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59. Deutscher Filmpreis : Der Trost der Currywurst

Ehrenpreisträger: Vicco von Bülow alias Loriot Bild: dpa

Ovationen für Loriot, vier Lolas für Florian Gallenbergers „John Rabe“, und das Buffet musste mangels Sponsoren ausfallen: So war's beim Deutschen Filmpreis 2009, der nicht nur körperlich ein Gefühl der Leere hinterließ.

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          Kurz vorm Aufbruch zum roten Teppich plötzlich der Impuls: Kann man nicht noch schnell irgendwo wetten, auf Sieg und Platz und Lolas? Wenn doch mittlerweile schon Fünftligaspiele verschoben werden und man auf die Oscars setzen kann. Keine Chance! Beim Besuch der einschlägigen Portale war außer Sport nur die laufende Staffel von „DSDS“ im Angebot - aber kein Deutscher Filmpreis. Man muss das nicht gleich als Mangel an Strahlkraft deuten, aber es wäre ja mal eine Überlegung wert gewesen, den wegen seiner sieben Nominierungen überall zum Favoriten ernannten „John Rabe“ zu ignorieren und mit „Wolke 9“ oder auch „Chiko“ auf die bessere Quote zu spekulieren.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es wäre dann aber, um kurz nach 21 Uhr am Freitagabend, ein ganz schlechtes Geschäft geworden. Der Favoritensturz, den Doris Dörrie 2008 mit „Kirschblüten - Hanami“ erlebt hatte, blieb aus - und es trat ein, was man dem deutschen Kino nun wirklich nicht gewünscht hatte: „John Rabe“ gewann die goldene Lola, begleitet von zaghaften Unmutsäußerungen aus dem Saal, und als die Produzenten auch noch an prominenter Stelle ZDF-Spitzen priesen, war das nicht nur denen zuviel, die „John Rabe“ für die schlechtestmögliche Wahl hielten.

          Der Siegerfilm trifft keinen Nerv

          Es gewann ein Film, den nicht bloß die Kritik ziemlich ungnädig behandelt hat, sondern den auch das Publikum nur sehr spärlich zur Kenntnis nimmt. Ein Film, der seine „wahre Geschichte“ über den guten Nazi von Nanking in lauter Sentiment, schalen Heldenposen und Melodramatik ertränkt, der mit seinem zweistelligen Millionenbudget großes Kino simuliert, um einen demnächst als Fernsehzweiteiler heimzusuchen.

          Ehrenpreisträger: Vicco von Bülow alias Loriot Bilderstrecke

          Es war zugleich der Bruch mit einem Kurs, den die Akademie gehalten hat, seit sie den Deutschen Filmpreis vergibt: nicht zu pompös und auch nicht zu klein, das waren die Idealmaße für die goldene Lola. Der Darstellerpreis für Ulrich Tukur, Lolas für Kostümbild und Szenenbild von „John Rabe“ - damit hätte man leben können. Aber ein Film, der keinen Nerv trifft, der mit der Geschichte eher wie ein wohlmeinendes Entsorgungsunternehmen verfährt, das war einfach nur bitter und kaum zu begreifen.

          Besinnungsloses Daherfloskeln, munteres Kalauern

          So kam es immerhin, dass hinterher mehr diskutiert wurde als vorher. Es hatte keine Geplänkel im Vorfeld gegeben, keine Aus- und Wiedereintritte, keine verschmähten „Keinohrhasen“. Alles hat sich eingespielt, sogar das Wetter spielt immer mit, seit die Akademie im Palais am Funkturm feiert. Der Staatsminister hielt eine seiner Filmpreisreden, für die er vielleicht mal einen Autor verpflichten sollte, der nicht so besinnungslos daherfloskelt und auch vor Wendungen wie „Stars und Sternchen“ zurückscheut. Selbst an Barbara Schöneberger, die wieder moderierte, konnte man sich gewöhnen. Wie eingeschweißt in ihr rotes Pailettenkleid, das man nicht länger als dreißig Sekunden anschauen konnte, ohne an Sehstörungen zu leiden, immer kurz vorm leicht Ordinären, kalauerte sie sich munter durch den Abend.

          Sie tanzte nicht, sie sang nur einmal, als Gold-Lola verkleidet, und es war auch eine gute Idee von Hans-Christoph Blumenberg, der die Gala konzipiert hatte, den Ehrenpreis für Loriot an den Anfang zu stellen. Ein Abend, der mit Ovationen beginnt, hängt nicht mehr so sehr von seinem Finale ab.

          Gefühl der Leere

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