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2016: Jahr der Toten : Promisterben

  • -Aktualisiert am

Durch Weihnachtsbäume umstürzende Katzen und darüber witzelnden Memetraffic ist das Abendland schon lange in Gefahr. Dabei sind die Cats in Wahrheit vollkommen unschuldig. Bild: 20141224

Warum sind 2016 so viele Celebrities gestorben? Wird es bald noch schlimmer kommen? Exklusiv, nur hier und nur für Sie: die einzig wahre Erklärung für das irre Promisterben dieses Jahr.

          Vielleicht war 2016 doch ein normales Jahr: „Es sterben übrigens gar nicht mehr Prominente als sonst, es sterben nur mehr Prominente, die ihr kennt. Weil ihr ALT werdet, ha!“, twitterte Satiriker Leo Fischer vor ein paar Monaten - und hatte damit recht. Denn kaum weiß die Mafia der Mittelalten, in welche Körperöffnungen sie ihre Hashtag-Kabel stecken soll, überflutet sie die Medienwelt auch schon mit ständigen Schreimeldungen zu gestorbenen Stars, als wäre der Tod die Ausnahme, und nennt die Generation ihrer Kinder und Enkel aufmerksamkeitsdefizitär und bildschirmverblödet.

          Klar, dass dieses Phänomen selbstreferentielle Schleifen bildet und wiederum Berichterstattung auf sich zieht: „Why so many celebrities have died in 2016“, titelte die BBC online schon im April. „We are only four months in, but it’s already been a dark, dark 2016.“ Die vielen Tode erklärte sie nicht etwa mit Schimmel im Mehl oder Acid im Harn, sondern mit ebenjenem „baby-boom factor“ - die Babyboomer werden alt, die Babyboomer sterben bald - und der Inflation an „celebrities“ im Postfordismus, die sich unaufhörlich reproduziert.

          Kleine Winker des Universums

          Unaufhörlich wie das Sterben selbst: „Will this carry on? The bad news? Yes, probably.“ Doch Trost und Erlösung sind schon in Sicht. Leonard Cohen, David Bowie, Umberto Eco, Leonard Nimoy alias Mr. Spock - schauen Sie sich Fotos dieser Toten an! Eines verbindet sie: Katzen. Sie bilden das eigentliche Zentrum jener Bilder. Ohne sie entstünde eine Leerstelle, die alles in sich hineinreißt. Das Streben nach Glück (siehe: felix) führt notwendig über die Felidae, Katzen, das existentielle Schibboleth des Sinnes selbst. Es macht jede Trauer obsolet.

          „The cat is the medium“, sagte schon Heidegger: Der Katalog ist unvorhersehbar. Genauso wie etwa die krasse Catto-Faust von Muhammad „The Cat“ Ali, eine nach Art Muhammad Alis kämpfende Katze auf Youtube. Schrödingers und Schmidts Katze spielen derweil zusammen „Todestrieb“ auf mit Spritzen verseuchten Hunde- und Kinderspielplätzen: Das Paradies sieht selbst so noch süß aus. Le chat, c’est moi. Wie ein kleiner Winker des Universums ruft die cat einem zu: Gib mir was zu fressen, streichle meinen Bauch, fürchte dich nicht vor den Krallen.

          Katzen sind die besseren Menschen und werden sie eines Tages vermutlich ersetzen: „Men are temporary / Cats are forever“. Bis es so weit ist, schauen wir doch etwas Youtube. Zum Winter empfehle ich „Cat Curling“.

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