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Amazon übernimmt MGM : Löwe im Paket

Zukunft gesichert: Amazon übernimmt das traditionsreiche Filmstudio Bild: Reuters

Jeff Bezos hat zwar mit Büchern angefangen, verdient nun seine Milliarden aber auch mit Filmen. Amazon übernimmt das alte Hollywood. Was hat das zu bedeuten?

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          Wer etwas tun möchte, das gesellschaftliche Verantwortung oder Erwartungen mit sich bringt – Gruppen leiten, Waffen besitzen, Krankheiten behandeln, angeln, Dinge oder Filme verkaufen –, der braucht eine Bescheinigung, Genehmigung, Lizenz oder Approbation. Seltener hilft auch ein Orden oder eine Ehrenurkunde. Sie zeigen den staatlich oder sonst wie beteiligten Personen an, dass das Tun von höherer Stelle abgesegnet ist. Man bekommt sie, mitunter gegen eine kleine Gebühr, ausgestellt und ausgehändigt. Wenn beim Erwerb dieser Art Anerkennung viel Geld im Spiel ist, geht es oft nicht mit rechten Dingen zu.

          Amazon, Jeff Bezos’ Lieferservice für Dinge aller Art, inklusive bewegter Bilder, hat am Mittwoch für eine solche Beglaubigung jedenfalls 8,45 Milliarden Dollar geboten. Statt einer schriftlichen Lizenz, die man sich hätte einrahmen und sichtbar ins Büro hängen beziehungsweise auf Instagram hätte posten können, hat sich Bezos ein ganzes Filmstudio unter den Nagel gerissen: das traditionsreiche Hollywood-Studio mit dem brüllenden Löwen, Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), das je nach Lesart den Avancen der Streaminganbieter lange widerstanden oder aber nur auf das richtige Angebot gewartet hat.

          Sonnen im alten Hollywood

          Gekauft hat Bezos damit jedoch nicht nur einen illustren Figurenreigen – James Bond, Rocky, Robocop – und etwa 4000 „Hollywood-Filme“, die sukzessive sein Video-on-Demand-Angebot erweitern; er verleibt sich mit MGM (geht man streng nach Zahlen) etwas längst Vergangenes ein. Etwas, das die Vorstellungen von Glück und Erfolg in den Köpfen aller Menschen der westlichen Welt bis heute prägt. Etwas, in dessen Glanz sich auch andere Bewegtbildanbieter wie Netflix oder Apple nur zu gerne sonnten: das alte Hollywood. Ein eigener Kosmos, deren Personal seinen Figuren immer ähnlicher wurde und gewissermaßen in einer Film-Welt lebte.

          Auch Netflix versuchte diese Verbindung zum alten Kino-Adel zuletzt mit dem Film „Mank“ über Herman J. Mankiewicz, den Drehbuchautor von „Citizen Kane“, zu behaupten. Und wenngleich diese Bemühungen selten mit Oscars belohnt werden – die Hoffnung, die aus Sicht der Unternehmen durchschimmert, ist klar: Wenn wir die Geschichte von Hollywood weiterspinnen, dann wirkt es, als wären wir stets ein Teil davon gewesen. Aber selbst, wenn nur böse Zungen von Krämerseelen sprechen, schadet es nichts, im Hinterkopf zu behalten: Bevor sie groß ins Filmgeschäft einstiegen, war Netflix eine Online-Videothek, Apple verkaufte Computer, und Amazon handelte mit Büchern.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

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