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50 Jahre Pixi-Bücher : Zwanzig Gramm Buch - kein geringes kulturelles Gewicht

Wie alles einmal begann: das erste Pixi-Buch aus dem Jahr 1954 Bild: Carlsen Verlag

Die stets vierundzwanzig Seiten dünnen Taschenbücher begleiten die lieben Kleinen und ihre Vorleser in buchstäblich jeder Lebenssituation. Eine Ausstellung in Troisdorf feiert fünfzig Jahre Pixi.

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          In der keltischen Mythologie ist "pixy" die Bezeichnung für einen Kobold, der tendenziell unfreundlich ist. Oder vielleicht sollte man sagen, "pixies" haben einfach einen anderen Spaßbegriff: Ihre Lieblingsbeschäftigung besteht nämlich darin, zur Musik der Frösche zu tanzen, Fremde in die Irre zu führen und Jungfrauen zu erschrecken. Eigentlich kein Vorbild für Kinder, aber den dänischen Verleger Per Hjald Carlsen hat das nicht angefochten, als er 1954 zeitgleich in seiner Heimat und in Deutschland das erste Pixi-Buch mit dem Titel "Miezekatzen" veröffentlichte. Die Lizenz kam aus Toronto, dort war 1948 das allererste "Pixie-Book" erschienen. In Dänemark, das momentan als das Land mit der weltweit höchsten Pixi-Dichte gelten kann, hat die Pixi-Figur heute noch vampirhafte Züge, in Deutschland setzte Carlsen dagegen von Anfang an auf eine sanftere Pädagogik.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Seit diesem historischen 29. April 1954 sind in Deutschland nach Angaben des Verlages 1250 Pixi-Bücher erschienen, die Gesamtauflage beziffert Carlsen, der sich Pixi längst als Warenzeichen hat schützen lassen, auf derzeit 250 Millionen Exemplare. Heute ist jedes Buch ein Bestseller, zwischen achtzig- und hundertzwanzigtausend Exemplare werden ausgeliefert, immer in Serien mit zumeist acht Bänden, die thematisch verwandt sind. Fünfzig Pfennig kosteten die Bücher zu Anfang, heute mit fünfundneunzig Cent knapp das Vierfache - ein noch immer moderater Preis, der Beschädigung oder Verlust erträglich macht. Natürlich sind die Sammler längst auf den Plan getreten. Das seltene, weil nur in einer Auflage gedruckte Buch "Fröhliche Tage" (Nummer 9) erzielt derzeit bis zu zweihundert Euro.

          Mit Nummer 231 bricht das wirkliche Leben herein

          Die stets vierundzwanzig Seiten dünnen Taschenbücher gehören zum Mobiliar von Damenhandtaschen und Mütterrucksäcken, von Herrenmänteln und Handschuhfächern - sie begleiten die lieben Kleinen und ihre Vorleser in buchstäblich jeder Lebenssituation. Die ganze Pixi-Familie ist derzeit im Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf nahe Bonn zu besichtigen, das den quadratischen Winzlingen eine Geburtstagsfeier ausrichtet. Zu sehen sind, in rechteckigen - warum nicht quadratischen? - Bilderrahmen alle bis dato erschienenen Pixis, jeweils vierundzwanzig in einem Bild. Eine riesige bunte Titelseitenwand, die man als Erwachsener auch wie ein Memory besichtigen kann: Welches ist das erste mir bekannte, welche das letzte Pixi-Buch?

          Erinnerungen werden da schnell wach, etwa bei den "Ferkelchen", "Familie Bär auf Reisen", "Die Henne und das Brot" oder "Marienkäferchens Glück". In den Anfangsjahren domininieren noch Lizenzen mit einem überwältigend kitschigen Heile-Welt-Idyll angelsächsischer Provenienz. Auch später ist Pixi alles andere als radikal. Doch mit Nummer 231 bricht so etwas wie das wirkliche Leben herein. "Bei der Eisenbahn" beginnt eine Serie, die sich im Sachbuchstil auch mit "Autos aller Art" beschäftigt. Historische und biblische Stoffe, Märchen und Sagen sind etwa in "Androklus und der Löwe" (284) und ab Nummer 319 mit "Die Goldene Gans" auszumachen.

          Das künstlerische Wagnis war fast nie seine Sache

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