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Streit um Internet-Domain : Amazon besiegt die Amazonas-Staaten

Ab in die Kiste: Im Streit um die Top-Level-Domain „.amazon“ hat sich der Konzern von Jeff Bezos durchgesetzt. Bild: Reuters

Sieben Jahre lang haben der Konzern Amazon und die Anrainer-Staaten des Amazonas darum gestritten, wer im Netz die Endung „.amazon“ verwenden darf. Jetzt hat die Internetregistratur Icann entschieden. Leider falsch.

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          Sieben Jahre lang lagen acht südamerikanische Staaten und der nordamerikanische Versandkonzern Amazon miteinander im Clinch. Sie stritten darum, wer im Internet die Bezeichnung „.amazon“ führen darf. Jeff Bezos, der Multimilliardär, hatte es schon 2012 auf diese „Top-Level-Domain“ abgesehen. Er wollte sie exklusiv und weltweit.

          Dagegen meldeten die Anrainerstaaten des Amazonas bei der zuständigen Internetregistraturbehörde Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) jedoch Bedenken an. Sie verwiesen darauf, dass es den Strom schon ein wenig länger gibt als den Paketeverschicker und dass der Fluss für die Menschheit eine größere Bedeutung habe als die Online-Verkaufsbude. Und schließlich sei diese nach dem 6400 Kilometer langen Fluss benannt und nicht umgekehrt.

          Das führte die „Amazon Cooperation Treaty Organization“, zu der sich Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru, Surinam und Venezuela zusammengeschlossen haben, für sich ins Feld. Bestimmte Ausspielungen der Endung „.amazon“ möge Jeff Bezos bekommen, aber nicht den Begriff an sich. Es sei auch nicht hinzunehmen, dass die Anrainer nur, wie von Amazon vorgeschlagen, mit einer Subadresse als Untermieter vertreten seien („.br.amazon“ für Brasilien etwa).

          Mit geschenkten Kindle-Lesegeräten im Wert von lächerlichen fünf Millionen Dollar, die Glasperlenhändler Bezos anbot, wollten sich die Amazonas-Länder schon gar nicht abspeisen lassen.

          Einigen konnten sich die Widersacher nicht, und so entschied der Vorstand der Registraturbehörde nun, dass – der Amazonas im Netz künftig im Reich von Jeff Bezos liegt. Sein Konzern darf über „.amazon“ verfügen. Nicht einsetzen soll Amazon die Top-Level-Domain nur für Dinge, die eindeutig politische, kulturelle und geographische Bezüge aufweisen.

          Von einer multilateral besetzten Non-Profit-Institution wie der Icann hätte man eine andere Entscheidung erwartet als die, dem Kommerz den Vorzug zu geben. Es seien keine Argumente ersichtlich, die im Sinne der öffentlichen Ordnung gegen die Vergabe der „.amazon“-Endung an den Konzern sprächen, befand der Icann-Vorstand.

          Wie bitte? Reicht es nicht, dass sich der Amazon-Konzern schon die Endungen „.books“ und „.buy“ gesichert hat? Ist im Netz alles käuflich? Den Amazonas-Anrainern bleibt noch der Gang vor ein internationales Handelsgericht, bei der Icann kann sich jeder binnen neunzig Tagen mit Einwänden melden – Shitstorm dringend erbeten. Revidiert wird die Entscheidung aber nicht mehr. Im Internet entspringt der Amazonas künftig also nicht mehr in den peruanischen Anden, sondern in Seattle, dem Firmensitz von Bezos’ Shipping Group.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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