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Zum Hundertsten von Louis de Funès : Unvergängliches Hirnsausen

Autoritäten, an die er sich auf seinem Lebensweg halten konnte, musste sich der am 31.Juli 1914, mithin am Vorabend des Ersten Weltkriegs als Louis Germain David de Funès de Galarza geborene Migrantensohn selbst suchen. Sein Vater, ein Anwalt aus Spanien, durfte in Frankreich nicht praktizieren. Er zog daher ohne seine Familie weiter nach Venezuela, etablierte sich dort als Diamantenhändler, scheiterte und starb in der andalusischen Heimat.

Durch Zufall ins Theater

Der später so berühmte Sohn dagegen versuchte sich als Kürschner, ärgerte auf der Berufsschule den Lehrkörper und bewies bei seiner ersten eigenen Autoritätenwahl gleich besten Geschmack: Er wandte sich der Fotografie zu und ließ sich von Charlotte Elisabeth Germaine Saisset-Schneider, bekannt als Germaine Dulac, beibringen, wie man Kurzfilme dreht.

Diese Dame hat unter anderem den surrealistischen Film miterfunden und als Pionierin der Synthese aus mechanismusbewusst berechnenden Film- und spontanen Theatertugenden gewirkt – einer Synthese, die auf ganz andere Weise auch das Geschäft von de Funès werden sollte. Dulacs Film „Die Muschel und der Kleriker“ von 1927 folgt übrigens einem Drehbuch von Antonin Artaud, dessen drastisches Theaterverständnis durchaus als tragische Nachtseite der komödiantischen Übergeschnapptheiten gelesen werden kann, mit denen der Typus de Funès die Kamera notzüchtigte.

„Am liebsten spiele ich Tyrannen. Ich habe ein Faible für falsche Menschen, für Lügner und Denunzianten.“ - Louis de Funés Bilderstrecke

Dessen erster Ausflug ins Ästhetische war kurz. Nach der Foto- und Film-Schnupperlehre streifte er noch die Buchhalterei, das Industriezeichnen und das Schaufensterdekorationshandwerk, dann wurde er endlich Unterhaltungstagelöhner und spielte als Wehrdienstverschonter, der eben eine eigene Familie gegründet hatte, im deutsch besetzten Paris Jazzklavier. Ab 1941 ließ er sich außerdem die Schauspielerei beibringen, und Mitte der vierziger Jahre begegnete er schließlich einem Kollegen aus dem Schauspielkurs zufällig in der Métro. Der Mann bot ihm seine erste Theaterrolle an, eine wahre Feuertaufe, die auf den Stühlen eines kleinen Saals nicht mehr Leute versammelte als auf der Bühne (es klatschte hauptsächlich die Verwandtschaft des Ensembles).

Anmaßender Gauner, tückischer Wüterich

Dann kam das Kino. Durchs erste runde halbe hundert Filme fraß er sich freilich nicht als Star, auch wenn er dabei an der Seite der angesehensten Kollegen – von Fernandel bis Jean Gabin – arbeiten und dazulernen durfte. Vor genau einem halben Jahrhundert, im De-Funès-Wunderjahr 1964, hoben ihn dann drei Filme innerhalb von nur vier Monaten auf die Höhe des Ruhms, die er von da an halten konnte: Jean Giraults „Der Gendarm von Saint Tropez“, André Hunebelles „Fantomas“ und Gérard Ourys „Le Corniaud“, deutsch sowohl als „Scharfe Sachen für Monsieur“ wie „Louis, das Schlitzohr“ geläufig.

Dieser Durchbruch mit fünfzig war umso erstaunlicher, als zwei Flügel des Triumph-Triptychons ihn auch noch dabei zeigten, wie er etablierte Größen ausstach – den formidablen Charakterkopf Jean Marais in „Fantomas“ und den damals in Frankreich ungeheuer populären Komiker Bourvil (André Robert Raimbourg) in „Le Corniaud“. Ein ernster und ein komischer Star wie in „Fantomas“, das mochte als Kontrastquelle noch angehen – aber zwei lustige Männer in ein und demselben Film?

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