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FAZ.NET-Sprinter : Echte Rücktritte

Die britische Premierministerin Theresa May kämpft um ihr politisches Überleben. Bild: dpa

Wenn britische Minister zurücktreten wollen, dann tun sie das – auch wenn die Premierministerin dabei in ihre schlimmste politische Krise schlittert. In Thailand herrscht derweil Hoffnung – und beim DFB dominieren die Widersprüche.

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          Wo ist der Masterplan, wenn man ihn einmal braucht? Nein, nicht von Horst Seehofer soll hier die Rede sein, sondern von Theresa May. Nach dem Rücktritt ihres Außenministers Boris Johnson, über den wir Journalisten wegen seiner mitunter bizarren Auftritte stets besonders aufmerksam berichtet haben, kämpft die britische Premierministerin um ihr politisches Überleben. Und um ihren weichen Brexit-Kurs, der Großbritannien nah am Festland halten soll. Dass sich mancher in Brüssel nun voller Hoffnung auf einen radikalen Kurswechsel in London die Hände reibt, ist verständlich – aber auch klug? Für May ist mit dem Abgang wichtiger Minister längst der Ernstfall eingetreten. Zwar hat sie für beide schnell Ersatz gefunden, am Dienstag wird sie aber vollauf damit beschäftigt sein, andere Frustrierte aus der eigenen Partei und Regierung vom Rücktritt abzuhalten – mit soften oder harschen Tönen in Richtung Brüssel? In Großbritannien, das zeigen die Fälle Johnson und Davis, werden Rücktrittsdrohungen jedenfalls in die Tat umgesetzt. Folgt nun der Aufstand gegen May?, fragt F.A.Z.-London-Korrespondent Jochen Buchsteiner. 

          Ein – nach menschlichen Maßstäben – ungleich größeres Drama spielt sich derzeit in Thailand ab. Nachdem gestern vier weitere Jungen aus einer überfluteten Höhle im Norden des Landes gerettet worden sind, sollen heute weitere Opfer mit dieser waghalsigen Aktion in Sicherheit gebracht werden. Das Drama dauert schon zweieinhalb Wochen, und ist sicherlich auch für das Rettungsteam aus rund 90 Tauchern traumatisch, nachdem ein erfahrener Kollege bei den Vorbereitungen der Rettungsaktion umgekommen ist. Sollte die gesamte Jungenmannschaft in den kommenden Tagen wohlbehalten in Freiheit sein, lässt die Debatte über Verantwortlichkeiten sicher nicht lange auf sich warten. Und auch diese Frage: „Warum nahm die gesamte Welt Anteil an einem Unglück, das eigentlich nur sehr wenige Menschen in einem weit entfernten Land betrifft – während alleine in Japan derweil mehr als einhundert bei Überschwemmungen ums Leben kamen?“ Mein Kollege Sebastian Eder wagt in seinem Text zur thailändischen Tragödie eine erste Antwort.

          Und wenn Sie zur seltenen Sorte derer gehören, die gedanklich immer sehr spät in Turniere einsteigen: Ja, Deutschland ist raus, unser stets verkanntes Nachbarkönigreich Belgien steht hingegen im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Heute Abend um 20 Uhr bekommt es der ewige Geheimfavorit mit der wiedererstarkten französischen Nationalmannschaft zu tun, das zweite Halbfinale bestreiten am Mittwoch Kroatien und unser zweiter fußballerisch stets verkannter Nachbar: England. Dass es um die deutsche Vergangenheitsbewältigung ausnahmsweise mal nicht so rosig steht, dafür sind die hiesigen Funktionäre selbst verantwortlich: Wie sich DFB-Chef Grindel und Manager Bierhoff nach dem deutschen Ausscheiden immer tiefer in Widersprüche verstricken, lesen Sie hier bei Michael Horeni.

          Und sonst? Stellt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) seinen „Masterplan Migration“ vor. Werden die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit Kanzlerin Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Berlin fortgesetzt. Laden Hinterbliebene und Opfer kurz vor dem Urteil im NSU-Prozess zur Pressekonferenz.

          Die Nacht in Kürze

          Der konservative Jurist Brett Kavanaugh soll nach dem Willen von Donald Trump neuer Richter am Obersten Gerichtshof werden. Für die Waffen-Lobby ist die Wahl wohl eine gute Nachricht.

          Tesla-Gründer Elon Musk ist zu den Rettungstauchern in Thailand gereist. Mit dabei hat er eine Erfindung, die den eingeschlossenen Jungen helfen soll. Doch es gibt keinen Hinweis, dass das Gerät auch wirklich zum Einsatz kommt.

          Die iranische Regierung will Hunderte Millionen Euro an Bargeld von Deutschland nach Teheran fliegen. Dagegen protestiert nun Amerikas Botschafter: „Wir sind sehr besorgt.“

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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