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Streit um Louise Glücks Verlag : Jetzt wird Kasse gemacht

Die amerikanische Dichterin Louise Glück am 8. Oktober 2020 in Cambridge, Massachusetts, nach der Zuerkennung des Nobelpreises für Literatur Bild: Reuters

Sieben Titel der Nobelpreisträgerin Louise Glück hat der spanische Verlag Pre-Textos im Programm. Seine Leistung ist in Zahlen gar nicht zu erfassen. Nun hat der Agent Andrew Wylie gekündigt.

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          In keinem europäischen Land hat die amerikanische Dichterin Louise Glück, die überraschende Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2020, mehr Bücher veröffentlicht als in Spanien. Gegenüber zwei (vergriffenen) Titeln in Deutschland und keinem einzigen Buch in Frankreich steht der unabhängige spanische Verlag Pre-Textos mit sieben zweisprachig gedruckten Lyrikbänden der Siebenundsiebzigjährigen ganz erstaunlich da. Die Gründe dafür sind die üblichen: Leidenschaft, Hingabe und Verzicht auf fette Rendite. Jeder weiß ja, dass mit ausländischer Lyrik kein Geld zu verdienen ist.

          Gleich am Tag nach der Zuerkennung des Nobelpreises jedoch bot der Agent der Autorin, Andrew Wylie, einem anderen spanischen Verleger die Rechte an Glücks Werken an. Der lehnte ab, genauso wie anschließend viele weitere Häuser in Spanien und Lateinamerika, die den Ruf der sorgfältig gemachten Ausgaben von Pre-Textos kennen und von dem Wylie-Manöver nicht profitieren wollten. Der amerikanische Agent – Spitzname: „Schakal“ – hat jetzt in einem Gespräch mit „El País“ gesagt, warum er die Zusammenarbeit mit dem Verleger aus Valencia gekündigt und die Vernichtung aller vorhandenen spanischen Gedichtbände der Autorin gefordert hat: Pre-Textos habe auf Mitteilungen der Agentur nicht reagiert, sei bei Geldzahlungen säumig gewesen und habe über die Umschlaggestaltung der Bücher allein entschieden.

          Wer Lyrik verlegt, verliert sein Geld mit Stolz

          Wir fragen bei Manuel Borrás persönlich nach. Ja, gibt der Chef von Pre-Textos im Gespräch zu, es habe Zahlungsverzögerungen gegeben. Besonders im ersten Lockdown sei manches in der Kommunikation danebengegangen. Aber natürlich könne gar keine Rede davon sein, dass man der Autorin nicht geben wolle, was ihr zustehe. Von den sieben Titeln von Louise Glück in vierzehn Jahren seien bis zum Nobelpreis zwischen zwei- und dreihundert Stück verkauft worden – nicht von einem einzigen, sondern allen zusammen. Damit seien die Vorschüsse, etwa tausend Dollar pro Buch, nicht hereinzuholen; es reiche nicht einmal für die Übersetzung, geschweige denn die Produktionskosten. „Der Verlag“, sagt Manuel Borrás stolz, „hat mit Louise Glück viel Geld verloren, aber er veröffentlicht sie, weil sie eine großartige Dichterin ist.“

          Und so steht die Sache, wie immer, wenn es sich um Lyrik dreht. Borrás ist der einzige europäische Verleger, der sich aus Überzeugung und mit Enthusiasmus für Glücks Werk eingesetzt hat. Seine Leistung ist in Zahlen gar nicht zu erfassen. Ein wichtiges Faktum übrigens hat Andrew Wylie verschwiegen: Im vergangenen Mai bot er Pre-Textos den neuen Gedichtband von Louise Glück zur Veröffentlichung an. Allzu sehr kann der Agent unter dem spanischen Verleger nicht gelitten haben.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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