https://www.faz.net/-gqz-6zjyy

Abhörskandal in Großbritannien : Er ist ungeeignet

  • -Aktualisiert am

Laut des parlamentarischen Berichts „nicht tauglich ein internationales Unternehmen zu führen“: Rupert Murdoch Bild: dpa

Die Kritik an Rupert und James Murdoch im Skandal um „News of the World“ reißt nicht ab. Jetzt legt der parlamentarische Untersuchungsausschuss seinen dritten Bericht vor.

          1 Min.

          Der parlamentarische Ausschuss für Kultur, Medien und Sport hat am Dienstag seinen lange erwarteten dritten Bericht vorgelegt, der von dem Abhörskandal bei „News of the World“ und der Frage handelt, ob es Beweise dafür gebe, dass Zeugen das Gremium in die Irre geführt hätten. Darin wird Rupert Murdoch unter anderem bescheinigt, er sei nicht tauglich, ein internationales Unternehmen zu führen. Er habe sich mutwillig blind gestellt gegenüber den Missetaten bei News International, dem für die britischen Zeitungstitel zuständigen Arm seines Medienkonzerns News Corp.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Diesem Urteil pflichteten jedoch nicht alle Mitglieder des Ausschusses bei. Die vier konservativen Mitglieder sahen sich deswegen nicht in der Lage, dem Parlament den „parteiischen“ Bericht zu empfehlen. Der konservative Vorsitzende John Whittingdale bedauerte in einer Pressekonferenz, bei der die Differenzen offen zutage traten, dass dieser Zustand die schwerwiegende Kritik an News International verwässern könne.

          Ein Mangel an Wissbegier

          Er hob jedoch hervor, dass sich der Ausschuss über große Teile des Berichtes einig sei, insbesondere darüber, dass die Abgeordneten getäuscht worden seien von den ranghohen News-International-Angestellten, Les Hinton, einst Geschäftsführer, Tom Crone, dem ehemaligen Justitiar, und Colin Myler, Chefredakteur der eingestellten „News of the World“. Sie hätten das Ausmaß des Abhörskandals verschleiert und sich der Missachtung des Parlaments schuldig gemacht.

          Auch bezichtigten die Abgeordneten James Murdoch, damals Vorsitzender von News International, eines „erstaunlichen Mangels an Wissbegier“, da er wesentliche elektronische Mitteilungen nicht richtig gelesen habe, aus denen er schon 2008 hätte schließen können, dass der unbefugte Zugriff auf Telefone kein Einzelfall gewesen sei. „Einfach erstaunlich“ nennt der Bericht die Behauptung, Rupert und James Murdoch hätten erst im Dezember 2010 erkannt, dass die „Einzelgänger“-These nicht tragbar sei.

          Die Sorge, dass der Zwist im Ausschuss die Wirkung des Berichtes beeinträchtigen werde, erwies sich schon gleich nach der Veröffentlichung als überflüssig. Die Einschätzung, dass Rupert Murdoch als Konzernchef ungeeignet sei, beherrscht die Schlagzeilen und nährt nicht nur Spekulationen über seine Zukunft an der Spitze von News Corp, sondern auch die Vermutung, dass die Medienaufsichtsbehörde dem von Murdoch kontrollierten Satellitensender BSkyB die Lizenz entziehen könnte.

          Weitere Themen

          Nicht hinnehmbar für Europa

          Festnahme Nawalnyjs : Nicht hinnehmbar für Europa

          Der EU-Außenbeauftragte Borrell fordert die Freilassung des russischen Oppositionellen Nawalnyj. Sollte Moskau nicht einlenken, wären für den EVP-Fraktionsvorsitzenden Weber auch Sanktionen gegen Nordstream 2 eine Option.

          Topmeldungen

          Steigen in die Air Froce One: Donald und Melania Trump

          Amerika-Liveblog : Trump hat Washington verlassen

          Zwei Wochen nach dem Sturm auf den Kongress in Washington wird Joe Biden als 46. Präsident vereidigt +++ erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen hier im Liveblog.
          Die neue Heimat nach dem Amt: das Luxusanwesen Mar-a-Lago in West Palm Beach in Florida. Hier wird Donald Trump künftig wohnen.

          Trump zieht nach Florida : Ein Widerstandsnest zum Wohlfühlen

          New York war lange mit dem Namen Trump verbunden. Doch der scheidende Präsident ist dort so unbeliebt wie nie. Florida bietet ihm eine Bleibe unter Gleichgesinnten – und soll zum Ausgangspunkt für neue Eroberungen werden.
          Bei Kritik an den Korruptionsstaatsanwälten kann es sein, dass Paragraphen des Strafgesetzbuchs plötzlich eine Rolle spielen.

          Anzeige gegen Journalistin : Staatsanwälte holen sich eine blutige Nase

          In Österreich mischt die WKStA, die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption, gern die Politik auf. Doch werden die Staatsanwälte selbst kritisiert, kann es zu Strafanzeigen kommen. So im Fall einer Journalistin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.