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FAZ.NET-Sprinter : Ein Sturm zieht auf

Unser Sprinter-Autor: Lorenz Hemicker Bild: Robert Wenkemann

Auf nichts reagiert unsere Spezies so sensibel wie auf Gefahren. Probleme oder Problemchen? Die sind ein Fall für die EU-Innenminister, die sich mit dem kniffligen Thema Asyl herumschlagen werden. Immerhin bei der Nato geht es heute um Einigkeit. Das bringt der Tag.

          Ich habe schlechte Neuigkeiten für Sie: Ein Sturm zieht auf. Na, sind Sie wach? Kein Wunder. Auf nichts reagiert unsere Spezies so sensibel wie auf Gefahren. Das steckt in uns Menschen drin. Binnen kürzester Frist mussten unsere steinzeitlichen Vorfahren entscheiden, ob sie die Flucht ergreifen oder den Faustkeil. Vorwärts oder rückwärts. Etwas Anderes gab es nicht. Heute sind die Probleme für viele Menschen weniger existentiell, zumindest hierzulande. Ein Paar, das seit 25 Jahren verheiratet ist, sich trennen will und ein Vermögen von acht Millionen Euro aufgebaut hat – für die mag die Vermögensaufteilung ein Problem sein. Andere würden urteilen: Die Probleme möchte ich haben. Oder nehmen Sie den Klimawandel: Manche mögen die 16 Jahre alte Klimaaktivistin Greta Thunberg für ein Problem halten. Weil sie Politik infrage stellt und (noch ziemlich brav) rebellisch ist. Andere hätten größere Sorgen, wenn junge Menschen nicht mehr das tun, was viele junge Menschen nun mal tun: Rebellieren, um das, was Erwachsene tun, infrage zu stellen. Wann, wenn nicht mit 16? Auch bei den Beratungen der EU-Innenminister diesen Donnerstag werden wieder unterschiedliche Maßstäbe für ein Problem angelegt werden. Ab 10.00 Uhr beraten sie in Brüssel darüber, wie das EU-Asylsystem reformiert werden und die gerechte Verteilung von Asylsuchenden gelingen kann. Dass es ihnen gelingt, wäre zu wünschen. Die EU-Kommission dringt auf eine zügige Einigung über eine Reform des europäischen Asylrechts. Schließlich kommt die Reform des Asylsystems seit Jahren kaum voran.

          Apropos Asyl und Migration: Jugendliche mit Migrationshintergrund und Besserverdiener mit ihren ganz unterschiedlichen Lebenswelten treffen auf dem Offenbach Hafenplatz aufeinander. Meine Kollegin Mona Jäger hat sich angeschaut, wie sie dort aushandeln, wem die Stadt gehört.

          Um Einigkeit und Geschlossenheit geht es heute in Warschau, wenn Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Belvedere-Palast auf Polens Präsidenten Andrzej Duda trifft. Der Anlass ist für beide ein Grund zum Feiern. Polen, Tschechien und Ungarn feiern ihr 20. Nato-Beitrittsjubiläum, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien und Bulgarien jeweils ihr 15. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich dazu eine passende Reaktion aus dem Kreml vorzustellen. Moskau ist die Osterweiterung der Nato ein Dorn im Auge, so wie umgekehrt die starke russische Militärpräsenz an der Nato-Ostflanke für die Jubilare. Schlimmer ist, dass die Nato auch für den Präsidenten des mächtigsten Mitglieds offenkundig ein Übel ist. Wie groß die Unsicherheit angesichts von Donald Trumps Vorliebe für Drohungen, Kehrtwenden und Kündigungen zu sein scheint, zeigen die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Allianz am 4. April. Der wird nicht mit einem pompösen, mehrtägigen Treffen der Staats- und Regierungschefs begangen. Stattdessen kommen die Außenminister im State Department in Washington zusammen. Wohl hoffend, dass der Mann im Weißen Haus die Zusammenkunft nicht mit seinen Tweets durcheinanderwirbeln wird. An diesem Donnerstag dürfte er eher einen Gerichtsentscheid kommentieren. In Alexandria soll voraussichtlich das Strafmaß gegen Trumps früheren Wahlkampfchef Paul Manafort verkündet werden. Er wurde von den Geschworenen in Virginia unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrug schuldig gesprochen. Ihm droht eine sehr lange Haftstrafe.

          In Venezuela werden die Reaktionen des unter immer größeren Druck stehenden Präsidenten Nicolàs Maduro derweil immer drastischer. Nachdem das venezolanische Außenministerium den deutschen Botschafter in Caracas, Daniel Kriener, zur unerwünschten Person erklärt und seine Ausreise binnen 48 Stunden angeordnet hatte, bleibt nun abzuwarten, wie sich die Beziehung zwischen Berlin und Caracas entwickeln wird. Außenminister Heiko Maas sprach in einem ersten Statement von einer „unverständlichen Entscheidung“. Wie unser Lateinamerikakorrespondent Tjerk Brühwiller erfahren hat, sahen Diplomatenkreise in dem Schritt der venezolanischen Regierung eine Reaktion des Regimes von Nicolás Maduro auf die Anwesenheit verschiedener Botschafter am Internationalen Flughafen von Caracas am Montag, die dort die Rückkehr von Oppositionsführer Juan Guaidó verfolgten. Kriener sowie der chilenische Botschafter wurden von einem chilenischen Nachrichtenportal als treibende Kräfte hinter der Aktion beschrieben. Ob auch andere Botschafter von einer Ausweisung betroffen sind, war zunächst unbekannt.

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          Und sonst: Tritt der EZB-Rat in Frankfurt zur einer Sitzung zusammen. Mit einer Zinsentscheidung wird am Nachmittag gerechnet. Notenbank-Präsident Mario Draghi tritt gegen 14.30 Uhr vor die Presse. Trifft Außenminister Heiko Maas die kroatische Außenministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Pejcinovic-Buric.

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