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Alfred Toepfer: Mäzen im Zwielicht : Gutes Geld, dunkle Absichten?

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Pinto-Duschinskys persönliches Engagement

Es mag in der Vergangenheit zugetroffen haben, dass alte Mitarbeiter Alfred Toepfers um eine Ehrenrettung bemüht gewesen sind. Aus jeder Mitteilung des seit 2005 als Stiftungsvorsitzender amtierenden Wimmer geht jedoch das Bestreben nach Transparenz hervor. Das sind nicht nur leere Floskeln. Die Stiftung unterstützt die „unabhängige wissenschaftliche Befassung mit ihrer Geschichte und der ihres Stifters“, wo sie nur kann. Inzwischen erhalten Preisträger zur Information auch den Band der Historikerkommission sowie Zimmermanns Biographie, die beide übrigens auch der Universität Oxford vorliegen. Auch Pinto-Duschinsky hat von dieser Strategie profitiert. So übernahm die Stiftung die Kosten für die Recherchen, die Jan Zimmermann in seinem Auftrag für den „Standpoint“-Artikel ausführte.

Pinto-Duschinskys persönliches Engagement in dieser Sache ist unbedingt nachvollziehbar. 1943 in Budapest geboren, gehörte er zu einer Gruppe von Juden, denen durch die Vermittlung von Rudolf Kasztner gegen ein Lösegeld die Ausreise bewilligt wurde. Figuren wie Veesenmayer hätten sein Leben verändert, schreibt Pinto-Duschinsky zur Erklärung. Das rechtfertigt jedoch nicht die aus dem Zusammenhang gezerrten Zitate und den tendenziösen Umgang mit den Tatsachen, die seinen Beitrag kennzeichnen.

Verständlich ist auch, dass Daniel Johnson, Herausgeber von „Standpoint“ und vor dreißig Jahren Empfänger eines Toepfer-Stipendiums, im Nachhinein das Gefühl hat, von den damaligen Zusicherungen über die unbescholtene Vergangenheit des Hamburger Philantropen hinters Licht geführt worden zu sein. Doch verwundert es, dass jemand, der die deutschen Debatten so genau verfolgt, erst jetzt von der Verstrickung Toepfers mit dem Hitler-Regime erfährt.

Dem jetzt von Oxford einberufenen Ausschuss zur Prüfung der sogenannten „Hanseatic Scholarships“ der Alfred- Toepfer-Stiftung gehört auch Richard Evans an, Professor für Moderne Geschichte im Cambridge. Evans' durch ein Hansisches Stipendium geförderte Monographie über die Hamburger Choleraepidemie von 1832 widerlegt ebenso wie dessen eingehende Auseinandersetzung mit der Hitler-Zeit den Verdacht, die Empfänger dieser Zuwendungen ließen sich in ihrer Bewertung trüben. Dagegen spricht auch die Arbeit des ehemaligen Hanse-Stipendiaten Niall Fergusson. Im Lichte dieser Beispiele würde die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit an britischen und amerikanischen Universitäten durch den von Pinto-Duschinsky geforderten Abbruch der Zuwendungen aus Hamburg eher beschädigt als befördert werden.

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