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33 Millionen für Bilder eines Straßenmalers : New Yorker Kunstfälschungen stellen alles in den Schatten

Dieses Gemälde à la Pollock aus der Quelle der New Yorker Kunstfälscherbande wurde von der Galerie Knoedler für siebzehn Millionen Dollar vermittelt. Bild: Archiv

Es dürfte der größte Kunstskandal der Geschichte sein: Auf dem amerikanischen Markt gingen jahrelang vermeintliche Bilder von Jackson Pollock und Mark Rothko weg - für insgesamt 33 Millionen Dollar. In Wahrheit sollen sie von einem chinesischen Straßenmaler stammen. Jetzt wurde die Fälscherbande gefasst.

          Kurz vor Ostern hat die spanische Polizei Jose Carlos Bergantiños Diaz gefasst. Er soll der Kopf einer Betrügerbande sein, die seit fünfzehn Jahren gefälschte Kunstwerke in den New Yorker Kunsthandel eingeschleust haben soll. Der Skandal stellt die Machenschaften des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi noch weit in den Schatten. Der amerikanische Bundesanwalt Preet Bharara wirft der Bande jetzt vor, für die Bilder eines chinesischen Straßenmalers insgesamt 33 Millionen Dollar kassiert zu haben. Die Gemälde entstanden im Stil der amerikanischen Expressionisten, eines Jackson Pollock oder Mark Rothko.

          Ein Kasinobesitzer zahlte 7,2 Millionen für ein Bild

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          In Umlauf gebracht wurden die Fälschungen von dem Ende 2011 eingestellten Kunsthaus Knoedler. Die Galerie bezeichnet der amerikanische Bundesanwalt Preet Bharara als Opfer. Doch zunächst hatte Knoedler durch den Weiterverkauf der Fälschungen Gewinne von 43 Millionen Dollar gemacht. Mehrere geprellte Käufer wollen mit Zivilklagen erreichen, dass Knoedler und dessen führende frühere Mitarbeiter haftbar gemacht werden. Frank J. Fertitta III, ein Kasinobesitzer aus Las Vegas, hat zudem Oliver Wick, Kurator am Kunsthaus Zürich, verklagt. Im April 2008 hatte ein New Yorker Kunsthändler für Fertitta einen vermeintlichen Mark Rothko aus dem Jahr 1959 zum Preis von 7,2 Millionen Dollar erworben. Das Bild sei, wie es in der Klageschrift heißt, von Wick, der damals als freier Kurator für die Fondation Beyeler arbeitete, angeboten worden. Laut Klageschrift erhielt Wick vom Käufer eine Provision von 150.000 Dollar und von Knoedler ein Beratungshonorar von 300.000 Dollar.

          Die Firma Knoedler & Company war eine der ehrwürdigsten Institutionen des Kunstlebens von New York und älter als das Metropolitan Museum of Art. Der Ölmagnat Armand Hammer hatte das Kunsthandelshaus 1971 gekauft. Seit Mitte der neunziger Jahre besetzte Knoedler eine Marktnische für krisenfeste Qualitätsware. Wundersamerweise brachte man immer wieder unbekannte Werke der Helden des Abstrakten Expressionismus auf den Markt: Jackson Pollock, Mark Rothko, Willem de Kooning. Diese Bravourstücke vermittelte man an die Sorte von Neureichen, die besonders gut rechnen können, an Hedgefondsgründer, Goldman-Sachs-Manager und den Vorstandschef der Luxusmodefirma Tom Ford International. Am 28 November 2011 stellte Knoedler von einem Tag auf den anderen den Betrieb ein. Man war gerade damit beschäftigt, eine Ausstellung zu hängen.

          Die vollständige Geschichte über den Fälscherskandal lesen Sie in der Freitagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und ab Donnerstagabend 20 Uhr im E-Kiosk.

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