https://www.faz.net/-gqz-ab0d9

Aktion „allesdichtmachen“ : Liefers legt nach, Laschet hat Verständnis, Folkerts bittet um Entschuldigung

  • Aktualisiert am

Jan Josef Liefers in „3nach9“. Bild: Radio Bremen/Frank Pusch

Die Aktion „allesdichtmachen“ ist nach Ansicht von Ulrike Folkerts schiefgegangen. Jan Josef Liefers klagt, es kämen zu wenige Regierungskritiker zu Wort. Armin Laschet tritt für Meinungsfreiheit ein. Und jetzt - meldet sich der eigentliche Initiator der Aktion.

          4 Min.

          Die Schauspielerin Ulrike Folkerts hat ihre Beteiligung an der Internetaktion „allesdichtmachen“ als Fehler bezeichnet. „Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen“, schrieb die „Tatort“-Kommissarin am Freitagabend auf Instagram. „Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert.“ Es tue ihr leid, „Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben“.

          Die Corona-Maßnahmen bezeichnete Folkerts als „absolut richtig“. Sie sei weit davon entfernt, „Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen“, betonte sie. „Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt.“ Die Aktion sei „schief gegangen und unverzeihlich“.

          „Mein Video hat vielen Menschen wehgetan“

          Auch der Schauspieler Richy Müller distanzierte sich inzwischen von der Aktion. „Ich musste feststellen, dass mein Video vielen Menschen wehgetan hat, die ich niemals kränken oder veralbern wollte“, sagte der 65-Jährige dem Nachrichtensender ntv. Er sei blauäugig gewesen. Dabei sei er indirekt sogar selbst betroffen: „Die Tochter meiner Frau ist mit Anfang 20 zu Beginn der Pandemie an Corona erkrankt. Und sie hatte ein halbes Jahr lang Probleme mit der Atmung.“

          Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirisch gemeinten Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. An der Aktion beteiligten sich unter anderem Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Volker Bruch und Wotan Wilke Möhring. Heike Makatsch, Meret Becker, Ken Duken und Richy Müller haben ihre Videos zurückgezogen, da  im Internet die Kritik aufkam, sie verbreiteten rechtes Gedankengut und Querdenker-Parolen.

          Liefers legte mit seiner Kritik an der Corona-Politik nach. Für ihn sei in der Corona-Krise nicht ersichtlich, wie Entscheidungen zustande kämen. „Mir fehlt im Moment die Transparenz. Wie kommt eine Bundesregierung nach so vielen im Grunde halben, Viertel, ganzen, Dreiviertel-Lockdowns auf die Idee, es immer wieder zu machen?“, sagte er in der Radio-Bremen-Talkshow „3nach9“.

          In der „Aktuellen Stunde“ des WDR hatte er zuvor erklärt, aus seiner Sicht kämen in den Medien zu wenig Regierungskritiker zu Wort. „Es gibt weltweit umfassende Studien von Leuten, die ihre Hausaufgaben auch gemacht haben und auch studiert haben, die zum Beispiel über einen Lockdown zu ganz anderen Erkenntnissen kommen als wir.“

          Bei Radio Bremen gab der Schauspieler an, sich missverstanden zu fühlen. „Wenn man dann was sagt, passiert das eben durch so framingartige Situationen, dass man sofort ziemlich radikal in so Ecken gepusht wird, in die man gar nicht reingehört“, sagte der „Tatort“-Rechtsmediziner. Es gebe Menschen, die man gerade verliere, weil es für sie keine Stimme gebe.

          Mit Blick auf die Videoaktion äußerte er sich selbstkritisch: „Ich finde auch den Punkt interessant, dass vielleicht Ironie wirklich ein ungeeignetes Mittel ist“, sagte er am Freitagabend in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“. Er sehe aber derzeit eine Lücke: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“

          „In Krisensituationen ist auch die Minderheitsmeinung gerade von Künstlern und Intellektuellen wichtig“, sagte Armin Laschet am Freitagabend in der Talkshow „3nach9“.
          „In Krisensituationen ist auch die Minderheitsmeinung gerade von Künstlern und Intellektuellen wichtig“, sagte Armin Laschet am Freitagabend in der Talkshow „3nach9“. : Bild: Radio Bremen/Frank Pusch

          Rückendeckung bekam Liefers vom Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, der ebenfalls in der Talkshow „3nach9“ zu Gast war. „Man darf das sagen in einem freien Land“, betonte Laschet. Es sei „ganz schlimm“, dass gegenüber Andersdenkenden zu leichtfertig der Vorwurf einer rechten Gesinnung erhoben werde. „Von diesen 50 ist keiner AfD, ist keiner rechts“, sagte Laschet mit Blick auf die Teilnehmer der Social-Media-Aktion. „Sie haben eine andere Meinung als die Mehrheit“. Er teile diese Meinung nicht, finde es aber wichtig, dass sie geäußert werden dürfe. „In Krisensituationen ist auch die Minderheitsmeinung gerade von Künstlern und Intellektuellen wichtig“, sagte der NRW-Ministerpräsident und CDU/CSU-Kanzlerkandidat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tankstelle in Marseilles, Südfrankreich: Die französische Regierung will einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nun durch ein Energiegeld entlasten.

          Benzinpreise : Hilfe auch für deutsche Autofahrer?

          Paris macht es vor: Die Regierung federt die steigenden Strompreise mit einem Energiegeld ab. Auch in Deutschland steigt der Unmut wie die Spritpreise. Wie reagiert Berlin?
          Nicht alle werden ihr so laut nachweinen wie Ratspräsident Michel: Angela Merkel auf ihrem mutmaßlich letzten Gipfeltreffen in Brüssel.

          Merkels Abschied von Brüssel : Die Kompromissmaschine

          Angela Merkel hat sich große Verdienste um die europäische Einigung erworben. Einmal aber versagte die ehrliche Maklerin. Die Kluft besteht bis heute.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.