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AfD-Demonstration : Höckes Hetze

Wer einem Björn Höcke das Wort erteilt, muss wissen, was ihn sprachlos macht. Jauch wusste es nicht, seine Kollegin Anja Reschke schon. Prompt schrumpft die Anhängerschar des AfD-Politikers.

          Was ist diesseits des Rechtsbruchs zu sagen erlaubt, wann sind die Grenzen des Zumutbaren erreicht? Die Frage drängte sich einmal mehr nach der jüngsten Rederunde bei „Günther Jauch“ auf, als Björn Höcke von der AfD dort eine Bühne für seine völkisch zündelnde Propaganda bekam (inzwischen distanzierte sich die AfD mit der halbherzigen Einlassung, Höcke sei nicht befugt, für die Bundespartei zu sprechen – warum dann aber kein Parteiausschluss?). Höckes rabiater Stil entfaltete sich bei Jauch bis hin zu der Einladung an die Nation, am Mittwochabend wieder zahlreich zur Demo in Erfurt zu erscheinen – mit ihm, Höcke, als einem der Hauptredner. Und was geschah?

          Nach polizeilichen Angaben halbierte sich die Erfurter Höcke-Schar – von achttausend vor zwei Wochen auf viertausend jetzt. Dafür verdreifachte sich die Zahl derer, die in Erfurt gegen Höckes Demo demonstrierten – von achthundert auf zweitausendfünfhundert Teilnehmer. Was folgt daraus?

          Nichts Sicheres. Die Zahlen bieten keine Evidenz über den Verlauf einschlägiger Kausalitäten. Sie sind kein sozialwissenschaftlich belastbarer Befund. Aber sie sprechen, für sich genommen, auch nicht gegen die These, dass man in der offenen Gesellschaft die Radikalen sich selbst demontieren lassen soll, statt ihnen das Wort zu verbieten und ihnen damit den Vorwand zu liefern, sie seien die verfolgte und geknebelte Unschuld.

          Weil Höcke reden durfte und frühere Redebeiträge von ihm eingespielt wurden, zeigte sich bei „Günther Jauch“ wie von selbst, wo die Grenze verläuft zwischen staatsbürgerlich vertretbarer, gar gebotener Kritik an der Flüchtlingspolitik und schamloser Hetze. Na ja, „wie von selbst“ lässt sich vielleicht nicht sagen. Jauch, behäbig, machte den Moderatorendarsteller. Hätte da nicht seine ebenfalls eingeladene, hellwache Kollegin Anja Reschke de facto die Moderation übernommen und Höcke ebenso elegant wie gnadenlos der Hetze überführt – wer weiß, vielleicht wäre dessen Auftritt in Erfurt doch noch ein Heimspiel geworden. Wer einem Höcke das Wort erteilt, muss natürlich wissen, was ihn sprachlos macht. Sonst nimmt die geistige Brandstiftung ihren lodernden Lauf.

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