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24. Europäischer Filmpreis : Von Triers „Melancholia“ gewinnt

  • Aktualisiert am

Sonderpreis für den französischen Schauspieler Michel Piccoli (Mitte). Seine Laudatoren sind Regisseur Volker Schlöndorff (rechts) und der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz (links). Bild: dpa

Lars von Triers Drama „Melancholia“ hat den Europäischen Filmpreis gewonnen. Die Briten Tilda Swinton und Colin Firth sind als beste Schauspieler geehrt worden.

          Lars von Triers Endzeitdrama „Melancholia“ ist der Gewinner des Europäischen Filmpreises. Neben dem begehrten Hauptpreis bekam der Film des skandalumwitterten dänischen Regisseurs auch die Trophäen für Kamera und Szenenbild.

          „Melancholia“ war mit acht Nominierungen der große Favorit. Der Film inszeniert das Ende der Welt als intimes Drama über zwei unterschiedliche Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen. Auch das britische Historiendrama „The King’s Speech“ von Regisseur Tom Hooper wurde am Samstagabend bei der Gala in Berlin mit drei Preisen geehrt.

          Der deutsche Regisseur Wim Wenders konnte sich über den Preis für die beste Dokumentation freuen. Er erhielt die Auszeichnung für seine 3D-Tanz-Hommage „Pina“. „Ich bin Pina Bausch sehr dankbar““, sagte der sichtlich bewegte Regisseur. Der Film sei ein großer Trost gewesen, sagte eine Tänzerin aus dem Ensemble der 2009 verstorbenen Wuppertaler Choreografin. Der deutsche Film war diesmal auf der Nominierungsliste nur schwach vertreten.

          Die Auszeichnungen für die besten Schauspieler gingen nach Großbritannien: Oscarpreisträgerin Tilda Swinton wurde für das Drama „We need to talk about Kevin“ geehrt. Darin spielt sie eine Mutter, die mit dem Amoklauf ihres Sohnes zurechtkommen muss. Oscarpreisträger Colin Firth wurde für seinen Part als stotternder König in „The King’s Speech“ ausgezeichnet. Der 51-Jährige war wie Swinton nicht angereist, ließ aber ausrichten: „Innerlich tanze ich gerade!“

          Von Trier schickt seine Ehefrau

          Von Trier erschien ebenfalls nicht persönlich, sondern schickte seine Ehefrau Bente Frøge. Sie habe gleich nach der Verleihung mit ihm telefoniert, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. „Er ist sehr glücklich.“ Ihr Mann werde allerdings keine Pressekonferenzen mehr absolvieren - da ist sich Frøge sicher. „Es ist eine Erleichterung für ihn.“ So könne er sich auf seine Arbeit konzentrieren. Dem Publikum sollte sie auf Wunsch ihres Mannes freundlich zuwinken. Von Trier hatte beim Filmfestival in Cannes mit missglückten Witzeleien über Hitler einen Eklat ausgelöst. In Berlin stellte Schauspielerin Nina Hoss „Melancholia“ als „Meisterwerk“ vor. Sie durfte am Ende als Filmpatin den Siegerumschlag öffnen.

          Auch die Produzentin und Schauspielerin Mariela Besuievsk wird ausgezeichnet Bilderstrecke

          Die Preisträger wurden von den 2500 Mitgliedern der Europäischen Filmakademie gekürt. Die Dänin Susanne Bier gewann mit ihrem oscarprämierten Drama „In einer besseren Welt“ die Trophäe für die beste Regie. Der 85 Jahre alte französische Schauspieler Michel Piccoli erhielt von der Akademie einen Sonderpreis. Der britische Regisseur Stephen Frears wurde für sein Lebenswerk geehrt, der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen für seinen Beitrag zum Weltkino. Durch den von Balkan-Beats untermalten Abend im Tempodrom führte Moderatorin Anke Engelke - gewohnt witzig und mit kosmopolitischem Charme. 2012 wird der Europäische Filmpreis auf Malta verliehen.

          Stars und Sternchen der europäischen Filmszene hatten sich am Samstagabend in Berlin getroffen: Bei einer Gala mit rund 1.000 Gästen im Tempodrom wurde der 24. Europäische Filmpreis in 17 Kategorien verliehen.

          Der Drehbuch-Preis ging an die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne („Der Junge mit dem Fahrrad“), in der Sparte beste Regie setzte sich die Oscar-Preisträgerin Susanne Bier („In einer besseren Welt“) durch. In dieser Kategorie war auch von Trier nominiert gewesen. Der Preis für den besten Kameramann ging an Manuel Alberto Claro für „Melancholia“. Europäischer Animationsfilm wurde „Chico & Rita“ von Tono Errando, Javier Mariscal und Fernando Trueba. Als beste europäische Koproduzentin wurde Mariela Besuievsky ausgezeichnet.

          Ein spontaner Sonderpreis ging an den französischen Schauspieler Michel Piccoli, den Bruno Ganz und Volker Schlöndorff „aus Liebe“ überreichten. Weitere Ehrungen sollten im Laufe des Abends verliehen werden. Über den roten Teppich schritten vor der Preisverleihung unter anderem die deutschen Schauspieler August Diehl, Nina Hoss, Alexander Fehling, Heike Makatsch, Alexandra Maria Lara, Ulrich Matthes, Moritz Bleibtreu und Jana Pallaske. Lara und Bleibtreu gaben sich als „große Lars-von-Trier-Fans“ zu erkennen. Lara sagte zudem, für deutsche Schauspieler gebe es immer mehr Gelegenheiten, in internationalen Produktionen mitzuspielen.

          Nominierter Wenders fühlte sich eher als „Gastgeber“

          Der Präsident der European Film Academy (EFA), Wim Wenders, der auch mit dem 3D-Tanzfilm „Pina“ in der Kategorie Dokumentarfilm antrat, sagte vor der Gala, es sei „ungewöhnlich“ für ihn, auch nominiert zu sein. Er fühle sich „mehr als Gastgeber“.

          Ebenfalls ins Rennen um den wichtigsten Preis für den besten Film gingen die diesjährigen Oscar-Gewinner „The King“s Speech“ (Bester Film) und „In einer besseren Welt“ (Bester fremdsprachiger Film) sowie „The Artist“, „Der Junge mit dem Fahrrad“ und „Le Havre“.

          Zwei Preisträger standen bereits im Vorfeld fest: Der britische Regisseur Stephen Frears („The Queen“) sollte für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden, der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen („Adams Äpfel“) für seinen Beitrag zum Weltkino.

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