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Drogenhandel : Je mehr Drogenkrieg, desto größer die Gewinnspanne

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Das Erbe der Geschichte: Vietnam und das Heroin. Bild: AFP

Alfred McCoy untersucht, wie der amerikanische Geheimdienst in den asiatischen Rauschgifthandel geriet. Und wie Drogenhandel und Großmachtpolitik zusammenhängen.

          Streckenweise liest sich das fast siebenhundert Seiten starke Werk des amerikanischen Historikers und Südostasienexperten Alfred McCoy wie ein Abenteuerroman. In der Hauptrolle ein junger Doktorand der Eliteuniversität Yale, der zu Beginn der siebziger Jahre mehr aus Versehen über einen gigantischen Skandal stolpert. Während er, vom Geheimdienst des eigenen Landes und indochinesischen Drogenbaronen verfolgt, durch die schlammigen Berge des laotischen Hochlandes und die trüben Gassen Saigons irrt, um anschließend in den eleganten Salons von Paris zu recherchieren, trifft er auf französische Elitesoldaten, korsische Gangster und Angehörige der Cosa Nostra, die allesamt nur ein Ziel kennen: Rohopium aus dem Goldenen Dreieck.

          Und es kommt noch schlimmer, denn der junge Mann muss feststellen, dass sein eigenes Land tief im Sumpf des Verbrechens steckt. Während nämlich auf der einen Seite Präsident Richard M. Nixon den Krieg gegen die Drogen ausruft, handelt die CIA nur mühsam verdeckt mit genau jenem Stoff, von dem inzwischen viele amerikanische Soldaten, die in den Reisfeldern und Dschungeln Vietnams kämpfen, abhängig geworden sind: Heroin.

          Politik, Geheimdienste und Drogenhandel

          Die Agenten der CIA sind dabei überzeugt, im Dienste einer höheren Sache zu stehen. Wie zuvor die Franzosen und deren umtriebiger Geheimdienst SDECE, suchen sie im Kampf gegen den internationalen Kommunismus die Zusammenarbeit mit den militanten Hochlandstämmen der Hmong in Vietnam und Laos. Aber die Hmong oder Montagnards, wie man sie im Jargon des Kolonialismus gerne nannte, kämpfen nur, wenn man ihnen auch ihr Rohopium abkauft. Deswegen übernehmen die Amerikaner kurzerhand die Operation X der Franzosen und führen das illegale Geschäft fort.

          All dies wurde dann von dem jungen Doktoranden vor einem Untersuchungsausschuss des Kongresses berichtet, was ihn beinahe seine akademische Zukunft gekostet hätte. Tatsächlich handelt es sich nicht um einen Spionageroman oder einen Verschwörungsthriller, sondern um die Geschichte des Autors Alfred W. McCoy. Wem sie bekannt vorkommt, der täuscht sich nicht, denn die Erstfassung des Buches erschien 1972, eine überarbeitete Auflage 1992. Nun hat McCoy seine damaligen Erkenntnisse historisch vertieft und auf eine breitere argumentative Basis gestellt. Insofern täuscht der Titel: Weder geht es nur um die CIA noch ausschließlich um Heroin. Auch wer brachialen Antiamerikanismus erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr handelt es sich um eine kritische, sorgfältig dokumentierte Untersuchung des zwielichtigen Zusammenhangs von internationaler Politik, Geheimdiensten und Drogenhandel.

          Alternativen bietet das Buch nicht

          McCoy spart nicht mit Attacken auf die Ambivalenzen und grotesken Irrtümer amerikanischer Drogenpolitik, aber er zeigt zugleich, dass kaum jemand so frei von Schuld ist, den ersten Stein zu werfen. Vor allem aber wendet er sich gegen eine Drogenpolitik, die wahlweise mit den Drogenhändlern kooperiert, um geostrategische Vorteile zu erlangen, oder glaubt, durch rigide Härte sich des Problems dann entledigen zu können, wenn sich das politische Umfeld geändert hat. Drogenhandel, so McCoy durchaus überzeugend, ist eine enorm flexible, anpassungsfähige Form des kapitalistischen Marktgeschehens.

          Auf diesem Markt suchen sich Produzenten Mittel und Wege, um die Konsumbedürfnisse weltweit zu befriedigen. Polizeiliche Maßnahmen greifen da stets nur kurze Zeit. Wo immer ein Drogenzar verhaftet oder getötet wird, stehen die Nachfolger bereits bereit. Je intensiver und aufwendiger der Drogenkrieg geführt wird, umso größer sind die Gewinnspannen und das Handelsvolumen der Drogenkartelle. Diese zentrale These von McCoys Untersuchung mag irritieren, aber sie ist empirisch plausibel. Schon deshalb sollte man über Alternativen nachdenken, die das Buch freilich nicht bietet.

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