachette führt Amazon einen Krieg, dessen Anlass die Frage der Gewinnverteilung im E-Book-Geschäft war.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Kann man das Ziel dieses Krieges nicht an den Mitteln ablesen? Der Vorschlag, Hachette solle seinen Autoren einen Gewinnanteil von hundert Prozent zahlen, wäre für den Verlag ruinös, ist aber vielleicht nur als Provokation gemeint, als Demonstration dessen, was Amazon sich leisten kann – im doppelten Sinne.

          Mit dem Zauberwort des kalifornischen Gründerzeitgeistes feiert de Haro den Amazon-Mann Jeff Bezos als Genie der „disruption“, der schöpferischen Zerstörung. Amazon wirbelt den Markt durcheinander – und der Kunde habe den Vorteil. Die Frage, ob das so bleiben wird, wenn es einmal keine anderen Lieferanten und Produzenten von Büchern mehr gibt, hält der Finanzjournalist für spekulativ.

          Das Warten auf den nächsten Schritt

          Worauf Amazon hinauswill, ist kein Geheimnis. Der Name des Unternehmens erübrigt investigatives Händeringen. Der Amazonas tritt über die Ufer der geographischen Terminologie und weitet sich zum Meer. Er lässt Platz für andere Gewässer, aber nur als Zuflüsse. Manche Buchmarktbeobachter teilen die Hoffnung, dass eine von Amazon erzwungene Marktbereinigung gut für die Kunden sein wird – die Käufer, aber auch die Autoren, von deren Honorar die Verlage sozusagen verdeckte Gebühren für das Prestige abziehen, das die Publikation in einem angesehenen Haus verschafft.

          Es gibt das Scherzwort vom „Amazon derangement syndrome“: Verleger, Lektoren, Buchhändler und professionelle Buchkritiker leiden demnach unter einer panisch verzerrten Wahrnehmung. Aber das durch und durch systematische Vorgehen, das Amazon groß gemacht hat, ist Grund genug dafür, dass jede Nachricht über den angeblich nächsten Schritt von Bezos sich in Sekundenschnelle in der gesamten Buchwelt verbreitet.

          Falschmeldungen und Fehlinterpretationen

          So geschah es am Dienstag mit dem Gerücht, Amazon wolle Simon&Schuster kaufen, den kleinsten der „großen Fünf“, ein Tochterunternehmen des Fernsehriesen CBS. Auf einer Konferenz der Zeitschrift „Fortune“ verriet der CBS-Chef Leslie Moonves, dass man derzeit in Verhandlungen mit Amazon stehe. Für Aufregung sorgte, dass er außerdem von einem Treffen mit Bezos erzählte, das in der vergangenen Woche am Rande einer anderen Konferenz stattfand.

          Worüber sollten die Chefs gesprochen haben wenn nicht über das große Ding, einen Verkauf von Simon & Schuster? Dieser Schnellschluss eines Bloggers ist typisch für einen gewissen Provinzialismus der Buchbranche. CBS und Amazon sind noch auf ganz anderen Ebenen miteinander im Geschäft, produzieren und verbreiten gemeinsam Serien.

          Obwohl man sich die Befragung von Moonves bei Youtube ansehen kann, gab es Falschmeldungen. Anders, als das deutsche „Börsenblatt“ schrieb, wurde Moonves nicht nach einem Verkauf von Simon&Schuster gefragt. Er konnte also auch nicht ausweichend antworten. Aus dem Gesprächszusammenhang ergibt sich, dass die aktuellen Verhandlungen denselben Gegenstand haben wie bei Hachette: die E-Book-Rechte.

          Übernimmt Amazon Verlagshaus?

          Das ist gewichtig genug. Ein Entgegenkommen von Simon & Schuster würde Hachette unter Druck setzen. Wie diese Woche bekannt wurde, testet Amazon einen Abo-Dienst, der gegen 9,99 Dollar im Monat den Zugriff auf mehr als 600 000 E-Books bieten soll. Das dürfte ein weiteres Verhandlungsthema sein.

          Der große Coup, die Übernahme eines klassischen Verlagshauses, würde in den Plan von Bezos passen. Die von Amazon selbst verlegten Bücher werden von den meisten Buchhandlungen nicht geführt. Gehörte Simon & Schuster zu Amazon, stünde die Probe an, ob der Buchhandel diesen Boykott durchhalten kann.

          Andererseits nutzt Amazon den Krieg gegen Hachette für eine große Anwerbeoffensive. Den Autoren wird weisgemacht, dass die Verlage sie mit den Aufwendungen für Lektorat und Pressearbeit nur ausnehmen. Dieses schmutzige Geschäftsmodell wird Amazon doch nicht übernehmen wollen?

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