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25 Jahre Mauerfall : Wäre Biermann doch Präsident geworden

25 Jahre Mauerfall : Die Welt feiert mit den Deutschen

Wie die Auslöschung der Geschichte aussieht, offenbart sich bei jedem Spaziergang durch eine ostdeutsche Ortschaft, und besonders anschaulich wird es im Osten Berlins. Niemand will die Herrschaft der Monarchen, der Aristokraten oder des Klerus wiederhaben. Aber die Schlösser und die Kathedralen erhalten und pflegen wir aus gutem Grund: Weil sie davon zeugen, woher wir kommen. Und was wir überwunden haben. Dass es den Sozialismus gab; und dass die Bürger der DDR ihn überwunden haben: Das hätte der Palast der Republik bezeugen können, das könnte man sich sehr viel besser vorstellen, wenn nicht fast alles, was die DDR einst baute, inzwischen verschwunden wäre. Dass es, rund um den Alexanderplatz und die ehemalige Stalinallee, doch noch ein paar Bauten gibt, die, einerseits, von den Glücksversprechen des Sozialismus künden und, andererseits, davon, dass diese Versprechen niemals eingehalten wurden: Das liegt nicht am Geschichtsbewusstsein der heutigen Obrigkeit. Es liegt nur daran, dass kein Geld da ist, die ganze sozialistische Moderne abzureißen und den pompösen Neogründerzeitstil der Berliner Republik an deren Stelle zu setzen. Und die Plattenbauten der östlichen Peripherien sind ihren westlichen Pendants zu ähnlich, als dass man ihnen ihre sozialistische Vergangenheit ansehen könnte. Bald wird der ganze deutsche Osten so aussehen, als hätte es niemals ein Phänomen namens DDR gegeben.

Dauernd hat der Westen dazwischengequatscht

Dass dieses andere, das östliche Deutschland so schnell verschwunden ist, lag natürlich daran, dass es das westliche Deutschland immer gab (dass es recht eigentlich drei deutsche Staaten gegeben habe, die Bundesrepublik, die DDR und Österreich, das wusste zuletzt nur noch Bruno Kreisky, der aber 1990 starb). Wenn die Tschechen oder Polen die Nase voll vom Sozialismus hatten, blieb ihnen nur die Wahl, ins Exil zu gehen. Den Deutschen aus der DDR stand aber eine andere Möglichkeit, Deutsche zu sein, immer vor Augen. Und wenn Westfernsehen und Deutsche Mark das Ende des Sozialismus nicht ausgelöst haben, dann haben sie zumindest den Sog, der die Mauer schließlich überwand, beschleunigt und verstärkt.

Als die Obrigkeit aber gestürzt war, waren die Polen immer noch in Polen, die Tschechen und Slowaken in der Tschechoslowakei; es blieb ihnen nichts übrig, als sich miteinander und mit dem, was der Sozialismus ihnen angetan hatte, auseinanderzusetzen. Und zum Zeichen, dass der Umsturz vollzogen war, wählten sie die Helden des Widerstands, Lech Wałęsa und Václav Havel, an die Spitze ihrer Staaten.

Die Option, Wolf Biermann zum Präsidenten der DDR zu wählen, gab es aber nicht. Die DDR gab es nicht mehr, die ehemalige DDR wählte Helmut Kohl, der blühende Landschaften versprach. Und der, bald nach der Einheit, sagte, dass er nicht wisse, ob er sich, hätte er in der DDR leben müssen, nicht auch den Verhältnissen angepasst hätte. Die Aussage war ehrlich, richtig, mehrheitsfähig. Aber hilfreich war sie nicht. Wenn sich anzupassen die Norm war, dann waren die, die Widerstand geleistet und Gefängnis, Ausbürgerung, Folter riskiert hatten, nur die Außenseiter. Oder eben die Spinner, die viele der Dissidenten ja tatsächlich geworden sind, weil man an diesem Gang der Geschichte nur verrückt werden kann.

Eine Gesellschaft ist keine Selbsterfahrungsgruppe - und der Umstand, dass damals keine Zeit war, zu klären, wer was war in der DDR, wer was getan und unterlassen hat und wie das zu bewerten wäre, wirft weniger psychologische Probleme auf. Es sind eher moralische Fragen, auf welche man, aus den von Helmut Kohl benannten Gründen, eben keine Antworten aus dem Westen hören mag. Aber das Selbstgespräch des Ostens, diese Klärung der Verhältnisse, ist damals abgebrochen. Erst war der Jubel über die Einheit zu laut, dann kam die Klage über deren Folgen für den Osten. Und dauernd hat der Westen dazwischengequatscht.

Deshalb ist das Gespräch des Ostens mit dem Westen noch immer so schwierig, stockend, voller Missverständnisse.

Die DDR ist verschwunden. Wir, Ostler wie Westler, werden noch lange nicht fertig sein mit ihr.

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