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Allzeitbehauptungen : Besser geht’s nicht

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Seit einigen Jahren ist immer öfter eine Wendung zu lesen, deren Überbietungswille einem ziemlich auf die Nerven geht. Man könnte sogar sagen, es ist die blödeste Übertreibung aller Zeiten.

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          Es passiert beim Lesen oder Zuhören dann und wann, dass man bei einer ganz selbstverständlichen Wortwahl zusammenzuckt. Neulich wurde eine Vorstellung mit dem üblichen „Die Herren kennen sich?“ eingeleitet, was tatsächlich eine interessante Frage ist, gerade wenn man sie von der eigentlich gemeinten „Die Herren kennen einander?“ unterscheidet. Oftmals kennt man einander besser als sich. Oder man liest das harmlose „im letzten Jahr ging der Nobelpreis an...“ und hofft, dass es doch nur das vergangene Jahr gewesen sein möge.

          Während in diesen Fällen nur eine informative Differenz ungenutzt bleibt, ist seit einigen Jahren immer öfter eine Wendung zu lesen, deren Überbietungswille ziemlich auf die Nerven geht. Sie ist die Verstärkung des „letzten“ Jahres, so, als ob keines mehr käme. Müsste man sie unter Verwendung ihrer selbst formulieren, dann lautete die Diagnose: Es handelt sich um die blödeste Übertreibung aller Zeiten. Denn ständig werden „die besten Songs (Filme, Platten, Serien, Olympioniken etc.) aller Zeiten“ in Listenform präsentiert. Oder es ist vom teuersten Vereinstransfer und auch den meistverkauften (gewissermaßen den meistverkauftesten) Autos aller Zeiten die Rede. Als würden nie wieder welche verkauft, was Ewigkeitsbefunde schon erlaubte, wie beim Gröfaz, der es ja auch mit der Kongruenz von Lebenszeit und Weltzeit hatte.

          Das ironische Gegenstück

          Meistens handelt es sich bei allen Zeiten im Listenbereich um die vergangenen fünfzig Jahre, und wenn es hochkommt, sind es hundert, was für die besten Platten ja auch nicht schlimm wäre, denn seit wann gibt es denn schon Platten (Serien, Filme etc.)? Seit eben erst, könnten man mit einer Gegenuntertreibung sagen und vorschlagen, dann doch gleich von den besten Filmen der ersten hundert Jahre zu sprechen. Angesichts aller Zeiten wäre jedenfalls die Behauptung, dass TV-Serien noch gar keine Zeiten im Plural gehabt haben, nicht einmal eine Untertreibung.

          Ausgerechnet über etwas Allzeitbehauptungen zu machen, das, wie die Schallplatte, sogar schon sein Ende als Hauptträger der Entwicklung hinter sich hat, ist dann noch absurder. Müsste es dann nämlich nicht „Die besten Platten ihrer Zeit“ heißen? Ein ironisches Gegenstück hat diese Absurdität gerade in der Reklame „Die beste Neuhaus aller Zeiten!“ für eine Autorin gefunden, die soeben ihren sechsten Krimi vorgelegt hat. Noch besserer wäre es freilich gewesen, von der besten Neuhaus aller möglichen Welten zu sprechen.

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