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3D-Drucker : Was heißt hier Herstellung?

Das hat erwartbar weitreichende gesellschaftliche Effekte. Auf einer der weltweit exponiertesten Plattformen politischer Planung, im von der amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations verantworteten Periodikum „Foreign Affairs“, durfte Gershenfeld Ende letzten Jahres seine Begeisterung in aller Breite entfalten: „Integrated personal digital fabricators comparable to the personal computer do not yet exist, but they will.“

Am Anfang stand das „Top-Down-Arsenal“

Was sich davon im Augenblick schon bemerkbar macht, befindet sich in einem eher putzigen Stadium. Wenn „Business Life“, das Wirtschaftsmagazin der British Airways, eine 3D-Drucker-Firma fürs Titelbild seiner letzten Ausgabe im Jahr 2012 aus weißem Kunststoff die Zahl „2013“ als kleine Skulptur herstellen lässt, um damit in Gershenfelds Horn zu tuten, weil das eben begonnene Jahr das des 3D-Druckers werden soll, denkt man weniger an eine Offenbarung als an Kinder, die selbstgebastelte Aschenbecher aus Fimo-Knete im Herd brennen, oder an Konditoren, die Mozartbüsten aus Marzipan kreieren.

Die niedlichen Babyschrittchen aber finden in immensen Fußstapfen statt. Seit im neunzehnten Jahrhundert das Werkzeugmachen großmaßstäblich auf seine selbstreflexive Stufe gehoben wurde, da die Lokomotive der Produktivkraftentwicklung plötzlich eine Sorte Maschinen war, die ihrerseits Maschinen herstellte, spukt in den Köpfen von Ingenieuren der Gedanke herum, man solle sich um eine harmonischere wechselseitige Durchdringung des Sozialen und des Technischen bemühen. Am Anfang, so geht ein Narrativ, das diese Kreise schätzen, stand das „Top-Down-Arsenal“ - von oben nach unten: Große Automaten schaffen global viele kleine Waren. Am Ende der Entwicklung aber soll ein „Bottom-Up-Arsenal“ stehen: Aus kleinen Bauteilen erzeugt man lokal Automaten zur Befriedigung großer Bedürfnisse.

Die in der Moderne durch katastrophale soziale und politische Erfahrungen wachgewordene Angst davor, das Technische könnte das (wie auch immer verstandene) Menschliche unter sich begraben, wird in dieser Ingenieurperspektive zur selbst wieder technisch zu lösenden Frage der Schwerfälligkeit, Massivität, rein umfangsbedingten Unbeherrschbarkeit von Technik. Wenn alles nur kleiner, schneller, näher, dezentraler würde, meint man, ließe sich Technik endlich wieder als Verlängerung menschlicher Zugriffsmöglichkeiten aufs Natürliche einrichten, statt umgekehrt aus Menschen ohnmächtige Anhängsel taktbestimmender, den Horizont des Machbaren dominierender Technik zu machen.

Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing

Loswerden will man also jede „Bulk Technology“, das Monumentalmaschinelle, das noch die Futuristen oder Ernst Jünger beeindruckte. Ein beliebtes, weil klares Bild für diese Überwindung des Großen durch das Kleine, aus der Evolutionstheorie entlehnt, ist der Kampf flinker Säuger um den Platz an der Sonne, der von den schnaufenden Sauriern verdeckt wird, bis diese aussterben.

Solche kleinen Biester sollen die „intelligenten Werkzeuge“ oder, eine Stufe tiefer, „smart structures“ sein, denen man derzeit zwischen Fullerenchemie und Platintinte, zwischen Quantum Dots und Keramik der nächsten Generation hinterherjagt.

Bis vor kurzem hatte dieser Aufbruch seinen Schwerpunkt bei den Mems, den mikro-elektro-mechanischen Systemen, wo kleine Sensoren (die etwas wahrnehmen) und kleine Aktuatoren (die etwas tun) die Welt „von unten her“ aufzumischen lernten (was nicht heißt, dass nicht noch kleinere denkbar wären, da blüht die Nanospekulation).

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