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Amazon-Gründer will ins All : Die Welt ist nicht genug

  • -Aktualisiert am

„Goddard” ist wieder sicher auf seinen Standbeinen gelandet Bild: REUTERS

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat seine Raumfähre erstmals abheben lassen und will uns in den Weltraum schicken. Der Testflug des kleinen Raketenprototyps verlief wohl schon mal gut. Doch der Weg zum Weltraumtourismus ist noch lang.

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          Der Testflug des kleinen Raketenprototyps „Goddard“ verlief schon mal gut, aber er war ja auch unbemannt. Am 13. November ging das Ding irgendwo in Texas in die Luft, aber erst jetzt sind im Internet Bilder davon zu sehen. Sie sind spärlich, und die bislang zum Ereignis veröffentlichten Informationen deuten darauf hin, dass der Weg zu „New Shepard“, wie das fertige Vehikel einmal heißen soll, noch lang und dornenvoll ist.

          Aber Jeff Bezos, der Gründer von Amazon.com, wird sich davon nicht abhalten lassen bei seinem Projekt privater Raumflüge. Das Motto der von ihm im Jahre 2000 gegründeten Firma Blue Origin lautet: „Gradatim Ferociter“ (Mutig Schritt für Schritt).

          Urlaub im Studierzimmer simulieren

          Mit guten Ideen haben sich viele Gründer erfolgreicher Internet-Firmen in die Reihen der Multimillionäre und Milliardäre katapultiert. Manch einer nutzt die enormen Gewinne jetzt, um den Weltraum zu erobern. Seit Anfang des Jahres, seit die Testbilder da sind, sucht Bezos im Internet nun nach Ingenieuren, die umfassende Erfahrungen mit Flugmechanik, Steuerung und Navigation, mit Raketenantrieben oder Maschinenbau haben. Die wird man brauchen für eine Rakete, die laut amerikanischer Luftfahrtbehörde frühestens im Jahre 2010 mit Passagieren die Schwelle zum Weltraum überqueren, also mindestens hundert Kilometer Höhe über der Erde erreichen soll.

          Jeff Bezos: Außergewöhnliches Hobby

          Es ist nicht die erste der großen Visionen, wie sie einige Internet-Firmengründer auszeichnen. Wer kennt nicht das Programm Google Earth, das es dem Nutzer eines PCs ermöglicht, jeden Ort der Erde zu besuchen und seinen Fernreise-Urlaub gleichsam im Studierzimmer zu simulieren.

          Google hat in diesen Tagen auch den Schritt zu den Sternen gewagt. Das Unternehmen ist von sofort an am „Large Synoptic Survey Telescope“ beteiligt, einem amerikanischen 8,4-Meter-Teleskop, das von 2013 an jede Woche einmal den gesamten Himmel nach besonderen Erscheinungen wie auf die Erde zurasenden Kleinplaneten oder heftigen Sternexplosionen absuchen soll. Dabei werden pro Nacht mehr als dreißigtausend Gigabyte an Daten anfallen, die Google aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Der Erdglobus wird dann im Computer dem Himmelsglobus Platz machen müssen.

          Der „preiswerte“ Raumflug noch nicht erschlossen

          Die Pläne von Blue Origin führen nicht so weit in den Weltraum hinaus, dafür geht es bei ihnen um physische und nicht um simulierte Entdeckungsreisen. Für Flüge in den Weltraum besteht seit längerem auch außerhalb der Astronautencorps ein erheblicher Bedarf. Einige Touristen haben schon die Internationale Raumstation besucht.

          Der „preiswerte“ Raumflug, der mit einer Rakete ausgeführte Hüpfer bis in hundert Kilometer Höhe mit anschließender Landung, ist für den Kunden dagegen noch nicht erschlossen. Immerhin wurde dem von Scaled Composites entworfenen Raumschiff Spaceship One im Jahr 2005 der Ansari X-Prize für den ersten privaten Raumflug zugesprochen. Das Unternehmen Virgin Galactic will von 2009 an mit auf dieser Technik beruhenden Raumschiffen Passagiere befördern.

          Modell „New Shepard“

          Um den Ansari X-Prize haben sich viele beworben, von den zum Teil nicht sehr weit gediehenen Plänen sind etliche in der Versenkung verschwunden. Auch vorher war es schwierig, über den jeweiligen Stand Informationen zu erhalten. Entsprechend hüllt sich nun auch Bezos weitgehend in Schweigen und veröffentlicht die Bilder von dem auf seinem texanischen Farmgelände unter warmer Anteilnahme von Familie und Freunden gestarteten Test erst jetzt.

          Das dereinst fertige Modell „New Shepard“ ist vom Entwurf her eine wiederverwendbare einstufige Rakete, die senkrecht starten und ebenso landen und an deren Spitze sich eine Kabine für die Passagiere befinden soll. Dieser Entwurf ist vom Prinzip her von der amerikanischen Firma McDonnell Douglas in den neunziger Jahren erprobt worden. Deren „Delta Clipper Experimental“, ein zwölf Meter hohes Modell, stieg von 1993 bis 1996 mehrmals vom White Sands Missile Range in New Mexico in den Himmel auf. Hatte es seine Gipfelhöhe - bei den Versuchen maximal zweitausendfünfhundert Meter - erreicht, fiel es wieder zurück.

          Mit Düsen zur Seite „geschoben“

          Kurz vor der Landung wurde es abgebremst, und dann setzte es langsam auf seinen Standbeinen auf. Gelegentlich wurde es im Gipfelpunkt auch mit Düsen zur Seite „geschoben“, so dass Start- und Landeplatz nicht mehr identisch waren. Die endgültige Rakete wäre vom Gipfelpunkt aus zunächst kopfüber in die Tiefe gerast - und dann gedreht worden, so dass sie doch wieder auf ihren Standbeinen hätte landen können. So weit kam es aber nicht mehr; das Modell wurde bei einer Landung beschädigt und das Programm daraufhin eingestellt.

          Der Deltaklipper war seinerzeit eine eindrucksvolle Entwicklung, und eine Wiederbelebung dieser Technik durch Bezos kann nur begrüßt werden. Allerdings ist sich der Firmengründer von Amazon.com offenbar, wie das Firmenmotto zeigt, der Schwierigkeiten bewusst. Das im November erprobte Modell ist gerade einmal knapp neunzig Meter aufgestiegen, womit die Effektivität einiger Verfahren getestet werden konnte, mehr aber nicht.

          Vorteilhaft ist, dass man bei den Flügen des endgültigen Vehikels, New Shepard, wie beim Deltaklipper mit einer verhältnismäßig kleinen Infrastruktur am Erdboden auskäme. Auf einen Piloten könnte man sogar verzichten. Deshalb wäre das Projekt eine charmante Möglichkeit, die Kosten für einfache Weltraumflüge erträglich zu halten.

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