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FAZ.NET-Sprinter : Schlimmer als Elfmeterschießen

Heute Abend treffen ZSKA Moskau und FC Arsenal in der Europa-League aufeinander. Im Training hält Torwart Akinfeev den Ball – auf dem politischen Spielfeld steckt Russland ein. Bild: EPA

Während Moskau gerade einen Konter gegen Großbritannien spielt, lässt Trump Raum für Interpretationen – und schafft Fakten an der Grenze. Der FAZ.NET-Sprinter.

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          Wäre Politik Fußball, könnte Wladimir Putin mit seinen Apparatschiks bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land auflaufen. Moskau spielt im Fall des vergifteten Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter gerade einen klassischen Konter gegen Großbritannien. Dass die britische Regierung in ihn hineingelaufen ist, hängt nicht an den britischen Laboren, die die Herkunft des beim Anschlag von Salisbury verwendeten Nervengifts nicht bestimmen können. Das war schon vorher klar. Großbritanniens Außenminister Boris Johnson und die britische Botschaft in Moskau aber haben nach der Tat den Eindruck erweckt, als ob auf das gefundene Nowitschok nach den Tests zweifelsfrei das Siegel „Made in Russia“ geklebt werden könnte. „Desinformation“, schreien nun die Desinformanten aus dem Kreml. Moskaus UN-Botschafter hat für diesen Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates beantragt. Dass Russland schon zum Eigenschutz über kleine Mengen des Gifts verfügen müsste und diese offenbar partout nicht zur Verfügung stellen will, geht nun erst einmal unter. Die Briten wiederum müssen sich fragen lassen, ob sie nicht ebenfalls schon aus defensiven Gründe über Nowitschok verfügen. Am Ende könnte der gesamte Fall für London zur denkwürdigen Schlappe werden. Auch ohne Elfmeterschießen.

          Für Donald Trump sind bittere Niederlagen bislang nicht absehbar. Das Amt hat Amerikas Präsident auch nach 14 Monaten nicht zu seinem Besseren verändert. Trump bleibt ein Narzisst und Nationalist, dessen Entscheidungen sich eher aus seinen Instinkten, denn aus sorgfältigem Nachdenken speisen. Berechenbar ist dabei eigentlich nur eines: Seine Unberechenbarkeit. Mit seiner Ankündigung, das amerikanische Militär aus Syrien abzuziehen, hatte er vergangene Woche den Nahen Osten erschüttert. Nun erklärte das Weiße Haus am Donnerstag, man bleibe dem Ziel verpflichtet, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu eliminieren. Auslöschen also. Der Einsatz gehe erst einmal weiter. Das schafft wieder Raum für Interpretation. Schließlich wartet der IS nur darauf, in Hohlräume zu stoßen, die sich in Syrien öffnen. Wie Iran, Russland und die Türkei am Donnerstag darauf reagieren werden? In Ankara versuchten die drei Seiten am Mittwoch, in Syrien auf einen Nenner zu kommen. Unser Türkei-Korrespondent Michael Martens hat aufgeschrieben, wie sie kooperieren wollen. Auch wenn sie nun ihre Rechnung noch einmal prüfen dürften.

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          Erinnern Sie sich noch an Trumps Staatsbesuch in China, im November vergangenen Jahres? Da sprachen Amerikas Präsident und Chinas Staatspräsident Xi Jinping noch von einem Neuanfang der gegenseitigen Beziehungen. Klar, Trump kritisierte das Handelsdefizit zu Lasten seines Landes. Aber sonst? Da wurden Verträge und Absichtserklärungen im Wert von 250 Milliarden Dollar unterzeichnet. Solche Beträge wurden selbst in der Deutschen Bank wohl nie für „Peanuts“ gehalten. Das alles ist aber nur noch so maßgeblich wie ein drei Tage alter Glückskeks. Inzwischen überbieten Washington und Peking einander mit Drohungen, deftige Strafzölle auf Stahl, Flugzeuge, Sojabohnen und vieles mehr zu verhängen. Bis dahin können noch mehrere Monate verstreichen. Am Ende aber könnte ein Handelskrieg stehen, schreibt F.A.Z.-Wirtschaftsherausgeber Holger Steltzner in seinem Leitartikel, den Peking nicht gewinnen kann. Und wohl auch einer, der die Amerikaner schwer treffen würde.

          Und sonst: Besucht Bundesaußenminister Heiko Maas heute in Jordanien eines der weltweit größten Flüchtlingslager und zudem Bundeswehrsoldaten im Anti-IS-Einsatz. Gehen in Rom die Gespräche über eine Regierungsbildung weiter. Außerdem findet in Berlin die Hauptversammlung der Daimler AG statt – zuvor werden Proteste kritischer Aktionäre erwartet, unter anderem wegen des Abgasskandals. Dem Waffenbauer Heckler&Koch droht Ungemach vor Gericht. Es geht um Waffenexporte und die Entlassung des früheren Vorstandschefs.

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          Die Finanzierung für eine Mauer zu Mexiko konnte er bislang nicht durchsetzen, nun schickt Präsident Donald Trump die Nationalgarde an die südliche Grenze der Vereinigten Staaten, um das Land vor illegalen Einwandern und Drogen zu schützen.

          Die amerikanische Regierung will bis Freitag Sanktionen gegen mindestens ein halbes Dutzend russischer Oligarchen verhängen. Auch Sonderermittler Robert Mueller ist auf der Jagd nach Geschäftsfreunden von Russlands Präsident Putin.

          Unterdessen setzt Saudi-Arabien weitere Zeichen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung: Im April eröffnet eine amerikanische Kette in Riad das erste Filmhaus nach 35 Jahren Kinoverbot.

          Lorenz Hemicker
          (lohe.), Politik

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          EU-Parlamentspräsident David Sassoli, Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen und Portugals Premier Antonio Costa in Porto.

          Impfstoff-Debatte : EU-Staaten sehen Bidens Patent-Vorstoß mit Skepsis

          Bei einem Treffen in Porto sollen mehrere Staats- und Regierungschefs gemutmaßt haben, dass Washington mit dem Freigabe-Vorschlag vor allem vom dürftigen Impfstoff-Export der USA ablenken wolle. Auch die Bundeskanzlerin soll sich entschieden gegen die Aussetzung der Patente gewandt haben.

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