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3D-Drucker : Was heißt hier Herstellung?

Das silberne Häuflein Elend rechts ist übrigens das Büro: der Künstler Markus Kayser bei der Arbeit am Projekt „Solar Sinter“ in der Sahara Bild: Markus Kayser Studio

Die Technik erneuert sich. Maschinen sagen Maschinen, welche Maschinen sie wie bauen sollen. Ein 3D-Drucker schafft Gegenstände aus Information und Energie. Gibt es auch Verlierer?

          8 Min.

          Propheten gehören in die Kunst oder in die Wüste. Manchmal probiert einer gleich beides aus, wenn er die Zukunft vorwegnehmen will - wie der deutsche Künstler Markus Kayser. In der ägyptischen Sahara, der ödesten Gegend eines Landstrichs also, dessen Bevölkerung gerade damit kämpfte, sich entweder von avancierten Kommunikationsmedien in die Demokratie von morgen oder von der Muslimbruderschaft ins repressiv Traditionelle führen zu lassen, ließ Kayser 2011 für sein Projekt „Solar Sinter“ einen 3D-Drucker aus dem Rohstoff Sand mittels Solarenergie Schicht für Schicht glasharte Objekte herstellen. Güter, so wurde deutlich, kann ein Mensch selbst da produzieren, wo er eigentlich nicht leben kann - solange nur die Sonne scheint und irgendein Material herumliegt.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Die „CyberArts“-Abteilung der Linzer Ars Electronica 2012 schlug Kaysers eigenwillige Arbeit dem Feld der „interaktiven Kunst“ zu, das bekanntlich unscharfe Ränder hat. Schon zwei Jahre vorher sah man in Linz Vorzeichen der „Mini-Fabrik zu Hause“: Im Ars Electronica Center konnte man die kommende Produktionsform während einer „Langen Nacht der Forschung“ persönlich begutachten: „Den Turnschuh nicht mehr im Shop kaufen, sondern einfach im Netz aussuchen und via 3D-Drucker ausdrucken? Eine Vision, die schon bald Realität sein wird. Einen Eindruck von unseren künftigen Minifabriken gibt das FabLab: Via 3D-Drucker und Lasercutter können hier virtuelle Modelle als Prototypen realisiert werden.“

          Sprachlich hakt es noch ein bisschen mit dem Vorgriff: „realisiert“, also wirklich gemacht, ist ein Modell ja nicht schon deshalb, weil man es außer anschauen auch anfassen kann, schließlich bleibt es dabei ein Modell, dessen Realisierung erst die Herstellung der Sache wäre, von der es das Modell ist. Auch das Zusammenzwingen zweier Hauptwortstummel mit jeweils großem Anfangsbuchstaben zu einem flotten Begriff, wie das mit der Prägung „FabLab“ versucht wird, müffelt leicht nach der Futuristik von vorgestern - die Science-Fiction gewöhnt sich derlei seit einer Weile ab, nur die liebe Margaret Atwood („BlyssPluss“, „MaddAddam“) hinkt noch hinterher.

          Erwartbar weitreichende gesellschaftliche Effekte

          Der Urheber des „FabLab“ ist einer der fleißigsten Propagandisten der Aussicht auf massenhafte Privatindustrialisierung nach dem Vorbild der Durchsetzung des Personal Computers: Neil Gershenfeld, Professor am Center for Bits and Atoms des Massachusetts Institute of Technology. Zu Demonstrations- und Pionierzwecken hat er seit 2002 hier und da solche Anlagen aufstellen lassen; sogar in Ghana, in der Küstenstadt Sekondi-Takoradi, gibt es eine.

          Dort lernen Leute, dass man mit Hilfe von Schnitzlasern, entsprechender Software von Adobe Illustrator bis TinkerCAD und verschiedenen Implementierungsverfahren zwischen FDM (Fused Deposition Modeling) und SLS (Selective Laser Sintering) Schicht für Schicht aus Daten Dinge machen kann.

          Was im Dampfmaschinen- und Eisenbahnzeitalter noch konkret als Kraft- und Zeitersparnis in der Produktion sowie Verkürzung aller Verkehrswege erlebt wurde, wird derzeit in eine nächste, abstraktere Phase überführt, in der statt mit anschaulichen Gebrauchsgütern und Dienstleistungen zunehmend mit unanschaulicher Energie und schwer greifbarer Information gewirtschaftet wird.

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