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Achtung, Sommerloch : Nessies Fluch

  • -Aktualisiert am

Schreiben Sie uns in die Kommentare, wie viele Reiskörner Sie auf diesem Bild sehen und gewinnen sie ein Sommerloch. Bild: AP

Auch in diesem Jahr trifft das Sommerloch deutsche Medien überraschend. Da kommt eine Meldung aus China zupass, die man dringend aufpolieren sollte.

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          Medien wenden ihre Aufmerksamkeit von Zeit zu Zeit auch unwesentlichen Dingen zu. Im Fachjargon heißt das Sommerloch. Jedes Jahr fällt das Sommerloch in den August, und immer trifft es einen unvorbereitet, niemand hat es je kommen sehen. Dieses Sommerloch ist größer, heißt es jährlich von neuem, es reicht fast bis zum Erdmittelpunkt und spuckt zähflüssiges Magma in unser Gehirn. Der Geist wabert wie eine Lavalampe mit gedrosselter Stromzufuhr, bärtige Fragen werden zurechtfrisiert: Warum werden in Hotels trotz steigender Nettoeinkommen immer noch so viele Kleiderbügel gestohlen? Gerade von Wohlsituierten, die es gar nicht nötig haben. Da läuft doch was schief in diesem Land! Warum trägt Mario Gomez beim Hochzeitskuss Sonnenbrille? Will er seine Braut nicht so genau sehen? Sommer, Sonne, Kaktus. Man ist nicht wählerisch.

          Wir müssen diese Glosse unterbrechen. Wir hören gerade, dass in China zwei Säcke Reis umgefallen sind. Sapperlot! Wenn das keine Eilmeldung ist. Gibt es Bilder? Leider nein. Kann man das hintergrundmäßig irgendwie aufpolieren? Augenzeugenberichte, das Leid der Opfer, Chinas marode Reisbauernindustrie. Apropos Reis: Wo ist eigentlich Ai Weiwei, wenn man ihn mal braucht? Hat der nicht eine Reis-Ausstellung in der Tate Modern gemacht, ein Reiskorn für jeden chinesischen Staatsbürger, Korn für Korn abgezählt? Von seinen Mitarbeitern selbstverständlich. Reiskörner zählen: Dafür ist Ai einfach too big. Ach so, er dokumentiert jetzt das Flüchtlingselend mit schwimmenden Schwimmwesten und gepresstem Pu-Erh-Tee im Belvedere? Auch keine schlechte Sommerloch-Idee. War schon mal nützlicher, der Ai Weiwei.

          Außerdem hören wir gerade: Es waren keine Reiskörner, sondern Sonnenblumenkerne. Mal sehen, was der „Spiegel“ aus der neuen Weltlage macht: „Wankende Weltmacht Reis“. Wow, einfach nur wow! Sicher von Diez, dem „Spiegel“-Experten für gefährliches Denken. Der haut solche Dinger in Serie raus. Respekt nach Hamburg! Machen wir gleich eine schöne Meldung. Ewiges Sommerloch.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

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