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Alzheimerheim in Thailand : Lebensabend in der Fremde

  • -Aktualisiert am

Victor wohnt in einem Haus, das ein paar Schritte vom Haupthaus entfernt liegt. Er ist achtzig Jahre alt, trägt eine Brille und eine rote Kappe mit der Aufschrift „Suisse" auf dem Kopf. Ein Ventilator bläst leise Luft in das Zimmer, in dem ein Foto seiner Tochter steht und drei Porträts des thailändischen Königs an der Wand hängen. Victor beginnt zu erzählen, ohne dass es eine Frage braucht. „In den sechziger Jahren habe ich in einer Mine in Kanada gearbeitet. Wir haben nach Gold gesucht. Dann bin ich wieder heim, um eine Familie zu gründen. Ich hatte eine Freundin in Kanada. Wenn ich ihre Adresse wüsste, würde ich ihr Geld schicken. Alle reden von der Bekämpfung der Armut. Aber es gibt nur einen Weg. Das bespreche ich aber nur meiner Tochter. Geben Sie mir Ihre Adresse, dann kann ich sie meiner Tochter weiterleiten. Aber erst müssen wir den Finanzminister kontaktieren", sagt er. Er ist einer der wenigen Patienten, die Martin Woodtli noch jeden Tag wieder erkennen.

Martin Woodtli ist achtundvierzig Jahres alt und wirkt, obwohl er Sandalen mit weißen Klettverschlüssen trägt, noch immer sehr sportlich. Er ist als Jugendlicher einmal ein talentierter Leichtathlet gewesen, der es über die 1500-Meter-Strecke bis in die Schweizer Nationalmannschaft schaffte, bevor ihm eine Verletzung die Karriere verbaute und er die Lust am Leistungssport verlor. Später wurde er Sozialarbeiter und baute für „Ärzte ohne Grenzen" in Thailand ein Hilfsprojekt für Aidskranke auf. Nach ein paar Jahren kehrte er in die Schweiz zurück. Er wollte beim Flüchtlingsdienst in Luzern ein Integrationsprojekt leiten. Doch er kam mit der Umgebung, die ihm vertraut war, auf einmal nicht mehr zurecht, und gab die Arbeit auf. „Ich musste mich selber erst wieder integrieren", sagt er.

Nachdem seine Mutter an Alzheimer erkrankte, zog er in das Haus seiner Eltern. Aber bald musste er einsehen, dass er sie allein nicht pflegen konnte, er wollte ihr aber auch die Heime nicht zumuten, die er sich angesehen hatte. So entstand die Idee, zurück nach Thailand zu gehen, nach Chiang Mai, wo er einige Zeit gelebt hatte. Er wusste, dass dort mehrere Generationen unter einem Dach wohnen und die Jungen wie selbstverständlich die Alten pflegen. Ursprünglich wollte er nur einen Monat bleiben, um zu sehen, wie seine Mutter reagierte. Als er seinen Bekannten in der Schweiz erzählte, wie sie reagierte, erzählten sie es weiter. So ist aus einem Experiment ein Unternehmen geworden. Es beschäftigt dreißig Pfleger und Pflegerinnen, um die sich vor allem Martin Woodtlis Frau kümmert. Sie heißt Nid, er hat sie in einem Friseursalon kennengelernt. Sie ist bis heute seine zuverlässigste Verbindung in das Land, in dem er sich manchmal noch immer wie ein Fremder fühlt.

Sie verstehen sich nicht und sprechen doch miteinander

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