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FAZ.NET-Sprinter : Zum Abschied zweimal Servus

Unser Sprinter-Autor: Lorenz Hemicker Bild: Robert Wenkemann

Seehofer macht die Merkel. Deren Beliebtheitswerte wachsen seit ihrem angekündigten Rückzug indes kräftig. Was heute sonst noch wichtig wird, lesen Sie im FAZ.NET-Sprinter.

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          Und er bewegt sich doch! Horst Seehofer tritt als CSU-Vorsitzender zurück. Auf einem Sonderparteitag soll spätestens Anfang 2019 sein Nachfolger gewählt werden. Beides bestätigte Seehofer noch nicht persönlich. Aber die Zeiten, in denen Beratungsergebnisse der CSU-Spitze mit den Bezirksvorsitzenden zunächst in eben jener verblieben, sind vorbei. Aus Teilnehmerkreisen sickerten die Informationen umgehend durch. Seehofer bleibt diese Woche, seinen Schritt zu erklären. Wobei seiner Deutungshoheit enge Grenzen gesetzt sind. Nach dem historisch schlechten Ergebnis der CSU bei der Bayernwahl waren große Parteigliederungen zu ihm bereits auf Distanz gegangen. Die nächste Gelegenheit bietet sich Seehofer heute um kurz nach elf auf einer Pressekonferenz in Bautzen. Aussichtsreichster Kandidat auf seine Nachfolge ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der etwa zur gleichen Zeit heute der CSU-Fraktion sein neues Kabinett vorstellen wird. Am Nachmittag wird die erste schwarz-orange Koalition Deutschlands aus CSU und Freien Wählern in München vereidigt. Dass Seehofer sich ausgerechnet Angela Merkel bei seinem Abgang zum Vorbild nimmt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das Verhältnis der beiden Parteivorsitzenden war nie herzlich, und ist seit der Ankunft Hunderttausender Migranten 2015 in Deutschland endgültig aus dem Lot geraten. Sag zum Abschied zweimal Servus. Ganz wie die Kanzlerin.

          Angela Merkel scheint der angekündigte Rückzug gut zu tun. Von wegen lahme Ente. Seitdem klar ist, dass ihre Zeit als Parteivorsitzende im Dezember endet und sie das Kanzleramt spätestens 2021 verlassen wird, fliegen ihr wieder Herzen zu. Merkels Beliebtheitswerte sind sprunghaft gestiegen, laut den jüngsten Ergebnissen der Forschungsgruppe Wahlen rangiert sie nun wieder hinter Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble auf Rang zwei. Und auch bei ihren jüngsten Auftritten, sei es zum Gedenken an die Reichspogromnacht in Berlin oder beim Kongress der Europäischen Volkspartei (EVP) in Helsinki, wird Merkel gefeiert. Das sind gute Nachrichten, über die sich bis in die AfD hinein Politikerinnen freuen dürften. Der Einfluss von Frauen könne „dem ganzen Staatsleben ein weibisches, kraftloses Gepräge“ geben, warnte noch 1914 der Deutsche Bund gegen die Frauenemanzipation. 1917 erklärte der Verfassungsausschuss, dass die Frau „nicht in die Öffentlichkeit“ gehöre. Der Weltkrieg, die Abdankung des Kaisers und die Ausrufung der Republik sorgten für die Kehrtwende. Seit genau hundert Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen. Meine Kollegin Helene Bubrowski über diese bedeutende Wegmarke der Geschichte, der heute in Berlin mit einem Festakt gedacht wird.

          Über die Bedeutung des Weltkriegsendes wurde anlässlich der Feierlichkeiten am Wochenende in Frankreich politisch alles Wichtige gesagt. Zwei Bilder bleiben im Gedächtnis: Merkel und Macron, Wange an Wange – eine zeitgemäße Neuauflage des rückblickend noch recht steifen Händehaltens in Verdun von Mitterand und Kohl. Und die Ankunft von Russlands Präsident Putin, beobachtet von einer versteinerten Gesichtsfront des Westens – mit Ausnahme eines grinsenden amerikanischen Präsidenten. Dass in Deutschland seinerzeit kaum jemand etwas davon mitbekam, wie der Herzschlag des Krieges erstarb, spielte kaum eine Rolle. Dabei war die Zeit ab November 1918 für die meisten Menschen im Land deutlich turbulenter. Gefechte zwischen republikanischen und kommunistischen Gruppierungen, politische Umbrüche, Hunger und Wirtschaftskrise. Auch Journalisten waren davon betroffen. So besetzte ein Soldatenrat vor rund hundert Jahren auch die „Frankfurter Zeitung“. Die Kollegen von damals mussten auf jegliche Kommentierung verzichten, ließen sich aber von der Arbeit nicht abhalten und versorgten ihre Leser mit einem reinen Nachrichtenblatt. Wie sich die Geschichte in ihren Augen weiterentwickelt hat, können Sie auf FAZ.NET mitverfolgen. Lassen Sie sich von unserem historischen Liveblog überraschen!

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