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AFP fabriziert Falschmeldung : Ein telefonisches Missverständnis

Hat offenbar seinen Humor nicht verloren: Martin Bouygues erfreut sich entgegen anderslautender Meldungen bester Gesundheit. Bild: Reuters

Die französische Nachrichtenagentur AFP ist bekannt für ihre Sorgfalt und Zuverlässigkeit. Jetzt aber unterlief ihr ein peinlicher Faux-Pas: Die Meldung vom Tod des Unternehmers Martin Bouygues stellte sich als falsch heraus.

          Sie hatte als Erste den Tod von Stalin gemeldet, und auf diese Leistung ist die französische Nachrichtenagentur AFP noch immer und zu Recht ganz besonders stolz. Der Scoop war möglich, weil die Kreml-Spezialisten ganz unterschiedliche Zeichen und Symptome richtig deuteten und zu verifizieren verstanden hatten. Die AFP hat einen hervorragenden Ruf, die Medien übernehmen ihre Meldungen ungeprüft und umso schneller, als im Internet alle die Ersten sein wollen. So war es auch am vergangenen Samstag, als die Agence France Press den Tod des Bauunternehmers Martin Bouygues verkündete. Aus allen Quellen trafen die Eilmeldungen auf dem Handy ein.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Auch der Fernsehsender TF1, der Bouygues gehört, stellte die Depesche auf seine Homepage. Eine Dreiviertelstunde später folgte das Dementi. Ein Gerücht stand am Anfang der Fehlleistung: Die Agentur hatte einen Hinweis aus unbekannter Quelle. Die Zentrale informierte das Regionalbüro Rennes, in dessen Zuständigkeitsbereich ein Zweitwohnsitz liegt, in dem Bouygues das Wochenende verbrachte. Der Bürgermeister war nicht zu erreichen. Jener der Nachbargemeine soll bestätigt haben, dass „Monsieur Martin“ gestorben sei – was als Nachname noch viel verbreiteter ist. Es war ein telefonisches Missverständnis. Die Agentur verschickte die Meldung, ohne auf eine Bestätigung der Familie oder des Unternehmens zu warten. Was auch aus Gründen des Takts angemessen gewesen wäre.

          AFP nennt die historische Fehlleistung ein „Debakel“, ihr Chef Emmanuel Hoog hat in den sozialen Netzwerken um Entschuldigung gebeten. Premierminister Manuel Valls twitterte, er habe mit Martin Bouygues telefoniert und teile „sein Erstaunen“. Mit dem glücklichen Dementi ist die Kettenreaktion allerdings nicht gestoppt worden, in der Gerüchteküche brodelt es noch weiter.

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