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FAZ.NET-Sprinter : Keine Ausreden mehr!

Scheut nicht die Nähe von Neonazis: Björn Höcke beim Trauermarsch für den ermordeten Deutsch-Kubaner Daniel H. am 1. September im Chemnitz. Im Vorfeld hatten sich rassistische Übergriffe geeignet. Bild: Mai, Jana

In Chemnitz ist das Schlimmste ausgeblieben, Entwarnung aber gibt es nicht: Die politische Atmosphäre ist vergiftet, Zeit also wieder für Rock-gegen-Rechts-Konzerte.

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          Ist alles gut, weil das Wochenende in Chemnitz ruhiger verlaufen ist als befürchtet? Ja: Sie können beruhigt in die Woche starten, in Deutschland, auch in Sachsen, ist der Notstand ausgeblieben. Nein: Die Atmosphäre im politischen Deutschland ist zunehmend vergiftet. Politiker und Ehrenamtliche werden beschimpft, Reporter auf öffentlichen Plätzen in Chemnitz angegriffen. On- und offline pöbeln viele unter Klarnamen, Fake News lassen sich leichter verbreiten als wieder einfangen, und AfD-Lokalpolitiker im Hochtaunuskreis bei Frankfurt wollen am liebsten Redaktionen stürmen und die „Mitarbeiter auf die Straße zerren“. Das ist mehr als eine Entgleisung, sie passt ins Bild: Die AfD suchte in Chemnitz den Schulterschluss mit Rechtsextremen und wird sich deshalb künftig in einem Atemzug mit ihnen nennen lassen müssen. Keine Ausreden mehr! Vorbei die bürgerlichen Zeiten für die Partei, wenn sie denn je bürgerlich war. Die CDU geht weiter auf Distanz, die Debatte über eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz nimmt Fahrt auf. 

          Polarisierte und wieder politisierte Zeiten, das macht vor Musik nicht Halt. Während Tim Bendzko nicht wirklich „Nur noch kurz die Welt retten“ wollte, schaffen „Kraftklub“ und „Die Toten Hosen“ heute in Chemnitz Fakten. Das Gratis-Konzert unter dem Motto „Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze“ findet mitten in der Innenstadt statt, mit dabei auch die umstrittene Band „Feine Sahne Fischfilet“. Ein Comeback für Rock-gegen-Rechts-Konzerte, die es, ausgehend von England, immer mal wieder seit rund 40 Jahren gibt. In Deutschland etwa das „Arsch huh“-Konzert in Köln 1992, kurz nachdem Rechtsextreme in Rostock-Lichtenhagen Jagd auf Ausländer gemacht hatten. Philipp Krohn führt Sie hier kundig durch ein Stück Musikgeschichte.

          In Kerpen in NRW, im Hambacher Forst, stehen sich schon lange Braunkohleabbaugegner und RWE gegenüber. Der Konzern will bald den Forst roden, im Wald campieren immer mehr teilweise gewaltbereite Aktivisten, die Polizei ist alarmiert und rechnet mit einer baldigen Eskalation der Situation. Friedlicher mögen es hingegen die Gegner des Plastiks, noch zumindest, denn die vielfach verwendeten Kunststoffe sind nicht mehr aus den Haushalten wegzudenken und damit leider auch nicht mehr aus den Weltmeeren. Jessica Sadeler und Martin Franke nehmen den Alleskönner mit Nebenwirkungen in einer Themenserie unter die Lupe und wagen den Selbstversuch: Kann man ohne Plastik leben? Schauen Sie bei Gelegenheit mal vorbei: www.faz.net/plastik.

          Und sonst: Trifft sich der Grünen-Bundesvorstand zur Klausurtagung. Eröffnet Außenminister Heiko Maas die Tschadsee-Konferenz in Berlin. Soll das Urteil im Kandel-Prozess fallen. Wird der diesjährige Frank-Schirrmacher-Preis an den Schriftsteller Daniel Kehlmann verliehen. Besucht der umstrittene philippinische Präsident Rodrigo Duterte Israel.

          Die Nacht in Kürze

          Der Bundestagsvizepräsident Oppermann fordert, das „Zusammenwirken von AfD und Neonazis“ genau zu beobachten. Die „Hetzjagd von Chemnitz“ markiere einen Wendepunkt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günter dagegen fürchtet, dass die AfD durch Überwachung in eine Märtyrerrolle gedrängt werden könne.

          Dürre und Stürme haben in diesem Jahr bis zu zwei Milliarden Waldschäden verursacht. Der Forstwirtschaftsrat fordert nun von der Bundesregierung, „mit Personal und Finanzmitteln“ zu helfen.

          Bundesgesundheitsminister Spahn ist für die Widerspruchslösung bei Organspenden: Dies stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar, doch nur so könne die Organspende zum Normalfall werden.

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