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Drogenhandel : Je mehr Drogenkrieg, desto größer die Gewinnspanne

  • -Aktualisiert am

Der Drogenhandel stoppte, die Geheimdienste fingen an

Im Mittelpunkt von McCoys Darstellung steht die historische Herleitung der gegenwärtigen Situation. Drogen und Rauschmittel sind beständige Begleiter der Menschheit. Seit dem achtzehnten Jahrhundert aber versucht mit Großbritannien erstmalig ein imperialer Machtstaat im Interesse der eigenen Handelsbilanz einem anderen Staat, dem chinesischen Kaiserreich, die Einfuhr von Opiaten aufzuzwingen. Um nach zwei Kriegen im neunzehnten Jahrhundert systematisch Millionen von Menschen in die Abhängigkeit zu treiben. Neben Zucker und Baumwolle zählte Opium zu den Motoren des frühen globalisierten Welthandels, den die Briten meisterhaft beherrschten. Gerade vor diesem Hintergrund sollte man sich vor einem übermäßigen Triumphalismus hüten, wenn es heute darum geht, die Werte des Westens und der Aufklärung lautstark zu propagieren.

Anfänglich war das Geschäft mit dem Rausch noch legal. Erst gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts kam es infolge der moralischen Empörung von liberalen und protestantischen Eiferern in Großbritannien und den Vereinigten Staaten zu staatlichen Verboten von Heroin und Kokain. Diese Verbote führten zum Erstarken mafioser Organisationen, welche rasch die Gewinnchancen des nunmehr illegalen Handels erkannten. In den Vereinigten Staaten ging die jüdische Mafia voran, erst gefolgt, dann im Bunde mit der italienischen Cosa Nostra. Daneben tummelten sich korsische und chinesische Syndikate, die bald alle weltweit operierten. Erst mit italienischem Faschismus und infolge des Zweiten Weltkriegs kam es fast zu einem Erliegen des Drogenhandels, doch genau an diesem Punkt begann sich das Rad der Geheimdienste zu drehen.

Macht der Drogen

Auf Sizilien unterstützte der amerikanische OSS im Verbund mit der Cosa Nostra die scheintote Mafia, um die Faschisten zu besiegen, und in Indochina kam es zu Kooperation zwischen Franzosen, allen voran den Korsen und dem SDECE, und den Hmong. Anders als die amerikanischen Syndikate waren die Korsen indes so patriotisch, bis in die frühen siebziger Jahre darauf zu verzichten, die Bürger des eigenen Landes zu beliefern. Dafür sorgte die Strenge der Regierung von Charles de Gaulle. Die Amerikaner hingegen verloren bald jede Kontrolle. In Südvietnam stritten in den sechziger Jahren Rauschgiftclans, welche die GIs mit preisgünstigem Heroin versorgten, um die Macht in Saigon.

Parallel dazu entwickelten sich die Kokainsyndikate in Kolumbien, Panama und Paraguay. Zwar gingen die Vereinigten Staaten dann von den siebziger Jahren an, nach dem Ende des Vietnam-Kriegs, verschärft gegen die einstigen Verbündeten aus dem Milieu vor, echte Erfolge stellten sich aber nur auf Zeit ein, zumal alle paar Jahre neue Krisen zu neuen Bündnissen mit Drogenproduzenten und -händlern führten. Man denke nur an die Mudschahedin um den Paschtunenführer Hekmatyar und die Querverbindungen zum pakistanischen Geheimdienst ISI, wo wiederum Heroin eine zentrale Rolle spielte.

McCoy bietet eine spannende, gut belegte Lektüre, die nachdenklich macht. Dennoch bleiben Kritikpunkte: Der Autor denkt fast ausschließlich von der Angebotsseite und den Geheimdiensten her. Deswegen erwähnt er erst gar nicht, dass ausgerechnet Präsident Nixon, anders als viele seiner Nachfolger, darunter auch Bill Clinton, den Drogenkonsum primär als Krankheit und nicht als Verbrechen ansah. Nie wird die Frage aufgeworfen, weshalb sich gerade im Westen und besonders in den Vereinigten Staaten so viele Drogenabhängige finden. Auch im Detail finden sich Probleme, wenn etwa behauptet wird, um 1946 habe es in Frankreich nur Gaullisten, Sozialisten und Kommunisten gegeben. Damit blendet McCoy die christdemokratischen Volksrepublikaner, immerhin wahlweise die stärkste oder zweitstärkste politische Kraft des Landes unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, einfach aus. Schließlich neigt er, wie viele Revisionisten, dazu, die realen politisch-strategischen Gefährdungen durch den stalinistischen Kommunismus mit einer einfachen Handbewegung beiseitezuwischen.

Ungeachtet dieser Bedenken kommt man um McCoys lesenswertes Buch nicht herum, wenn man sich die Zusammenhänge von internationaler Großmachtpolitik und Drogenhandel vor Augen führen möchte.

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