https://www.faz.net/-gpc-9kv69

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

FAZ.NET-Sprinter : Das Ende vom Anfang

  • Aktualisiert am

Unser Sprinter-Autor: Lorenz Hemicker Bild: Robert Wenkemann

Was der Brexit mit den Preußen zu tun hat. Und wieso Greta Thunberg und ihre Mitstreiter einen Gastbeitrag bei uns veröffentlichen dürfen. Alles Wichtige wie immer im FAZ.NET-Sprinter.

          Die Briten lieben ihre Geschichte. Sie bietet reichlich Glanz und Gloria. Das kann tröstend sein, gerade in diesen chaotischen Brexit-Zeiten. Waterloo hat es manchem hartgesottenen Brexiteer angetan. Damals, im Jahr 1815, schlugen die Briten Napoleon und zwangen ihn, sich endgültig ins Exil zu verabschieden. Dass der brillante Feldmarschall Wellington ohne die im Verlauf der Schlacht eintreffenden Preußen vermutlich verloren hätte, bleibt häufig unerwähnt. Ebenso wie Wellingtons Ausruf: „Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen.“ Wichtiger für die stolzen EU-Gegner ist dies: Der Sieg der Briten war der Anfang vom Ende erster Bestrebungen für ein vereintes Europa.

          Was sagt uns das am Tag eins nach der epischen Abstimmungsschlacht im Unterhaus über den Brexit? Erstens: Sie war nicht der Anfang vom Ende des EU-Austrittsprozesses. Im schlimmsten Fall war sie erst das Ende vom Anfang. Denn nun beginnt wieder das Feilschen zwischen Brüssel und London, dieses Mal um das neue Austrittsdatum. EU-Ratspräsident Donald Tusk denkt an mindestens ein Jahr. Wie und ob man sich am Ende trennt, bleibt ungewiss. Zweitens: Ein Waterloo droht dieses Mal den Anhängern eines harten Brexits. Schlagkräftige Reserven vom Kontinent sind nicht in Sicht, schon gar nicht von den Preußen. Und drittens: Der Wille zur gütlichen Einigung über den EU-Austritt dies- und jenseits des Ärmelkanals ist nach wie vor deutlich stärker ausgeprägt als die zweifelhafte Sehnsucht nach den „glorreichen“ Zeiten vor 200 Jahren, wo sich die Menschen mitten in Europa noch gegenseitig den Schädel eingeschlagen haben. Am Ende dieser Woche steht ein Hoffnungszeichen, schreibt mein Londoner Wirtschaftskollege Marcus Theurer in seinem Kommentar.

          Während das Monatsende angesichts der schwindenden Wahrscheinlichkeit eines baldigen EU-Austritts der Briten im Westen Europas nun langsam für Entspannung sorgt, biegt im Osten des Kontinents ein bedeutungsschwerer Wahlkampf gerade auf seine Zielgerade ein. Am 31. März stimmen die Ukrainer über ihren neuen Präsidenten ab. Schwer genug in einem Land, von dem ein Teil (die Krim) von Russland annektiert worden ist und ein anderer (die Ostukraine) nach wie vor in einem Bürgerkrieg steckt. Unter den 38 (Bewerbern), die Amtsinhaber Petro Poroschenko herausfordern, ist Julija Timoschenko zweifellos die Prominenteste. Im Gespräch mit der F.A.Z. wirft sie seinen führenden Mitstreitern vor, „in riesige, korrupte Geschäfte verstrickt“ zu sein. Wer sich bereichert habe, müsse vor Gericht. Was sie von schärferen Sanktionen gegen Russland hält, lesen Sie hier.

          Bei allen Problemen, die uns über die Nachrichtenkanäle aus aller Welt erreichen: Manchmal ist es ein Jammer, mit wie vielen (eigentlich überflüssigen) Problemen wir uns alle jeden Tag herumschlagen müssen. Der Brexit lähmt die EU. Einen neuen Kalten Krieg braucht kein Mensch. Die Menschheit hätte, mit Verlaub, andere Dinge zu tun. Und sein wir ehrlich: Wer von uns hat schon Lust, seinen Kindern auf die Frage nach dem „Warum habt ihr nichts gegen den Klimawandel getan?“ einmal zu antworten: „Ich bin mit dem SUV zum Biomarkt gefahren?“ Erderwärmung und Rohstoffverknappung drohen in den kommenden Jahrzehnten zu Wanderungsbewegungen in Richtung Europa zu führen, gegen die die Flüchtlingskrise ein Kindertheater gewesen ist. Weltweit sind für heute mehr als 1600 Demonstrationen junger Menschen in über 100 Staaten angekündigt, die genau das verhindern wollen. In Deutschland soll es Aktionen in fast 200 Städten geben. Vorbild ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit vielen Wochen freitags für den Kampf gegen den Klimawandel demonstriert, statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Symbolfigur für Klimaschützer rund um die Welt geworden, manche wollen ihr schon den Nobelpreis verleihen. Dabei ist es genauso falsch, sie zu überhöhen wie sie zu verdammen – oder von ihr Lösungen zu verlangen, die kein Erwachsener bislang vorgelegt hat. Sie ist keine Politikerin. Sie ist keine Leitartiklerin. Sie ist noch nicht einmal volljährig. Greta ist gerade einmal 16 Jahre alt. Was ihre Mitstreiter und sie uns zu sagen haben, halten wir dennoch für so wichtig, dass wir es veröffentlichen werden. Ihr Gastbeitrag erscheint bei uns in englischer und deutscher Sprache, heute Morgen um kurz nach 7 Uhr auf FAZ.NET.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Und sonst:

          Eröffnet Außenminister Heiko Maas die internationale Konferenz des Auswärtigen Amtes zur Rüstungskontrolle in Berlin. Tritt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der internationalen Handwerksmesse bei einem Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft auf. Veröffentlicht die Europäische Statistikbehörde Eurostat die Zahlen der Inflation für Februar 2019.

          Die Nacht in Kürze:

          Bei einem Angriff auf Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch sind viele Menschen erschossen worden. Die Polizei hat einen Mann festgenommen.

          Facebook verliert zwei Führungskräfte. Der Chef von Whatsapp sowie ein enger Vertrauter von Mark Zuckerberg verlassen das Unternehmen.

          Kaum greifbares nach dem Ein-Jahr-Groko-Gipfel. Die Koalition will eine Arbeitsgruppe namens „Klimakabinett“ einsetzen. Und es gibt ein ungewöhnliches Gruppenbild.

          Ihr

          Lorenz Hemicker

          Abonnieren Sie hier den kostenfreien politischen und wirtschaftlichen Newsletter F.A.Z. Sprinter. Der kompakte Überblick über alles, was am Tag wichtig wird. Immer werktags um 6.30 Uhr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Außenminister: Jean-Yves Le Drian (links) und Heiko Maas (rechts)

          Regierungsbeschluss : Berlin will vorerst keine Schiffe an den Golf schicken

          Außenminister Heiko Maas will sich der Strategie Amerikas nicht anschließen. Da ist er sich mit seinem englischen und französischen Amtskollegen einig. Stattdessen sieht er die Anrainer in der Pflicht.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.