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FAZ.NET-Sprinter : Krieg, Tumulte und ein wenig Witz

Unser Sprinter-Autor: Sebastian Eder Bild: Robert Wenkemann

In Italien wurden Roma-Familien fremdenfeindlich attackiert. Hierzulande kämpft ein Deutsch-Israeli mit demselben Problem – und wird bisweilen selbst als „Nazi“ verunglimpft. In Libyen rüsten sich die Einwohner für den Kriegsfall. Was sonst noch wichtig wird, lesen Sie im FAZ.NET-Sprinter.

          In der Hauptstadt von Libyen könnte es in dieser Woche sehr ernst werden. „Die Einwohner von Tripolis wappnen sich für neue Kriegstage“, berichtet F.A.Z.-Korrespondent Christoph Erhardt. „Vor den Tankstellen bildeten sich am Wochenende lange Schlangen, weil sich die Leute Benzinvorräte anlegten. Viele horten Lebensmittel, versuchten noch schnell libysche Dinar in harte amerikanische Dollar umzutauschen. Es wurde sogar berichtet, dass Zivilisten wieder ihre Waffen aus den Verstecken holten. Für den Fall der Fälle.“ Hintergrund ist, dass General Chalifa Haftar auf die Hauptstadt zumarschiert, wo die Truppen der „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ warten, um Tripolis mit „Stärke und Macht“ zu verteidigen. Warum dem Land „ein langer Abnutzungskampf“ bevorstehen könnte und wieso der General nicht das grundlegende Problem in Libyen ist, können Sie in seinem Kommentar nachlesen. Über die aktuelle Lage in Libyen berichten wir heute auf FAZ.NET.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          In Europa herrscht zum Glück Frieden, wüste Szenen lassen sich trotzdem beobachten. In Torre Maura, einem Wohnquartier im Osten Roms zum Beispiel. Dort sollten vergangene Woche zwanzig Roma-Familien in einem stillgelegten staatlichen Physiotherapiezentrum untergebracht werden – bei der Ankunft wurden sie von Rechtsradikalen als „Affen“, „Bastarde“ und „Räuberbande“ beschimpft. Müllcontainer und Autos gingen in Flammen auf, die Feuerwehr konnte nur unter Polizeischutz löschen. Unser Korrespondent Matthias Rüb hat sich die Lage vor Ort nach den Ausschreitungen angesehen. Die betroffenen Roma konnte er nicht mehr treffen, sie wurden auf andere Sammelunterkünfte verteilt – obwohl die Bürgermeisterin vorher noch gesagt hatte: „Wir dürfen vor dem Rassenhass nicht zurückweichen.“ Verabschiedet wurden die Familien von Rechtsradikalen, die die Nationalhymne sangen und den rechten Arm zum Faschistengruß in die Höhe reckten. Und Innenminister Salvini? Nahm die Vorfälle zum Anlass, um Vorurteile über Roma zu verbreiten.

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          Erfahrungen mit Rechtsradikalen hat auch Shahak Shapira gemacht, schon als Jugendlicher musste er vor ihnen wegrennen. In seiner Familie haben die meisten den Holocaust nicht überlebt. Heute muss sich der Deutsch-Israeli auf Twitter nicht nur von Nazis, sondern auch als „Nazi“ beschimpfen lassen. Zum Beispiel wenn er infrage stellt, ob Kampagnen bei Change.org hilfreich im Kampf gegen Rassismus sind – oder wenn er schreibt, dass er die Debatte um den Witz über den Namen Kramp-Karrenbauer für schwachsinnig hält. Die Tugendwächter werden bestimmt auch am Dienstag wachen, wenn Shapiras neue Comedyshow auf ZDFneo anläuft. Meine Kollegin Leonie Feuerbach hat ihn vorher in Berlin getroffen – und mit ihm auch noch mal über Namenswitze gesprochen: „Darüber zu diskutieren: Das ist für mich jenseits der Grenze“, sagte Shapira. Wenn man keine Witze über Namen mehr machen könne, worüber denn dann? Auch ich als „Meister Eder“ würde sagen: Ächtet man Namenswitze in der Öffentlichkeit, hat sich die Twitter-Empörungskultur soweit von der Realität jedes normalen Gesprächs entkoppelt, dass sie niemand mehr ernst nehmen kann – was schade für jeden Fall ist, in dem die Aufregung gerechtfertigt ist. Zum Beispiel, wenn in Rom Rechtsextreme brennende Barrikaden errichten – und die Bürgermeisterin vor ihnen einknickt. Davon war auf Twitter relativ wenig zu lesen.

          Und sonst: Wird in Bremen ein Urteil im Prozess gegen drei Angeklagte wegen Totschlags eines 15-Jährigen in der Silvesternacht 2016/2017 erwartet. Findet in Frankfurt die Jahres-Pressekonferenz des Hauptzollamtes statt – bei der oft auch skurrile Funde präsentiert werden. Und sollen im Oberhaus in London die Beratungen über einen Gesetzentwurf fortgesetzt werden, der dem Parlament das Recht gäbe, über die Länge des beantragten Fristaufschubs für den Brexit zu entscheiden.

          Die Nacht in Kürze

          Der nächste Abgang aus Trumps Regierungsmannschaft: Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen räumt ihren Posten. Sie war unter anderem für die Grenzpolitik zuständig – doch ihre Linie war dem Präsidenten offenbar nicht hart genug.

          Das Weiße Haus verweigert die Herausgabe von  Trumps Steuererklärungen. Die Forderung der Demokraten sei „politische motiviert“. Diese kontern, dass Trumps Vorgänger ihre Daten freiwillig veröffentlicht hätten.

          Der „größte Gewinner“ des Brexit-Chaos sei China, warnt EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger. Europa sei gelähmt, während die Volksrepublik ihre Strategie unbeirrt voranbringe. Zugleich widerspricht Chinas Ministerpräsident Vorwürfen, die EU durch intensive Kooperation mit osteuropäischen Ländern spalten zu wollen.

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