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FAZ.NET-Sprinter : Grün, grün, grün

Unser Sprinter-Autor: Lorenz Hemicker Bild: Robert Wenkemann

Auch ohne Daenerys von Bayern bleibt Hessen keine Wahl. Die EU hat ihre schon getroffen. Was der Tag bringt, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Schauen Sie gerne Serien? Kaum eine hat so viele Anhänger wie „Game of Thrones“. Das Fantasy-Mittelaltermärchen mit viel Blut und nackter Haut. Mit ihrem Auftritt nach dem Schluss der Wahllokale am vergangenen Sonntag wäre für Katharina Schulze darin Platz. Als Daenerys von Bayern. Mit so viel Leidenschaft dankte die grüne Spitzenkandidatin kurz nach Schließung der Wahllokale ihren Anhängern, dass man fast schon bange blickend in den Himmel schauen wollte. Wo sind die Drachen? Doch vermutlich hätte Schulze das Herz von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch mit den Feuerspeiern nicht erwärmen können. Nicht die Grünen, sondern die Freien Wähler sollen es werden. Die Koalitionsverhandlungen starten heute um 10 Uhr in München. Erfolgswahrscheinlichkeit: sehr hoch. Umsonst dürfte ihr Auftritt dennoch nicht gewesen sein. Auch in Hessen wurde ihre Rede durchaus registriert. Auch hier liegen die Grünen zehn Tage vor der Landtagswahl gut im Rennen. Erstaunlich gut, zumindest in den jüngsten Umfragen. Für eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition würde es nicht mehr reichen. Aber: Bei allen drei infrage kommenden Alternativen wären die hessischen Grünen als zweitstärkste Kraft mit 20 Prozent plus und ihrem Spitzenkandidaten Tarik Al-Wazir an der Spitze wohl beteiligt. Mehr noch: Al-Wazir könnte sogar Volker Bouffier beerben und als Ministerpräsident in die Wiesbadener Staatskanzlei einziehen, sollte die CDU an der künftigen Regierung nicht beteiligt sein. Warum seine Partei immer stärker wird, während die Volksparteien immer mehr an Boden verlieren? Weil die Grünen die „unpopulistischste aller Parteien“ sind, sagt er. Mehr dazu verrät er im Gespräch mit Philip Eppelsheim.

          Über Al-Wazirs Erfolgs-These lässt sich streiten. Fest steht, dass Parteien überall in Europa auch mit Populismus kräftig Stimmen sammeln. Ihre Anführer beklatschen und stützen sich dabei soweit sie können; selbst dann, wenn sie Nationalismus predigen. Dass führt zu so paradoxen Entwicklungen wie der öffentlichen Unterstützung einer Kandidatur des italienischen Innenministers als EU-Kommissionspräsident durch den AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen. Wohl gemerkt, es geht um denselben Salvini, der keinen einzigen Asylbewerber aus Deutschland zurücknehmen will. Ein Anliegen, dass den deutschen Rechtspopulisten ja nicht gerade unwichtig ist. Hinzu kommt auch noch, dass sich Salvinis Koalition aus Links- und Rechtspopulisten keinen Deut um die EU-Haushaltsregeln schert. Ein Verhalten, das auch deutsche Steuergelder ernsthaft gefährdet. Wie diese Zeitung gestern erfuhr, will die Europäische Kommission den italienischen Haushaltsplan nicht billigen. „Beispiellos“, hieß es in dem Schreiben, weiche er davon ab. Vielleicht aber denkt Salvini auch schon an die Europawahlen 2019. Sie werden Auskunft darüber geben, wie stark die EU-kritischen Kräfte inzwischen auf dem Kontinent sind. Und alles, was nach Streit aussieht, kann da von Nutzen sein. Ob eine paneuropäische Allianz der Nationalisten dabei nützlich sein kann? Nikolas Busse bezweifelt das. Ein Kommentar.

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          Was macht eigentlich Recep Tayyip Erdogan? Seit 100 Tagen steht er an der Spitze des neuen Präsidialsystems. Unter Journalisten galt diese Spanne einmal als Spanne, die man einem neuen Amtsinhaber und seiner Regierung gab, um sich einzuarbeiten. Erst danach folgten Bewertungen. Dieser Regel wird nicht nur immer seltener angewandt (was man bedauern kann), im Falle Erdogans stellt sich auch die Frage, ob sie überhaupt sinnvoll ist. Schließlich hält der türkische Über-Präsident die Macht im Land schon deutlich länger in Händen und hat sich sein Amt sozusagen selbst gezimmert. Ganz zu schweigen von seinen oftmals abschätzigen, provokanten und mitunter beleidigenden Äußerungen, mit denen er gerade in Deutschland viel Porzellan zerschmettert hat. Dass mit Mesut Özil auch ein deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln die Gemüter über Wochen erhitzte, als er sich das letzte Mal mit Erdogan fotografieren ließ, ist bekannt. Viel weniger bekannt ist, in wem hinter Özil viele Beobachter die treibende Kraft für sein Verhalten bis hin zu seinem über Twitter verkündeten Rücktritt aus der DFB-Elf sehen: Spielerberater Erkut Sögut. Der 38 Jahre alte Jurist hat sich nun an der Universität Düsseldorf darum bemüht, sein Image zu korrigieren. Bernd Schwickerath hat den Mann beobachtet, der sich gern mit der Fußballbranche anlegt.

          Und sonst: Sprechen 50 Staaten aus Europa und Asien auf dem EU-Korea-Gipfel über Handel, Anti-Terrorkampf und das nordkoreanische Atomprogramm. Benennen die europäischen Sozialdemokraten ihren Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Stellen die Verkehrsminister die Ergebnisse ihrer Herbsttagung vor. Veröffentlicht China seine jüngsten Quartalszahlen zum Wirtschaftswachstum.

          Die Nacht in Kürze

          Handelsstreit bremst China unerwartet stark: Die chinesische Wirtschaft ist im dritten Quartal nur 6,5 Prozent gewachsen und damit weniger als erwartet worden war. Seit der Finanzkrise lief die Konjunktur nie so schlecht.

          Trump will Saudi-Arabien noch Zeit geben: Der amerikanische Präsident will die Ermittlungen der Saudis abwarten, droht aber schon mit Konsequenzen. Laut einem Bericht könnte der saudischen Kronprinz einen General für den Tod Khashoggis verantwortlich machen.

          Vorwurf der Wählermanipulation gegen rechten Kandidaten in Brasilien:
          Vor der Stichwahl wirft der linke Kandidate Haddad seinem Konkurrenten eine Lügenkampagne vor. Hunderttausende falsche Botschaften seien über Whatsapp verschickt worden. Die Wahlbehörde und Facebook gehen dem nach.

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