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F.A.Z.-Kongress 2022 : ESA-Chef Aschbacher: „Ein zweites Wettrennen ins All“

Josef Aschbacher im Gespräch mit Sibylle Anderl beim F.A.Z.-Kongress. Bild: Michael Braunschädel

Es ist ein Thema, das wohl wie kein anderes die Wissenschaft bewegt: das Universum. F.A.Z.-Wissenschaftsredakteurin Sibylle Anderl im Gespräch mit Josef Aschbacher, dem Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

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          An diesem Freitagmorgen um 6.43 Uhr landete Matthias Maurer, der deutsche ESA-Astronaut nach einem langen Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS wieder auf der Erde. Im Raum Satellit der Messe wurde deshalb wohl der passendste Vortrag zu diesem Ereignis abgehalten. F.A.Z.-Wissenschaftsredakteurin Sibylle Anderl sprach mit Josef Aschbacher, dem Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Paris, über ein Thema, das wohl wie kein anderes die Wissenschaft bewegt: das Universum. „Vom Klima der Erde bis zu fernen Eismonden: Europas Vision für den Weltraum“ war der Titel der Diskussion, die sich um die Utopien und Dystopien drehte, die mit der Forschung des Universums einhergehen, darunter die Entwicklungen im internationalen Raumfahrtsektor, die spannendsten Forschungsschwerpunkte und die internationalen Kooperationen, die durch den Ukraine-Krieg gerade auf eine harte Probe gestellt werden.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Im Raumfahrtsektor passiere viel, war die Ausgangsbetrachtung von Aschbacher: „Es herrscht eine neue Weltraumeuphorie. Es gibt viele Innovationen und neue Akteure, die in Technologie investieren. Besonders in der Informationstechnologie ist der Boom immer noch massiv.“ Im letzten Jahr wurden mehr als 12 Milliarden Dollar privater Gelder in Raumfahrt investiert, das sei eine rekordverdächtige Zahl. Im Vergleich dazu investiert die ESA lediglich 7 Milliarden Euro. Aus seiner Sicht entwickeln sich die staatlichen Raumfahrtagenturen immer stärker zu Think Tanks und Akteuren mit Expertise, die den privaten Raumfahrtsektor stimulieren und auch unterstützen. Es gäbe gar ein „zweites Rennen im Weltraum“ besonders zwischen den Vereinigten Staaten und China.

          Europa stehe in diesem Gefüge gut da. Als wichtiger, „aber relativ kleiner Partner“ arbeite die ESA eng mit der NASA und anderen zusammen. Europas Raumfahrtsektor müsse viele Dinge aufholen. Besonders eine Kommerzialisierung der Weltraumforschung und -erschließung sei im Vergleich zu Amerika weniger fortgeschritten.

          Ein Indiz für mögliches Leben

          Eine Frage, die häufig an ihn gerichtet werde, sei, ob das Geld für die Weltraumforschung nicht sinnvoller zur Lösung irdischer Probleme investiert werde. Er entgegnet darauf, dass die ESA auch viele ihrer Aktivitäten auf die Bekämpfung des Klimawandels, die Schaffung von Energie- und Datensicherheit ausgerichtet habe. „Die Weltraumforschung ist integrierter in unser Leben, als viele denken“. So sammelt die Weltraumbehörde auch Daten über das Erdklima und entwickelt Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels. Mit Satelliten werden Vermessungen vorgenommen, um die Erde zu verstehen. „Ohne die Raumfahrt hätte die Klimaforschung nicht das aktuelle Potenzial“.

          Auch Krisenregionen würden von Satelliten überwacht, und die ESA unterstütze militärische Institutionen mit dem European Data Relay System. Es gebe Forschung zu Photovoltaikanlagen im Weltall, die künftig zur Energiesicherheit nachhaltig beitragen könnten. Der nächste Schritt sei aus seiner Sicht der Mond, wegen seiner Ressourcen an Rohstoffen. Hier liege ein Schwerpunkt der momentanen Aktivitäten. Für die ESA sei dieser Himmelskörper „gerade der interessanteste, was Rohstoffe angeht“. Daneben stehe momentan die Vorbereitung der Mission „Juice“ zu den Eismonden des Jupiters im Mittelpunkt. „Wir wissen, dass es unterirdische Wasservorkommen auf den Eismonden gibt. Das ist ein eine Vorbedingungen für mögliches Leben“. „Eine Möglichkeit, die uns in unserem Selbstverständnis erschüttern könnte“, entgegnet Anderl.

          Zum Schluss berichtet Aschbacher, der seit einem Jahr die Geschicke der ESA führt, dass ihn jeder Einsatz eines europäischen Astronauten im Weltall in Aufregung versetze, wie eben jetzt bei Matthias Maurer: „Man schläft schlecht. Starts und Landungen sind immer kritische Momente. Und die Freude, wenn beides gelingt, umso größer. Dennoch gilt: Raumfahrt ist immer noch ein gefährliches Unterfangen“.

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