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Auktionsmarkt : Künstlerinnen und das kleine Geld

Eine Auktion-Statistik ermittelt jetzt die erzielten Gebote von Kunst nach Geschlechtern. Die Kunst von Frauen erlangt weitaus weniger Gewinn. Deshalb der Aufruf: Frauen, kauft Frauen!

          Es darf doch immer mal wieder gestaunt werden. Gerade hat der Internet-Informationsdienst Artprice unter dem einigermaßen euphemistischen Titel „Künstlerinnen und das Große Geld“ eine Berechnung vorgelegt, die wahrhaft halsbrecherisch ist. Es geht in dieser Statistik um die weltweit erzielten Ergebnisse in Kunstauktionen, sortiert nach Geschlechtern (noch immer gemeinhin Frauen und Männer) – und alles ist noch schlimmer als ohnehin zu ahnen war.

          Da hält zum Beispiel, und das auch erst seit Anfang 2013, ein hübsches Gemälde der Impressionistin Berthe Morisot den globalen weiblichen Auktionsrekord – mit niedlichen 9,7Millionen Dollar. Während ihre Impressionisten-Kollegen Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir mehr als siebzig Millionen Dollar erlösen können (zugegeben für Spitzenwerke und zuletzt 2008 und auch in einem leicht unausgewogenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage).

          Die Gegenwart macht da nichts besser, im Gegenteil. Dort verzeichnet die umwerfende Bildhauerin Louise Bourgeois für eine ihrer bronzenen Riesen-Spinnen 9,6Millionen Dollar. Wie zierlich ist das denn? Etwa gegenüber einem wandfüllenden Dreiteiler des englischen Markt-Matadors Francis Bacon mit (mal ehrlich, arg derangierten) Studien seines Malerfreunds Lucian Freud, der für 127Millionen Dollar wegging.

          Frauen, kauft Frauen!

          Doch wer nun auf die noch lebendigen Zeitgenossen und -genossinnen im Auktionsmarkt setzt, wird endgültig desillusioniert. Hier führt in der aktuellen Frauenpreistabelle die schräge Japanerin Yayoi Kusama mit 5,1Millionen Dollar (ja, das ist die Frau mit ihrem unüberwindlichen Hang zu polka dots, deren Punkte auch vor Louis-Vuitton-Taschen nicht haltmachten, was vielleicht für ihren Erfolg nicht ganz unerheblich ist). Was heißt hier Erfolg, gemessen am notorischen Jeff Koons, dessen überdimensionaler orangefarbener „Balloon Dog“ glatt 47Millionen mehr kostete, nämlich im vergangenen Jahr kesse 52Millionen Dollar.

          Unterm Strich, so behauptet es die Artprice-Statistik, haben bis heute grade mal sechzehn lebende Künstlerinnen in internationalen Auktionen die Grenze von einer müden Million Dollar überschritten. Ihnen stehen 195 lebende Künstler gegenüber. Da kann etwas nicht stimmen. Begründungsversuche werden nicht mitgeliefert, Analyse Fehlanzeige. Also, handeln statt meckern. Der Rat, doch lieber fünf Bourgeois statt einen Koons zu kaufen, zieht offenbar nicht.

          Da wäre noch die Quote, fünfzig Prozent Künstlerinnen in jeden Auktionskatalog (oder so). Was immer geht, ist Geschlechterkampf: Frauen, kauft Frauen! Bei den Autos entscheiden ja auch wir über Modell, Farbe und Ausstattung.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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