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Leipziger Buchmesse : Die kleinsten Worte hallen nach

Wie gewinnen Verlage und Handel an das Smartphone verlorene Leser zurück? Bild: dpa

Auf der Leipziger Buchmesse bleiben die Tumulte um „rechte“ Verlage aus. Dafür wird klug über den Umgang mit Extremisten nachgedacht. Und die Lesekrise?

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          Als Åsne Seierstad am vergangenen Mittwochabend im Gewandhaus den „Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung“ entgegen nahm, sprach sie in ihrer Dankesrede über den Umgang mit politischen Extremisten. In ihrem Buch „Einer von uns“ hatte sie das Massaker rekonstruiert, das ihr norwegischer Landsmann Anders Breivik im Juni 2011 verübt und dabei 77 Menschen ermordet hatte, sie hatte die Biographien der Opfer minutiös nachgezeichnet bis hin zu ihren letzten Minuten, und sie hatte zusammengetragen, was man über den Mörder wissen kann.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          „Er wurde ins Gefängnis gesteckt“, sagte sie in Leipzig, „er ist weggesperrt und wird nicht mehr töten. Aber was ist mit seinen Ideen? Sind sie auch begraben oder spuken sie noch herum?“ Dass jedenfalls Breivik davon ausgegangen war, mit seinen fremdenfeindlichen Überzeugungen Teil einer Bewegung zu sein, dass er darauf hoffte, mit seinem Terror andere dazu aufzustacheln, es ihm gleichzutun, zeigte Seierstad auch, und Verena Lueken, Redakteurin im Feuilleton der F.A.Z., sprach in ihrer Laudatio vom „furchtlosen Blick“ und der „klaren Sprache“ der Autorin, mit deren Hilfe sie „einen Raum von Freiheit“ schafften. Seierstad wiederum brachte diesen Zusammenhang in ein schönes Bild, indem sie von den Märchen ihrer Heimat sprach: Dort „verwandeln sich Trolle in Steine, wenn sie von den Strahlen der Sonne getroffen werden. Das müssen wir auch mit den Extremisten tun – sie herauslocken ans helle Tageslicht, sie unter die Lupe nehmen, sie entlarven. Denn ihre Ideen gedeihen im Dunkeln, in den geschlossenen Kreisen, in den Echokammern des Internets.“

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