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30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein : 3. Bin ich überhaupt geschäftsfähig?

  • -Aktualisiert am

Bild: Carsten Feig

Das halbe Leben hat man Zeit, 40 zu werden. Jetzt bleiben plötzlich nur noch ein Jahr - und 30 offene Fragen. Marcus Jauer findet in seiner Kolumne noch 28 Mal eine Antwort.

          In ein paar Wochen müssen wir wieder ein Auto kaufen. Davor graut mir schon jetzt, es geht aber nicht anders. Viele Orte, an denen wir gern sind – Reiterhof, Wald, See, Polen, Oma – liegen außerhalb der Stadt. Außerdem fährt unsere Familie gern Auto. Wir Eltern wegen der Landschaft, die vorbeizieht, die Kinder wegen des Drive-In-Schalters bei McDonalds. Bisher haben wir uns die Autos meist ausgeliehen, aber wir sind so gern unterwegs, dass wir entweder weniger Mieten oder mehr mit dem Rad unterwegs sein müssen. Es sei, denn wir haben wieder ein eigenes Auto.

          Das letzte Auto, das wir besessen haben, müsste noch irgendwo durch Bayern fahren. Vielleicht sind es aber auch nur Teile davon. Es war ein eleganter Bus mit einem riesigen Schiebedach und sieben Sitzen. Wir waren damals zwar nur fünf, aber wir wollten noch mehr Kinder, und obwohl unser Auto ein Gebrauchtwagen war, sollte es ja eine Weile lang halten. Ich hatte Wochen im Internet recherchiert, bis ich bei einem versteckt liegenden Händler an einer unbelebten Ausfallstraße ein überraschend günstiges Modell entdeckte, das er mir aber nicht verkaufen wollte, als er sah, dass ich Familie hatte. Seltsamerweise flößte mir das Vertrauen ein. Danach zeigte er mir den Bus.

          Unter den Augen meiner Frau und der Kinder schaute ich mir den Wagen genauestens an, der bereits hunderttausend Kilometer auf dem Tacho hatte. Ich trat sogar mit dem Fuß gegen die Reifen, wie ich das bei meinem Vater gesehen hatte, und ich hatte den Eindruck, dass ich bei all dem sehr entschieden wirkte. Dann zogen sich der Händler und ich in ein Containerbüro zurück, um wie zwei Männer den Preis auszuhandeln. Ich drückte ihn um zweihundert Euro, schloss dafür aber eine Gebrauchtwagenreparaturversicherung ab, die fünfhundert Euro kostete. Und trotzdem, als wir in unserem neuen Auto vom Hof fuhren, fühlte ich mich mehr als Familienvater als jemals zuvor. Papa kauft ein Auto!

          Sechs Monate darauf, wir fuhren gerade aus Italien nach Hause, schlug auf der Autobahn plötzlich weißer Rauch aus dem Auspuff und unsere Heckscheibe war schwarz vor Öl. Stunden später, es war inzwischen Nacht, wurde unser Auto auf die Laderampe eines Abschleppwagens gezogen. Da ahnte ich noch nicht, dass unsere Gebrauchtwagenversicherung natürlich gerade das Teil nicht abdeckte, das in unserem Motor kaputt gegangen war. Ich ahnte auch noch nicht, dass die Reparatur teurer werden würde, als das ganze Auto wert war, weshalb wir es später gleich in der Werkstatt stehenlassen mussten.

          Wir saßen alle dicht gedrängt auf der Rücksitzbank des Abschleppers, während ich versuchte, den Händler auf dem Handy zu erreichen und mir die Scham, dass wir mit einem Auto liegen geblieben waren, das ich geprüft und gekauft hatte, auf die Brust drückte. Da legte mir mein Sohn den Arm um die Schulter und tröstete mich, als seien wir beide noch in einem Alter, in dem einen Erwachsene übel übers Ohr hauen können. Also etwa zehn Jahre alt.

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