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FAZ.NET-Sprinter : Endlich Aufklärung

Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff Bild: Robert Wenkemann

Werden die Fälle des Kindesmissbrauchs in der Katholischen Kirche beim Gipfeltreffen im Vatikan heute aufgearbeitet? Aufklärung soll es zumindest im Bundestag zur Reform des Werbeverbots von Abtreibungen geben. Das Wichtigste am Morgen im FAZ.NET-Sprinter.

          Dass die Religionen wieder derart die Schlagzeilen bestimmen, hätte wohl noch in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kaum jemand für möglich gehalten. Damals rechneten Soziologen und andere kluge Leute eher mit dem Niedergang des Themas, Religionen galten als Auslaufmodell, ihre Rückkehr zu alter Größe eher unwahrscheinlich. Mit dem Aufkommen des fundamentalistischen Islams, evangelikaler Christen und allerlei Erweckungsbewegungen aber erfährt es ein ungeahntes Comeback, allerdings – wie sagt man so schön in diesen Tagen voller Framing-Debatten – meist negativ konnotiert. Die Katholische Kirche macht da unrühmlicherweise kaum Ausnahmen, selbst ihre jüngere Geschichte ist geprägt von Missbrauchsskandalen und Vertuschungsaktionen.

          Das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen, das hat sich Papst Franziskus vorgenommen, wenn er heute die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zum großen Gipfel in den Vatikan beordert. Das Treffen soll ein starkes Signal sein, dass der Papst den Kampf gegen Missbrauch von Kindern in kirchlichen Einrichtungen zu einem zentralen Thema seines Pontifikats macht. Längst geht es aber um mehr, das Thema Missbrauch von Ordensfrauen ist nicht länger ein Tabu, auch wenn es wieder einmal versäumt wurde, Frauen generell stärker in die Debatte einzubinden. Man darf dem Papst ruhig abnehmen, dass es ihm (erst recht im Vergleich zu manchem seiner Vorgänger) ernst mit der Sache ist. Wenn, ja wenn dieser „Missbrauchsgipfel“ mehr liefert als nur ein paar warme Worte und kollektive Trauertränen zum Bedauern von Einzelschicksalen. Das Problem ist nur, dass die Kirche in der Frage der Konsequenzen, gelinde gesagt, regional gespalten ist, wie Sie hier bei dem Kollegen Matthias Rüb nachlesen können.

          Der Bundestag befasst sich heute mit einem Thema, das die Kirche traditionell interessiert: Abtreibungen. Nach dem Streit über eine Reform des Werbeverbots (Paragraph 219a) steht der Koalititionskompromiss zur Abstimmung, der besagt, dass Ärzte zwar informieren dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen, darüberhinaus aber nicht weiter beraten (oder eben werben) sollen. Für den Fall sollen sie für weitergehende Informationen über die Methoden zum Beispiel an Behörden und Beratungsstellen verweisen. Ein klassischer Kompromiss, der die Schärfe aus der Debatte nehmen und die Gemüter etwas abkühlen helfen soll. Ob da die von Gesundheitsminister Spahn in Auftrag gegebene Studie zu seelischen Folgen von Abtreibung für Frauen ebenfalls deeskalierend wirkt?

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