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FAZ.NET-Sprinter : Brutalstmögliche Egos

Unser Sprinter-Autor: Oliver Georgi Bild: Robert Wenkemann

Immer mehr Gespräche, alte Vorwürfe, neue Kompromissvorschläge: Der Brexit steckt fest. Explosiver geht es bei Donald Trump zu – in doppelter Hinsicht. Alles, was heute wichtig wird im FAZ.NET-Sprinter.

          Natürlich könnte man auch diesen Sprinter wieder mit dem Brexit beginnen. Mit neuen Gesprächen, alten Vorwürfen und neuen Kompromissvorschlägen von Labour und anderen, deren Halbwertszeit kürzer ist als nordirischer Cheddar in der Sonne schmilzt. Aber wir wollen Sie an diesem schönen Mittwochmorgen ja nicht gleich schon wieder ermüden. Deshalb machen wir es einfach kurz: Auch heute stimmt das britische Unterhaus über „weitere Brexit-Schritte“ ab – konkreter kann es man das derzeit eigentlich kaum sagen. Also: Der Brexit wird kommen oder nicht, mit Deal oder ohne, derzeit wohl eher nicht zum 29. März, sondern vielleicht später, und der Rest wird sich zeigen. Aber heute höchstwahrscheinlich noch nicht.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Ähnlich zurückhaltend formulieren die meisten Beobachter ihre Erwartungen an den zweiten Gipfel zwischen Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un, der ab heute im vietnamesischen Hanoi stattfindet. Um die europäische Mittagszeit werden sich beide zum zweiten Mal begegnen und gemeinsam zu Abend essen. Konkrete Ergebnisse werden aber wohl erst in der Nacht zu Donnerstag deutscher Zeit erwartet. Die Rhetorik dürfte auch in Hanoi pompös ausfallen – das Wort vom „historischen Friedensgipfel“ liegt beiden Staatsmännern, die jeweils bekanntlich mit dem brutalstmöglichen Ego ausgestattet sind, sicher nicht fern. Doch dass in Hanoi wirklich essentielle Schritte hin zu Abrüstung und Frieden getan werden, damit rechnen nur die wenigsten.

          Erneuert Kim sein „Versprechen“ vom ersten Gipfel im Juni 2018, als er vollmundig eine „vollständige Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel in Aussicht stellte, dies in den Monaten danach aber schnell wieder relativierte? Und selbst wenn er es erneuert: Was ist das Versprechen eines Diktators wert, zumal wenn sein Gegenspieler kein kluger, nüchtern kalkulierender Außenpolitiker ist, sondern – leider! – Donald Trump? Was in Vietnam geschehen könnte und was nicht, darüber gibt Ihnen mein Kollege Martin Benninghoff, ein profunder Kenner des Landes, der Nordkorea selbst schon mehrere Male bereist hat, in seinem Text einen analytischen Überblick. Und meine Kollegin Friederike Böge berichtet nicht minder kenntnisreich aus Hanoi, warum Kim Jong-un die Sängerin der nordkoreanischen Popgruppe Morangbong mit zum Gipfel genommen hat.

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          Eine innenpolitische Atombombe hingegen könnte für Trump daheim in Amerika platzen, wenn sein früherer Anwalt Michael Cohen, der heute vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses aussagt, seine Ankündigung wahr machen und wirklich über die Geschäfts- und Wahlkampfgebaren des Präsidenten „auspacken“ sollte. Vor dem Geheimdienstausschuss des Senats hat er in der Nacht bereits acht Stunden lang ausgesagt – allerdings hinter verschlossenen Türen. Das heutige Treffen ist öffentlich, dann könnte aller außenpolitischer Pomp von Hanoi sich für Trump umso schneller als schlecht geweißtes Potemkinsches Dorf entpuppen. Nach Angaben der „New York Times“ lautet Cohens Eingangsstatement so: „Ich bedauere alle Unterstützung und Hilfe, die ich [Mr. Trump] gegeben habe. [...] Ich schäme mich, weil ich weiß, was er ist. Er ist ein Rassist. Er ist ein Bauernfänger. Er ist ein Betrüger.“ Na dann: Einen schönen Gipfel, Mr. President!

          Und sonst: trifft Trumps Schwiegersohn Jared Kushner den türkischen Präsidenten Erdogan. Berät das Kabinett unter anderem über den Zensus 2021 und die Bundeswehr. Besucht Außenminister Heiko Maas deutsche Soldaten in Mali. Trifft Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Moskau den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Wird in Dresden der Prozess gegen die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry fortgesetzt. Trifft sich Bundeskanzlerin Merkel in Paris mit dem französischen Präsidenten Macron.

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