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Alfred Toepfer: Mäzen im Zwielicht : Gutes Geld, dunkle Absichten?

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Darin pflichtet Pinto-Duschinsky den Einwänden von Historikern wie Michael Fahlbusch bei, die nicht nur die Unabhängigkeit der angesichts der sich häufenden Kritik an Toepfer 1997 von der Stiftung einberufenen Historikerkommission in Frage stellen, deren Ergebnisse in einer „kritischen Bestandsaufnahme“ veröffentlicht wurden. Sie werfen der Kommission, der unter anderem der angesehene linke Historiker Hans Mommsen angehörte, vor, Toepfer einen „Persilschein“ ausgestellt zu haben mit ihrem Resümee, dieser sei „weder ein Förderer der Nationalsozialisten vor 1933 noch ein begeisterter Anhänger des nationalsozialistischen Regimes in den zwölf Jahren danach“ gewesen.

Als Beleg für vermeintliche Versuche der Stiftung, auf die Arbeit der Historiker einzuwirken, führt Pinto-Duschinsky den Berner Professor Christian Gerlach an, der sich über „recht massive Einflussnahme“ beschwert habe. Gegenüber der Stiftung stellte Gerlach aber jetzt klar, dass er seinen im Kommissionsband „Alfred Toepfer, Stifter und Kaufmann“ enthaltenen Aufsatz unter der Drohung, ihn anderwärtig zu publizieren, letztlich doch ohne Streichungen veröffentlichen konnte, dass die Stiftung ihn vor einigen Fehlern bewahrt habe und dass der Druck maßgeblich von der Kommission ausgeübt worden sei. Allerdings bemängelte Gerlach einen „apologetischen Geist“ und äußerte Zweifel, ob ihm alle relevanten Unterlagen zur Verfügung gestellt worden seien.

Die Fülle an belastendem Material

Georg Kreis, Mitherausgeber des Bandes und Autor des Beitrags über Alfred C. Toepfers fragwürdigen Einsatz für die „Heimatbewegung“ im Elsass, stimmt Gerlach zwar zu, dass die gemeinsamen Sitzungen von Kommission, Firma, Familie und Historikerkommission das Projekt angreifbar gemacht hätten, doch sei das Ergebnis dadurch nicht beeinträchtigt worden. Er selbst habe bei seinen Forschungen Unangenehmes aufgedeckt, doch sei er „nie im Geringsten eingeschränkt“ worden.

Jan Zimmermann, der Toepfer bei aller Differenzierung deutlich kritischer sieht als die Historikerkommission in der Einleitung zu ihrem Band, ist bei seinen Forschungen auf keinerlei Widerstand gestoßen. Er bestreitet auch Pinto-Duschinskys Behauptung, das Toepfer-Archiv sei „gesäubert“ worden. Es gebe zwar Lücken, etwa in den fünfziger Jahren, diese erklärten sich jedoch aus den Bräuchen der kaufmännischen Buchhaltung. Wer kompromittierendes Material hätte entfernen wollen, wäre ganz anders vorgegangen. Dagegen spreche auch die Fülle an belastendem Material.

Aus der ausführlichen Korrespondenz zwischen Ansgar Wimmer und Michael Pinto-Duschinsky lässt sich der Vorwurf, die Stiftung verweigere den Zugang zu den Archiven, nur bestätigen, wenn man es sich so zurechtbiegen will. Gerade um sich vor dem Vorwurf der Einflussnahme oder Unterschlagung zu schützen und eine offene und kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Stifters in der NS-Zeit zu fördern, hat Wimmer die Verlegung des Archivs an die unabhängige Stiftung Hanseatisches Wirtschaftarchiv veranlasst, wo es der wissenschaftlichen Forschung zugänglich ist. Als Pinto-Duschinsky sich nach mehrmonatigem Schweigen an einem Donnerstag für einen Besuch am darauffolgenden Dienstag ansagte und den Bescheid erhielt, die von ihm gewünschte Einsicht in die Akten der Historikerkommission sei wegen der Verlegung so kurzfristig nicht möglich, sondern erst im Sommer wieder, folgerte er daraus sogleich, dass man ihm den Zugang verweigerte.

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