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Alkohol in Kunst und Kultur : Zum Abschied einen Drink

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Also noch einmal: Kann man ohne Alkohol kochen? Natürlich kann man es und Rotwein durch Balsamico, Portwein durch Johannisbeersaft, Weißwein durch Limettenfond ersetzen. Doch nichts davon ist eine gleichwertige Option, nichts davon reicht an den Aromenreichtum eines großen Weines oder Champagners heran, nichts Antialkoholisches kann den süßen Schmelz eines Noilly Prat kompensieren. Guter Alkohol ist nicht nur eine Grundzutat – wer jemals mit schlechtem Wein gekocht hat, kennt den Preis und macht es nie wieder –, sondern selbst schon eine kulinarische Kreation und oft genug der entscheidende Geschmacksträger eines Gerichtes. Er verdampft zwar theoretisch bei 78,3Grad, doch nicht nur sein Geist bleibt in Topf und Pfanne, sondern oft auch seine stimulierende Wirkung, weil viele Nahrungsmittel ihn binden und vor der Verflüchtigung bewahren können. Was also wäre unsere Küche ohne Coq au Vin und Bœuf bourguignon, wie fade schmeckten Risotto und Ossobuco ohne Weißwein und Wermut, wie sehr langweilten uns ein Bayerischer Bierkrustenbraten mit Brause oder Schwarzwälder Kirschtorte mit Kirschlimonade? Natürlich kann man ohne Alkohol kochen. Man kann ja auch ohne Liebe leben. (str.)

Die geheime Mixtur der Stille

Nördlich der französischen Alpenstadt Grenoble in den lieblichen Bergen des Chartreuse-Massivs liegt ein Ort, der sich dem Lauf der Zeit entgegenstellt. Von den umliegenden Gipfeln aus kann der Wanderer ihn sehen, das jahrhundertealte Gemäuer der Großen Kartause, „La Grande Chartreuse“, wo Mönche des 1084 vom Heiligen Bruno von Köln gegründeten Karthäuser-Ordens leben. Ihre Existenz widmen sie dem Schweigen und der Einsamkeit, dem fortwährenden Gebet, dem Studium der Heiligen Schrift, abgetrennt von den kontingenten Geschehnissen der Welt in innerer Enthaltsamkeit. Jeder für sich in seiner bescheidenen Zelle. Nur einmal pro Woche gehen sie außerhalb des Klosters spazieren und brechen dabei ihre Sprachlosigkeit. So wie die erhabenen Berge der Chartreuse allem historischen Wandel auf menschlichen Zeitskalen trotzen, widersetzt sich auch das Leben der Karthäuser-Mönche dem Einfluss all dessen, das uns moderne Menschen in täglichen Aufruhr versetzt.

La Grande Chartreuse im Schnee
La Grande Chartreuse im Schnee : Bild: Picture-Alliance

Das mag befremdlich wirken. Gleichzeitig hat uns das vergangene Jahr Brücken gebaut in diese fremde Welt. Die Pandemie hat uns sensibler gemacht für den Wert menschlicher Bindungen, die Wirkung der Einsamkeit und der Stille, die merkwürdigen von uns selbst abhängigen Dynamiken der Zeiterfahrung. Dass es Menschen gibt, die eine Extremform der uns verordneten Kontaktreduktion und der oftmals leidvoll empfundenen Vereinsamung freiwillig und lebenslang wählen, bleibt schwer zu verstehen.

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