https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/alternative-leipziger-messe-buchmesse-popup-17888794.html

Popup-Buchmesse : Zurück an den Tisch

Hier sind alle gleich: Rückehr zu einem einfachen Messekonzept bei der „buchmesse popup“ in Leipzig Bild: T. Spreckeslen

Die Leipziger Buchmesse sollte zum dritten Mal ausfallen – da taten sich zwei Verleger zusammen, um vorübergehend eine Alternative zu schaffen. Ein Besuch auf der „buchmesse popup“ im Kulturzentrum zwischen Glasbläsern und Kneipe.

          2 Min.

          Er müsse improvisieren, sagt der Dresdner Maler und Entertainer Falk Töpfer, schließlich sei er erst seit zwei Wochen dabei. Jetzt trägt er einen lila Anzug mit passender Krawatte, soll die Gäste begrüßen und vor allem dafür sorgen, dass sie zwei Stunden später wieder aus der Halle verschwinden.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Töpfers Charme beim Erfüllen dieser Aufgabe ist ein zentraler Baustein im Hygienekonzept der „buchmesse popup“, die am Freitagmittag in Leipzig eröffnet wurde. Es sieht vor, dass die insgesamt fünftausend Besucher, die bis Sonntag erwartet werden, dafür bestimmte Slots nutzen, mit Pausen zum Lüften. Das Interesse ist groß, die Besucherkarten sind fast ausverkauft. Am Vortag, als die Bücher noch in großen Kartons in den Hallenecken warteten, besuchten zwei Kamerateams das Leipziger Kulturzentrum „Werk 2“, in dem die Bücherschau stattfindet: eine Versammlung von Backsteinbauten, gereiht um einen schmalen, kopfsteingepflasterten Hof. Es gibt eine Glasbläserei, eine Kneipe, auch ein Computerclub für Senioren findet hier Unterkunft, und in der Halle A, die nun die Messe aufnimmt, spielen sonst Bands.

          Zwischen Impfung und Musik passt noch eine Buchmesse: in Leipzig.
          Zwischen Impfung und Musik passt noch eine Buchmesse: in Leipzig. : Bild: Spreckelsen

          Als Anfang Februar die Leipziger Buchmesse bekanntgeben musste, dass sie zum dritten Mal in Folge ausfällt, taten sich Gunnar Cynybulk und Leif Greinus zusammen. Cynybulk leitete die Verlage Aufbau und Ullstein, bevor er 2020 den Kanon Verlag gründete, Leif Greinus führt den Dresdner Verlag Voland & Quist. Gemeinsam suchten sie einen Veranstaltungsort für eine alternative Bücherschau und warben um Teilnehmer. Es gab 120 Anmeldungen in 48 Stunden, wenig später seien es 150 gewesen, so Cynybulk. Gut 60 Verlage bekamen sie unter, kein Vergleich etwa zur Buchmesse in Frankfurt mit 7000 Ausstellern in normalen Jahren. Berücksichtigt wurde hier nur, wer die Buchung für die reguläre Messe bis zuletzt aufrecht erhalten hatte.

          Ohne große Strategie

          Innen erwarten einen Stände, die ohne großen Aufwand nebeneinander gereiht sind. Die Tische sind einheitlich zwei Meter breit und einen Meter tief, so dass der Abstand zwischen Ausstellern und Kunden gewahrt bleibt. Einheitliche Schilder nennen die Verlagsnamen.

          „Wir wollten die Zeit bis zur nächsten Frankfurter Buchmesse verkürzen“, sagt Greinus, „insofern ist alles hier ad hoc entstanden, ohne große Strategie.“ Das stellt die Popup-Messe auch aus, und dass an manchen Ständen noch aufgebaut wird, als die ersten Besucher schon in der Halle sind, passt ins Konzept. Aber es geht auch egalitär zu, fast alle Verlag bekommen den selben Platz einer genormten Tischfläche, allerdings nehmen die fünf größten Verlage je drei Tische ein, und manche kleinen teilen sich auch in die zwei laufenden Meter. Kurioserweise nimmt man das Angebot kaum weniger wahr als auf den gewohnten Messen, und man staunt dann geradezu, wenn es wie bei Hanser oder Beck doch mehr Platz ist, wie protzig ein sechs Meter breiter Stand auf einmal wirkt.

          Schön, aber bitte kein weiteres Mal!

          Die Diskussion jedenfalls, die regelmäßig auf den großen Messen in Leipzig und Frankfurt um die Teilnahme rechtsextremer Verlage geführt wird, spielt hier von vornherein keine Rolle. Deren Anwesenheit wäre hier auch schwierig: Gleich am Eingang macht ein Schild die „lieben Gäste“ darauf aufmerksam, dass laut Hausordnung „das Tragen von Symboliken und Marken, die rechtsextremistisch, rassistisch, diskriminierend, sexistisch und gewaltverherrlichend sind“ zum Rauswurf führt. Wer derlei nicht auf, aber in der Brust trägt und sein Verlagsprogramm danach ausrichtet, kann trotzdem nicht teilnehmen, entschieden Cynybulk und Greinus, denn die Veranstaltung sei erheblich stärker kuratiert als die großen Messen. Bei sechzig Ausstellern ist es nicht schwer, deren Programme zu kennen. Zumal, wenn sie, wie Cynybulk sagt, aus dem eigenen Netzwerk stammen und die Veranstalter zugleich Kollegen sind.

          Zwei Stunden reichen durchaus, um alles zu sehen, auch der Hinterhof mit Foodtruck und Stehtischen ist schnell durchquert, und weil auf dem Gelände ein interessantes Lesungsprogramm im Halbstundentakt durchgeführt wird, bleibt man dann doch etwas länger. Natürlich ist all das kein Ersatz für die Messe, nicht einmal entfernt. Das soll es auch gar nicht sein. „Wir haben uns entschlossen, diese popup kein zweites Mal durchzuführen“, sagt Greinus. „Außer, wir werden dazu gezwungen.“ Das wollen wir nicht hoffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Twitter-Kauf : Elon Musk kapituliert

          Der Tesla-Chef macht eine abrupte Kehrtwende und bietet an, Twitter nun doch zum vereinbarten Preis zu kaufen. Twitter plant den Verkauf an Elon Musk abzuschließen. Damit fällt der Showdown vor Gericht vermutlich aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.