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Aaron Swartz ist tot : Ein Internet-Aktivist und politischer Hacker

  • Aktualisiert am

Aaron Swartz (1986 - 2013) Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Er schrieb Programme, gründete Onlinedienste und betrachtete Hacken als politische Aktion: Nun ist Aaron Swartz im Alter von sechsundzwanzig Jahren aus dem Leben gegangen.

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          Der als Internet-Genie gefeierte Mitbegründer der Social-News-Webseite Reddit und des Onlinedienstes RSS, Aaron Swartz, hat sich kurz vor dem Beginn eines Strafprozesses wegen Datendiebstahls das Leben genommen. Der Sechsundzwanzigjährige sei am Freitagabend im New Yorker Stadtteil Brooklyn erhängt aufgefunden worden, sagte eine Sprecherin von New Yorks Gerichtsmedizin gegenüber einer Nachrichtenagentur. Swartz hatte sich auch als Aktivist für den freien Zugang zu Inhalten im Internet eingesetzt.

          Der Prozess gegen Swartz sollte in wenigen Wochen beginnen. Ihm wurde Diebstahl von Millionen wissenschaftlicher und literarischer Artikel vom JSTOR-Dienst, der nur für zahlende Abonnenten zugänglich ist, vorgeworfen. Swartz drohte bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe und eine Geldbuße von einer Million Dollar.  Er hatte die Daten mittels eines im Massachusetts Institute of Technology (MIT) versteckten Computers heruntergeladen.

          Familie erhebt Vorwürfe

          Nach seiner Festnahme in Boston im Jahr 2011 erklärte seine Anti-Zensur-Gruppe Demand Progress, die Anklage habe „keinen Sinn“. Genauso gut könnte die Justiz jemand ins Gefängnis stecken, der „angeblich zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen hat“. Swartz war es um keinen finanziellen Vorteil gegangen, der Anbieter JSTOR und auch das MIT hatten von einer Klage gegen ihn abgesehen. Die zuständige Staatsanwältin Carmen Ortiz hielt dagegen an einer Anklage fest: Diebstahl bleibe Diebstahl, ob er mit einem Computer oder einem Brecheisen begangen werde und ob er Dokumente, Daten oder Geldscheine betreffe.

          Swartz’ Familie gab der Staatsanwaltschaft und dem MIT eine Mitschuld an dem Suizid. „Aarons Tod ist nicht nur eine persönliche Tragödie“. Vielmehr sei er auch die Folge eines Strafrechtssystem, das auf Einschüchterung gesetzt habe, erklärte die Familie. Swartz hatte schon vor Jahren von Depressionen berichtet. Bereits im Alter von vierzehn Jahren hatte er am Programm des RSS-Newsfeed mitgeschrieben, mit dem es für Nutzer möglich ist, Updates von Blogs, Nachrichtenseiten und anderen Seiten zu erhalten.

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