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200 Jahre Städel : Zum Geburtstag gibt’s Geschenke

  • -Aktualisiert am

Ergänzt die „alten Italiener“ bestens: Eine „Himmelfahrt Mariens“ von Guido Reni, um 1586/97 in Öl auf Kupfer gemalt Bild: Museum

Frankfurts bedeutendstes Museum feiert zweihundertjähriges Jubiläum: Es gibt Feste für die Bürger - und auch über zwei eindrucksvolle Neuerwerbungen kann man sich freuen.

          Auf zweihundert Jahre kann das Städel in Frankfurt zurückblicken, es sind nur noch ein paar Wochen bis dahin. Das gibt Anlass für einige Festivitäten und noch mehr Präsente, die das Museum den Einwohnern seiner Stadt macht, in deren Mitte es wirklich steht - wie ein Fels mit Anbauten in der Brandung.

          Und geboren ist das Haus ja auch aus Bürgersinn par excellence, dem des Johann Friedrich Städel nämlich, der von 1728 bis 1816 in seiner Heimatstadt gelebt hat. Sein Vater betrieb einen Spezereienhandel in Frankfurt. Bis er sechsundfünfzig Jahre alt war, blieb Städel im elterlichen Haus, ehe er seinen eigenen Laden am Rossmarkt aufmachte, mit Kaffee, Farben und Stangenblei. Sein Unternehmen ging zunehmend in „Geldhandel“ über, zum Beispiel in Kreditgeschäfte mit der Stadt Frankfurt und dem Bischof von Straßburg. Das machte ihn reich - und es ermöglichte ihm, seiner Freude an der Kunst zu frönen. An die fünfhundert Gemälde von flämischen, holländischen und deutschen Künstlern des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts besaß er schließlich, außerdem rund 4600 Zeichnungen und knapp zehntausend Graphiken und Bücher.

          Perfekte Ergänzungen

          Städel hat nie geheiratet und hatte auch keine Kinder. Hätte man ihn seinerzeit, und noch ein wenig darüber hinaus, vielleicht einen Hagestolz genannt, so bewies er allerdings einen äußerst liebenswürdigen Gemeinsinn: Kurz vor seinem Tod setzte er ein Testament auf, in dem er sein gesamtes Vermögen in Höhe von 1,3 Millionen Gulden samt seinem Kunstbesitz in seine Stiftung „Städelsches Kunstinstitut“ überführte. Deshalb wird in diesem Jahr die Vita des Johann Friedrich Städel und die schöne Story seiner Wohltat bestimmt ins Gedächtnis aller Besucher des Museums einziehen. Denn am 15. März ist es genau zweihundert Jahre her, dass er sein endgültiges Testament unterzeichnete mit der Widmung, seine Stiftung möge die Frankfurter Bürgerschaft „zieren und ihr nützlich werden“. An diesem Tag (es ist ein Sonntag) wird es, so verkündete Max Hollein, der Direktor des Städels, gestern in einer Vorschau auf die Ereignisse des Jubiläumsjahrs, ein echtes Bürgerfest geben.

          Aber auch Geburtstagsgaben für das Städel konnte Hollein schon vorzeigen, genauer: Der Städelsche Museums-Verein hat zwei bedeutende Werke erworben und sie dem Haus, dem er sich mit seinem, dem Stifter würdigen Engagement unter dem Vorsitz von Sylvia von Metzler widmet, als Geschenke übereignet. Es sind dies eine Kupfertafel von Guido Reni und eine reife Zeichnung von Edgar Degas. Über die schwelgerische „Himmelfahrt Mariens“ des italienischen Barockmalers kann sich die Altmeister-Abteilung des Hauses als perfekte Ergänzung freuen, zumal angesichts der Provenienz des Gemäldes: Es kam 1811 in die Sammlung von Eugène de Beauharnais, dem Vizekönig Napoleons und späteren Herzog von Leuchtenberg. Ebendiese Sammlung katalogisierte 1851 Johann David Passavant, von 1840 bis 1861 der Inspektor des Städelschen Kunstinstituts, und er stach ihre Werke auch in Kupfer. Wer Renis „Himmelfahrt“ im Kunstmarkt gesehen hat, kann zudem einschätzen, wie großzügig die Spenden sind, die der Verein dafür gesammelt hat.

          Auch Degas’ verdichtete Aktstudie gehört zu den Objekten des Begehrens auf der internationalen Bühne, über die ein Museum glücklich sein darf. Das große Blatt verdankt sich der Einzelspende einer dem Haus eng verbundenen Mäzenin. Den aparten Auftakt zum Festjahr bildet eine Schau in der Graphischen Sammlung, mit Zeichnungen und Radierungen von Jean-Jacques de Boissieu, einem Zeitgenossen Johann Friedrich Städels. Der sammelte ihn, und bis heute gehören die Arbeiten de Boissieus zum Kernbestand im Museum.

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